DCSIMG

Die Reise ins Ich

Immer mehr Implantate werden zu „smarten“ Helfern. Sie erfassen Daten und besitzen optische
Komponenten wie Sensoren.

Immer mehr Implantate werden zu „smarten“ Helfern. Sie erfassen Daten und besitzen optische
Komponenten wie Sensoren.

Die Zukunft geht unter die Haut. Denn wenn Mensch und Technologie verschmelzen, wird Science-Fiction Realität. Smarte Implantate ebnen den Weg dahin. Sie sorgen dafür, dass der eigene Körper zum Teil des Internets der Dinge wird. Extrem klein, hoch zuverlässig und intelligent vernetzt: In der Medizintechnik kommen vermehrt Implantate auf den Markt, die Daten erfassen und übertragen. Sie verfügen über optische Komponenten wie Sensoren oder Kameras, die Informationen sammeln. Die empfindlichen Bauteile benötigen Gehäuse, die sie vor Feuchtigkeit oder Körperflüssigkeiten schützen. Gleichzeitig müssen sie die leistungsstarke Übertragung elektrischer, optischer und hochfrequenter Signale ermöglichen. Und hier kommt zunehmend Glas ins Spiel. Neben der Biokompatibilität des Werkstoffs eröffnet die exzellente Transparenz für Hochfrequenz-wellen vollkommen neue Möglichkeiten für aktive Implantate. „Voll-Glas-Gehäuse“ könnten beispielsweise besonders effizientes Laden, die Übertragung von Daten oder die Umprogrammierung von Implantaten ermöglichen. Durch die Transparenz von Glas ist zudem ein breites Spektrum an optischen Anwendungen denkbar.

Schon heute schaffen spezielle Netzhautimplantate in hermetischen Ganzglasgehäusen neue Behandlungsmethoden für Menschen mit starkem Sehverlust. Diese Implantate werden in einem minimalinvasiven chirurgischen Verfahren in das Auge eingesetzt und besitzen die erforderlichen Funktionen, um die Netzhautnerven zu stimulieren, ohne dass zusätzliche Kabel außerhalb des Augapfels erforderlich sind. Das Gehäuse ermöglicht dabei unter anderem das Speichern und Übertragen von Daten an die Ärzte des Patienten, um das Gerät optimal auf die Bedürfnisse abzustimmen.

Hermetische „Voll-Glas-Gehäuse“
Dicke: 1,8 mm (500 + 800 + 500 μm), B x H: 10 x 10 mm

Mit der Übernahme des finnischen Unternehmens Primoceler Oy eröffnen sich für SCHOTT neue Möglichkeiten. Mit dem innovativen Hightech-Verfahren Laser-Micro-Bonding lässt sich Glas mit Glas oder Glas mit Silizium verbinden – und zwar ohne das zu verkapselnde Bauteil oder die Elektronik zu erhitzen oder zusätzliche Materialien zu verwenden.

So sind immer kleinere Wafer- und Chip-Size-Bauteile für implantierbare Medizinprodukte möglich. Außerdem kann auf Wunsch Gas in die Kavität eingebunden oder ein Vakuum erzeugt werden. In Kombination mit neuen biokompatiblen Glastypen können neue Anwendungsbereiche für das Wafer-Level Chip-Scale Packaging (WL-CSP) erschlossen werden. Darüber hinaus kann die Technologie auch in Anwendungen wie Luft- und Raumfahrt, Mikrooptik und Unterhaltungselektronik eingesetzt werden.

In medizinischen Anwendungen wie autoklavierbare Komponenten für Medizingeräte, Glaspulver für Dental-anwendungen sowie injizierbare Tiertransponder spielt Glas schon eine bedeutende Rolle. Medizinische Implantate, mikroelektro-mechanische Systeme (MEMS) und andere elektronischeoder optische Komponenten sind der nächste Schritt, um die Gesundheit mithilfe von Glas zu digitalisieren.

21. Februar 2019

Kontakt

Antti Peltonen
New Venture Primoceler
SCHOTT AG

nach oben