Restaurierungsglas für ein zerstörtes Stadthaus

NEU: Haus zur Goldenen Waage, DomRömer-Projekt in Frankfurt am Main - Deutschland

Die Rekonstruktion des „Hauses zur Goldenen Waage“ ist ein Highlight des städtebaulichen Großprojekts DomRömer in Frankfurt am Main.  SCHOTT trägt dazu mit rund 390 Restaurierungsgläsern bei, die der Renaissance-Fassade ein authentisches Erscheinungsbild verleihen.

Projekt

Der Hintergrund


Das Viertel zwischen Dom und Römer war ein lebendiger Tummelplatz der Frankfurter Altstadt mit prächtigen Patrizierhäusern, historischen Gassen und malerischen Höfen – bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Um dieses gewachsene Lebensgefühl in die moderne Großstadt am Main zurückzuholen, wurde 2007 ein städtebauliches Großprojekt beschlossen: Von 2012 bis 2018 soll ein 7.000 Quadratmeter umfassendes Areal in der Altstadt neu bebaut und dabei der historische Stand vor dem Krieg teilweise wiederhergestellt werden.

Zu den 15 Rekonstruktionen zerstörter Gebäude zählt auch das Haus zur Goldenen Waage, vormals eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt in direkter Nähe zum Dom (Markt 5). Das im Kern mittelalterliche Fachwerkhaus wurde von seinem späteren Eigentümer, dem vermögenden Gewürzhändler und Zuckerbäcker Abraham von Hameln, bis 1619 neu aufgebaut. Es erhielt eine prachtvolle Renaissance-Fassade, ein reich aufgebautes Fachwerk und schloss nach oben hin mit einem rheinischem Wellengiebel ab. Auf dem Dach des Hinterhauses wurde ein „Belvederchen“, ein begrünter Dachgarten, eingerichtet.
Das Haus Goldene Waage des Großprojektes DomRömer ist mit SCHOTT Restaurierungsglas ausgestattet

Die Herausforderung

Die Rekonstruktion dieses historischen und architektonischen Juwels stellt sich als Aufgabe mit höchstem restauratorischem Anspruch dar. Die Wiederherstellung erfolgt teilweise auf Basis historischer Fotos. Dies galt insbesondere für die bereits installierten Türen und Fenster mit ihren Teilungen, Sprossen, Zierprofilen, aber auch für die historisierende Beschlagtechnik wie etwa handgeschmiedete Winkelbänder mit Stützkloben, Vorreibern und Fensterknöpfen.

Weitere Besonderheiten sind spezielle Fensterkonstruktionen, so etwa ein als Fluchtfenster dienendes Stulpfenster. Es sieht exakt aus wie zwei mit einem massiven Gaubenpfosten voneinander getrennte vierflügelige Fenster. Ungewöhnlich ist auch ein einflügeliges Lüftungsfenster mit einflügeligem Oberlicht, das einem vierflügeligen Kreuzstockfenster ähnelt.

Für alle Fenster- und Türenverglasungen galt es stimmige Lösungen zu finden, die ein authentisches Erscheinungsbild wiederherstellen lassen. Zugleich waren bei der Wahl der Gläser und Konstruktionen neben restauratorischen auch moderne bautechnische und energetische Anforderungen zu berücksichtigen.
 

Material

Die Lösung

Das ausführende Unternehmen Kramp & Kramp aus Lemgo entschied sich zur Verglasung für Restaurierungsgläser von SCHOTT. Die entsprechenden Fenster und Türen fertigte die Firma PaX.
 
  • Die äußeren Fensterebenen der neuen Kastenfenster wurden mit Restaurierungsglas einfachverglast.
  • Die inneren Ebenen erhielten u.a. Dreifachisolierglas mit entsprechendem Wärmeschutzes (Ug=0,5 W/m²K) und modernster Beschlagtechnik.
Für die Verglasungen wurden die SCHOTT Restaurierungsgläser TIKANA® und RESTOVER® light verwendet. Diese Gläser sind maschinengezogen im traditionellen Fourcault-Verfahren, das gegenüber dem Floatverfahren gezielte Abweichungen in der Planität (Langwelligkeit) und Dicke erzeugt. Damit lassen sich Oberflächencharakteristiken herstellen, die das Erscheinungsbild von Originalgläsern verschiedener Epochen nachempfinden. Zugleich erlauben vielfältige Weiterverarbeitungsmöglichkeiten die Umsetzung moderner bauphysikalischer und wirtschaftlicher Ansprüche.

Die richtige Glasauswahl zu treffen erfordert neben der Berücksichtigung des historischen Kontextes auch die Beachtung der Gebäudenutzung.  Insbesondere deshalb hat man sich beim Projekt „Goldene Waage“ für die weniger strukturierten Gläser TIKANA
® und RESTOVER
® light entschieden.
 
  • TIKANA® eignet sich ansonsten besonders für Bauten im Bauhausstil. Seine leicht unregelmäßige Oberfläche fügt sich harmonisch in Bauten der klassischen Moderne ein.
  • RESTOVER® ähnelt um die Jahrhundertwende gefertigtem Fensterglas. Seine geringe Dicke erlaubt den problemlosen Einbau in historische Fensterrahmen und -profile. Ergänzt wird das Portfolio durch die Variante RESTOVER® light, deren Oberfläche weniger strukturiert ist und mundgeblasenem Glas weniger ähnelt als die Variante RESTOVER® plus.
Für die Verglasung des noch im Aufbau befindlichen Altstadthauses wurden 390 Scheiben SCHOTT Restaurierungsglas,
gefasst in Karniesblei, für 110 Quadratmeter Fensterfläche verwendet. Daher ergibt sich trotz des Einsatzes modernster Isolierverglasungen in der inneren Fensterebene ein stimmiges Erscheinungsbild der Fassade. Mit den Sonderfarbtönen der Holzoberflächen und teilweise auch der Beschläge erhalten die Fensterkonstruktionen ein sehr eindrucksvolles, einzigartiges Gesicht
.

Download des Projekt Berichts

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