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Von der Zukunft lernen

Strategic-Foresight-Expertin Diana Wolf-Dolgner über Chancen von Unternehmen, Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft zu meistern sowie Zukunft aktiv zu gestalten.

Frau Wolf-Dolgner, was genau macht ein Future Manager?

Ein Future Manager schafft eine Verbindung zwischen den häufig sehr abstrakten Szenarien der Zukunftsforschung und den praktischen Anforderungen von Führungskräften in Unternehmen. Wie sieht die Welt von morgen aus und welche Rolle können wir in ihr spielen? Welche Chancen eröffnet uns das und wo entstehen Risiken? Das sind Fragen, mit denen sich diese Disziplin beschäftigt.

Warum ist es wichtig, sich systematisch mit der Zukunft auseinanderzusetzen?

Das Zusammenwirken fundamentaler Kräfte – sogenannte Megatrends – bewirkt einen dramatischen Wandel. Ähnlich wie Wellen, die sich gegenseitig verstärken, gewinnen diese Trends an Stärke, Größe und Einfluss, wenn sie miteinander interagieren. So erleben wir durch „Informatisierung und Internetisierung“, wie rasend schnell Voraussetzungen zur Digitalisierung aller Lebensbereiche geschaffen werden. Bei dieser hohen Veränderungsgeschwindigkeit kann es für Unternehmen fatal sein, sich auf gewohnte Denk- und Entscheidungsmuster der Vergangenheit zu verlassen. Denn kaum etwas wirkt auf andere Megatrends so katalytisch wie die Vernetzung. Informationen und Netzwerke sind die Haupttreiber der digitalen Transformation und manifestieren sich in den Entwicklungen zahlreicher Megatrends, wie künstliche Intelligenz, Internet of Things, Sharing Economy, Robotik, Augmented Reality. Wir können uns ihr kaum noch entziehen.

Was heißt das für Unternehmen? Wie können sie vorgehen?

Zunächst brauchen Unternehmen ein ganzheitliches Verständnis über die fundamentalen Veränderungen in ihrem Umfeld. Eine fundierte, faktenbasierte Analyse betrachtet eine Vielzahl der Megatrends, die die Umbrüche unserer Wirtschaft und Gesellschaft bestimmen. Bei der „Megatrend-Mapping“-Methode durchlaufen die Teilnehmer eine Art Zukunftsgallerie. Dabei werden analytischwissenschaftliche Aspekte mit einer gestalterischen Vorgehensweise verbunden. Solche Methoden bilden die Grundlage für Unternehmen, sich kreativ mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen und Szenarien zu entwickeln. Idealerweise passiert das in interdisziplinären Teams, die sowohl die Strategie als auch Human Resources und die Kommunikationsabteilung einbeziehen. Schließlich geht es nicht nur darum, ein gemeinsames Zukunftsbild zu entwickeln und neue Spielfelder zu finden, sondern auch darum, den Mitarbeitern Sicherheit und Orientierung zu geben

Wie verlief das Projekt: Was waren Highlights, was Herausforderungen?

Zum einen war die Konstruktion des Designs eine Herausforderung. Normalerweise werden Photobioreaktoren nicht in dieser Form installiert. Die Rohre hatten daher nicht die passenden Biegewinkel und mussten extra angefertigt werden. Eine Kombination aus SCHOTT Standard-Glasrohren und Verbundstücken sowie speziell nachverarbeitetet Rohre vom niederländischen Glasbläser VBGL haben das finale Design ermöglicht. Die andere Herausforderung war die Situation vor Ort. Als wir in Astana ankamen, war das gesamte Ausstellungsgelände eine riesige Baustelle. So hatten wir nicht nur wenig Zeit, sondern auch wenig Platz, weil um uns herum alle rotierten. Am Ende war genau das aber auch unser Highlight. Trotz dieses Chaos‘ hat alles geklappt und wir wurden rechtzeitig fertig. Die Koordination mit den anderen Teams auf engem Raum war beeindruckend und der Eventbauer ADUNIC hat wirklich tolle Arbeit geleistet. Unsere Devise für die Zukunft: Wenn wir hier bauen konnten, können wir überall bauen.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit Konnektivität und Digitalisierung. Haben Sie einen Rat?

Zum einen sehe ich häufig, dass sich Unternehmen auf die Digitalisierung ihrer schon vorhandenen Geschäftsprozesse fokussieren, ohne zu hinterfragen, ob ihr Produkt oder Geschäftsmodell selbst zukunftsrobust ist. Zum anderen stelle ich immer wieder fest, dass bei allem Nachdruck auf die Digitalisierung von Prozessen das wichtigste Gut – der Mensch – in den Unternehmen vergleichsweise wenig Beachtung erfährt. Was bedeuten die Veränderungen für die Mitarbeiter? Sind die Führungskräfte für die Zukunft gerüstet? Hier setzt Zukunftsmanagement an und hilft dabei, nicht zum passiven Spielball zu werden, sondern die Transformation proaktiv und erfolgreich zu meistern. Denn „Zukunft hat, wer sie macht“.

Können Sie eine Einschätzung geben, welche Rolle Glas in einer vernetzten Zukunft spielen wird?

Ich habe Glas als Werkstoff mit äußerst vielseitigen Einsatzmöglichkeiten kennengelernt, der bei vielen Innovationen eine wichtige Rolle spielt – von Hochleistungs- Computerchips über superschnelle Datenübertragung bis zu faltbaren Endgeräten. Das klingt für mich nach sehr viel Contact Potenzial, um eine vernetzte Zukunft mitzugestalten.

Diana Wolf-Dolgner ist seit 2017 Geschäftsführerin der Managementberatung MARKET & BEYOND. Davor war die studierte Betriebswirtin mehr als 20 Jahre im Strategieumfeld internationaler Industriekonzerne tätig (Rolls-Royce, Tognum, MTU Friedrichshafen / Daimler). Sie ist als Referentin bei Managementinstituten und Universitäten im In- und Ausland tätig.

05. Februar 2019

Kontakt

Christina Rettig
Marketing & Communication
SCHOTT AG

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