Smart fliegen – über die Zukunft der Luftfahrt

Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung gilt Bernhard Randerath als international anerkannter Experte in der Luftfahrtbranche. Seine Laufbahn führte ihn u.a. über Stationen bei Lufthansa und Airbus zu Etihad Airways. Seit 2011 ist er als Vice President, Design, Engineering and Innovation in der Etihad Aviation Group in Abu Dhabi tätig. Im Interview mit SCHOTT sprach er von seiner Arbeit in den Emiraten, neuste technologische Innovationen und die Zukunft des Fliegens.

Sie arbeiten schon viele Jahre in der Luftfahrtindustrie; zuerst viele Jahre in Europa und den USA, nun in Abu Dhabi. Was hat Sie an Ihrer Arbeit in den Emiraten bisher am meisten beeindruckt?

Es fällt positiv auf, dass die Menschen hier mehr lachen und freundlicher zueinander sind. Dennoch darf man das Arbeiten in den Emiraten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist sehr wichtig, dass man sich vor Ort ein Netzwerk aufbaut, sehr großes Engagement zeigt, hervorragende Ergebnisse liefert und sich somit einen Namen macht, der für hohe Qualität steht. Hat man sich diesen guten Ruf erarbeitet und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, findet man Gehör, kann frei gestalten und somit eigene Ideen voranbringen. Die Arbeit hier macht mir sehr viel Spaß!

Etihad Engineering hat auf der Dubai Air Show im November 2019 gemeinsam mit SCHOTT, Lufthansa Technik und jetlite bekannt gegeben, auf dem Gebiet des Human Centric Lighting zu kooperieren. Warum ist dieses Thema für Sie wichtig?

Etihad als Airline ist geographisch strategisch positioniert, denn sehr viele Flüge aus Amerika oder Europa nach Asia-Pacific beinhalten einen Stop-Over in den Emiraten, wo sich derzeit einer der sichersten Flughäfen befinden. Dieser Hub wird außerordentlich vom Staat gefördert – so baut Abu Dhabi demnächst den drittgrößten Flughafen der Welt und auch Dubai baut seinen Flughafen massiv aus.

Immer mehr Langstreckenflüge führen über unsere Region. Da ist es immer wichtiger, dass der Fluggast entspannt ankommt. Aus diesem Grund untersuchen Airlines zunehmend, was der Körper benötigt, um sich wohlzufühlen. So sprachen wir z.B. mit einigen Airlines nicht nur Etihad Airways, aber ebenso mit der Ärztekammer vor Ort. Viele Komponenten beeinflussen das Wohlempfinden an Bord: dazu gehört guter Service, aber genauso gutes Licht, das für den Menschen sehr wichtig ist. Je nachdem, wie wir das Licht an Bord steuern, kann es zum Wohlbefinden massiv beitragen.

Wie arbeiten die Kooperationspartner konkret zusammen?

Es ist wichtig zu verstehen, wie Human Centric Lighting genau funktioniert. Einerseits müssen wir das Thema gemeinsam entwickeln, andererseits auch die Möglichkeit haben, ausgiebig zu testen. Hier passen die vier Firmen aus dem Konsortium sehr gut zusammen: jetlite liefert die Software, die das Licht steuert. SCHOTT bietet eine außerordentlich gute Lichtqualität. Sehr schön ist, dass das Licht von SCHOTT nicht nur statisch, sondern auch dynamisch funktioniert, also auch in einem Swinging-Effekt durch die Kabine „laufen“ kann. Lufthansa Technik kümmert sich um Elektronik und Implementierung und wir von Etihad Engineering bieten einen Testflieger an dem wir die wichtigen Zertifizierungen vornehmen.

Was zeichnet die Kabine der Zukunft aus?

Dazu müssen wir zuerst schauen, wie wir die Kabine heute nutzen. Heute ist die Kabine quasi „dumm“ – sie besteht aus Einzelteilen, die nicht miteinander kommunizieren: alle Bauteile wie Sitze, Toiletten, Galleys bestehen separat und werden unabhängig voneinander mit viel Aufwand betrieben und gewartet. Ziel muss es sein, dass wir eine smarte Kabine bauen, die uns den Status der einzelnen Bauteile anzeigt, notwendige Reparaturen meldet oder Optionen für die vorausschauende Wartung angibt. Hier arbeiten wir mit Boeing in einem Forschungsprojekt zusammen. Etihad Engineering hat sein “intelligent and smart cabin, i+sCabin” zum ersten Mal Ende 2019 in Boeings 777 flying testbed, dem ecoDemonstrator, gestestet und vielversprechende Ergebnisse erzielt.

Wie profitiert der Passagier von der smarten Kabine?

Sobald die Kabine vernetzt ist, kann man dies auch auf den Passagier übertragen. Unsere Data Scientists sammeln Daten der Passagiere zu ihren Vorlieben und Verhaltensmustern – natürlich mit deren Erlaubnis. Sie clustern und labeln die Daten, um Trends zu erkennen, passende Tools zu bauen und maßgeschneiderten Service anzubieten. Das nennen wir individuelle Digitalisierung. Nur so können wir die Wünsche unserer Gäste bestmöglich erfüllen und letztlich eine wichtige emotionale Bindung zwischen Airline und Passagier aufbauen. Daran arbeiten wir in dem Großprojekt „Etihad Airways – Choose Well“!

Blicken wir in die nahe Zukunft. Was würden Sie auf Knopfdruck noch 2020 in der Kabine gerne ändern?

Ich würde gerne dieses Jahr zum ersten Mal in einer intelligenten Kabine fliegen, für die jeder Supplier die passenden Interfaces liefert und in der sowohl Maintenance, Crew als auch Passagiere unser smartes System nutzen.

Bernhard Randerath gilt als international anerkannter Experte in der Luftfahrtbranche. Seine Laufbahn führte ihn u.a. über Stationen bei Lufthansa und Airbus zu Etihad Airways. Seit 2011 ist er als Vice President, Design, Engineering and Innovation in der Etihad Aviation Group in Abu Dhabi tätig.

04. März 2020

Kontakt

Dr. Haike Frank
Lighting & Imaging
SCHOTT AG

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