Unternehmen resilient machen

Ein neues Projekt unterstützt Unternehmen, mit künstlicher Intelligenz (KI) wirtschaftlich kritische Situationen stabil zu überstehen.

Ein neues Projekt unterstützt Unternehmen, mit künstlicher Intelligenz (KI) wirtschaftlich kritische Situationen stabil zu überstehen.

Krisen zeigen es: Fällt in der digitalisierten High-Tech-Welt nur ein Glied der Lieferkette aus, bedeutet das für Unternehmen hohe Risiken und Kosten. Für einen Plan B sowie ein entsprechendes „Resilienz-Management“ will das im April 2020 gestartete Projekt SPAICER des DFKI (Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) und der Saar-Universität gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft sorgen. SCHOTT als Spezialglashersteller ist Partner im Leuchtturmprojekt; es wird vom Bundeswirtschaftsministerium und beteiligten Unternehmen mit insgesamt mehr als zehn Millionen Euro gefördert. Worum geht es? SPAICER steht für „Skalierbare adaptive Produktionssysteme durch KI-basierte Resilienzoptimierung“.Die Idee: Ein Datensystem zu entwickeln, das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Unternehmen in die Lage versetzt, potenzielle Störungen in der Produktion frühzeitig zu erkennen, bestmöglich darauf zu reagieren und somit resilient, d.h. widerstandfähig gegenüber Krisen zu machen. Das Projekt soll somit auch helfen, die deutsche Wirtschaft für den internationalen Wettbewerb zu stärken und mit Hilfe von KI-Technologie konkurrenzfähig zu machen.

„Für uns ist die Teilnahme eine tolle Möglichkeit, durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen führenden Forschungseinrichtungen im Bereich KI dazuzulernen. Bei SCHOTT haben wir verschiedene Projekte, in denen wir KI-basierte Methoden zur Verbesserung unserer Produktionsprozesse nutzen“, erklärt Dr. Markus van Ackeren, Leiter Data Science in der SCHOTT Forschung. Weshalb ist KI gerade in der Glasproduktion so wichtig? Beispiel: Für optische Anwendungen werden extrem reine Rohstoffe, wie seltene Erden (u. a. Lanthan) benötigt. Und: Eine Glasschmelzwanne, in der bei Temperaturen von über 1000 °C Rohstoffe aufgeschmolzen werden, kann nicht temporär abgeschaltet werden. Dr. van Ackeren: „Daher spielt die Versorgungssicherheit mit Rohstoffen eine entscheidende Rolle.“ Durch wetterbedingte Einschränkungen aber, z. B. beim Transport per Schiff, kann sich die Rohstoffverfügbarkeit drastisch verschlechtern. Auf Grundlage prognostizierter Pegelstände, Temperaturentwicklungen und der Verarbeitung weiterer Signale wie Urlaubszeiten oder Trends der Logistikbranche optimiert SPAICER die Produktionsplanung durch Stabilisierung der Lieferkette: beispielsweise durch frühzeitige, alternative Logistikplanung über Straßen, Schienen und Wasserwege sowie die Anfrage von Ersatzlieferanten der benötigten Rohstoffe.

Das SPAICER-System soll darüber hinaus sowohl voraussichtliche Auswirkungen globaler Ereignisse auf die Produktion transparent machen, als auch bei politischen Krisen Handlungsempfehlungen für eine optimierte Planung liefern. Dazu fließen beispielsweise kontinuierlich Trenddaten für Rohstoffpreise und Analysen politischer Entwicklungen in das System ein, um Störungen wie den Ausfall von Zulieferern vorherzusagen. Aus den Daten werden dann mit Hilfe KI-basierter Algorithmen Lösungsvorschläge erarbeitet. Auch bei unvorhergesehenen betriebsinternen Störungen, wie z.B. Anlagenausfällen, soll SPAICER Unternehmen fit machen: mit KI und verschiedenen maschinellen Lernmethoden u.a. Störungen detektieren, klassifizieren und passende Maßnahmen empfehlen. Für SCHOTT und die anderen Projektpartner stellt das SPAICER-Projekt daher einen wesentlichen Baustein zur Lösung der Frage dar, wie die Produktion widerstandsfähig durch aktuelle und zukünftige Krisen kommen kann.

Dr. Markus van Ackeren ist Leiter Data Science in der zentralen Forschung und Entwicklung bei SCHOTT. Der Experte für Datenanalyse und maschinelle Lernverfahren entwickelt mit seinem Team im Rahmen von SPAICER mathematische Methoden, um Verschleiß an Bauteilen in Prozessen der Glasproduktion vorherzusagen. Durch diese Form der prädiktiven Wartung sollen Ausfälle vermieden und Maßnahmen planbarer werden.

Kontakt

Dr. Markus van Ackeren
Research and Development
SCHOTT AG

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