Struktur und Optik: Otto-Schott-Forschungspreis 2026 zeichnet zwei US-Glaswissenschaftler aus
Montag, 13. April 2026, Deutschland, Mainz
- Professor Steve Martin von der Iowa State University und Professorin Kathleen Richardson von der University of Central Florida erhalten den Otto-Schott-Forschungspreis 2026 für ihre herausragende Forschung.
- Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten ermöglichen neue Materialeigenschaften und erweitern die Einsatzmöglichkeiten von Glas in Zukunftstechnologien.
- SCHOTT betont mit der Auszeichnung die enge Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Anwendung.
Wie die atomare Struktur die Glaseigenschaften bestimmt
Steve Martin, Professor für Materialwissenschaft und Ingenieurwesen wird für seine grundlegenden Forschungen zur Struktur von silikatischen und nicht-oxidischen Gläsern ausgezeichnet. Seine Arbeiten zeigen, wie die atomare Struktur die Eigenschaften von Glas bestimmt – etwa die Beständigkeit des Glases gegenüber hohen Temperaturen, chemischen Einflüssen und langfristiger Belastung. Dieses Verständnis ist entscheidend, um Spezialglas gezielt für anspruchsvolle Anwendungen weiterzuentwickeln, etwa in der pharmazeutischen Verpackung oder in energieintensiven industriellen Prozessen. Darüber hinaus eröffnet seine Forschung neue Perspektiven für Energietechnologien, etwa im Bereich der Festkörperbatterien.„Die wegweisende Arbeit von Dr. Martin hat neue Perspektiven für die Batterietechnologie eröffnet. Seine Forschung trägt dazu bei, unsere Energiesicherheit zu erhöhen und unterstützt gleichzeitig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Landes“, sagt Dr. Peter Dorhout, Vizepräsident für Forschung an der Iowa State University. „Wir sind stolz auf seine Leistungen und seinen Beitrag, die Iowa State University als führenden Standort für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik weiter zu stärken.“
Mit optischem Glas Licht präzise steuern
Kathleen Richardson, Professorin für Optik und Materialwissenschaften an der University of Central Florida (UCF), wird für ihre Beiträge zur Entwicklung optischer Gläser und infrarotaktiver Materialien geehrt. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie sich durch gezielte Materialzusammensetzungen Licht präzise steuern und übertragen lässt. Dies ist insbesondere für Hochleistungsanwendungen in der Infrarotoptik und in Sensoriksystemen von großer Bedeutung.„Dr. Richardson blickt auf eine langjährige Karriere zurück, die maßgeblich zur Weiterentwicklung von Infrarotmaterialien beigetragen hat und die Grundlage für zukünftige Sensor- und Verteidigungstechnologien legt“, sagt Winston Schoenfeld, Vizepräsident für Forschung und Innovation an der University of Central Florida. „Ihr unermüdliches Engagement in der Erforschung optischer und infrarotaktiver Materialien stärkt die Rolle der UCF an der Spitze technologischer Entwicklungen, die die Zukunft prägen.
Die Arbeiten beider Preisträger verdeutlichen, wie eng Grundlagenforschung und industrielle Anwendung miteinander verknüpft sind. Sie tragen dazu bei, die Leistungsgrenzen bestehender Materialien zu verschieben und nie dagewesene Materialklassen zu erschließen – etwa Gläser mit niedrigeren Schmelztemperaturen oder erweiterten optischen Eigenschaften im Infrarotbereich.
„Die Forschung von Steve Martin und Kathleen Richardson zeigt eindrucksvoll, wie entscheidend ein tiefes Verständnis von Materialstrukturen für technologische Fortschritte ist“, sagt Dr. Matthias Müller, Leiter Forschung und Entwicklung bei SCHOTT. „Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage dafür, neue Glaslösungen zu entwickeln, die in der Praxis zuverlässig funktionieren und die Grenzen des Machbaren verschieben.“
Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am 13. April 2026 im Rahmen der Jahrestagung der International Commission on Glass in Lyon, Frankreich, vergeben. Die Verleihung des Preises durch den Ernst-Abbe-Fonds unterstreicht die Relevanz der Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Umsetzung. Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Forschung in skalierbare Technologien zu überführen und so konkrete Anwendungen mit gesellschaftlichem Nutzen zu ermöglichen. Der Otto-Schott-Forschungspreis wird alle zwei Jahre verliehen und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen im Bereich der Glas- und Materialwissenschaften.
Der vom Ernst-Abbe-Fonds verliehene Preis wurde übergeben von Dr. Matthias Müller (r.) und Daniel Neuville. Foto: SCHOTT
Über SCHOTT
Der internationale Technologiekonzern SCHOTT produziert hochwertige Komponenten und leistungsfähige Materialien wie Spezialglas, Glaskeramik und Polymer. Viele Produkte von SCHOTT kommen in High-Tech-Anwendungen zum Einsatz, die heutige technologische Grenzen verschieben – beispielsweise als Wellenleiter in smarten AR-Datenbrillen, als Glaskeramik-Spiegelträger in den weltgrößten Teleskopen oder als Laserglas in der Kernfusionsforschung. Pioniergeist macht die rund 17.400 Mitarbeitenden in über 30 Ländern zu kompetenten Partnern für zahlreiche Branchen wie Gesundheit, Hausgeräte, Unterhaltungselektronik, Halbleiter, Optik, Astronomie, Energie sowie Luft- und Raumfahrt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SCHOTT einen Umsatz von 2,83 Milliarden Euro und ein EBIT in Höhe von 230 Millionen Euro. SCHOTT wurde 1884 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Mainz (Deutschland). Das Unternehmen gehört der Carl-Zeiss-Stiftung, die mit der Dividende die Wissenschaft fördert und ihre Geschäfte mit ausgeprägtem sozialem Verantwortungsbewusstsein führt. Weitere Informationen unter SCHOTT.com