Nächster Schritt: Polymer und Hybride

Borosilicatglas gilt als Goldstandard in der Gesundheitsbranche. Aber auch Polymere gewinnen an Bedeutung. Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Material besser, sondern welches die per fekte Lösung für eine Anwendung ist – oder ob sich ein Hybrid eignet.

Borosilicatglas gilt als Goldstandard in der Gesundheitsbranche. Aber auch Polymere gewinnen an Bedeutung. Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Material besser, sondern welches die per fekte Lösung für eine Anwendung ist – oder ob sich ein Hybrid eignet.

Während die Erfindung des Borosilicatglases durch Otto Schott die Voraussetzung für eine Vielzahl neuer Technologieanwendungen geschaffen hat, gelten Polymere als moderne Wegbereiter für bestimmte Lösungen. Vor allem die pharmazeutischen Verpackungs- und Diagnostikmärkte haben Möglichkeiten gefunden, das Material zu integrieren und auf den Vorteilen des Polymers aufzubauen.

Mit seinen Eigenschaften, einschließlich seiner glasartigen Transparenz und verschiedenen Designoptionen, hat hochwertiges Polymer, genauer gesagt das Cyclic Olefin Copolymer (COC), einen hohen Marktanteil bei vorfüllbaren pharmazeutischen Behältern erobert. „Wir stellen seit über 20 Jahren Polymerspritzen her, um den Bedarf der Industrie an Pharmaverpackungen sowohl aus Glas als auch aus Polymer zu decken“, betont Mario Haas, Leiter des Geschäftsbereichs Polymer Solutions der SCHOTT Geschäftseinheit Pharmaceutical Systems. „Pharmaunternehmen können dadurch für verschiedene Patienten-, Arzneimittel- und Geräteanforderungen den richtigen Behälter finden, ohne durch eine Materialauswahl eingeschränkt zu sein.“

Als attraktive Alternative für pharmazeutische Verpackungen muss Polymer höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Polymerbehälter werden in einem vollautomatischen Produktionsprozess hergestellt und enthalten kein Wolfram und keine Klebstoffe, um das Medikament damit vor möglichen Wechselwirkungen zu schützen. Die vorfüllbaren Polymerverpackungen werden in einer Vielzahl therapeutischer Bereiche innerhalb des klinischen Umfelds eingesetzt. Das Material eignet sich unter anderem aufgrund seiner hohen Bruchfestigkeit und seiner Designflexibilität zur Verabreichung von Medikamenten im Krankenhausumfeld, zum Beispiel in der Notfallmedizin oder bei Schmerzmitteln, Anästhetika oder kardiovaskulären Arzneien. Durch die optimale Anpassung an Pumpensysteme und Verbindungsstücke können Polymerspritzen ebenso in der Infusionstherapie eingesetzt werden. „Unsere vorgefüllten Polymerspritzen haben bereits dazu beigetragen, Blockbuster- Medikamente auf den Markt zu bringen“, fügt Haas stolz hinzu. Auch im Bereich der Compoundierung ist der Trend zur Verwendung hochwertiger Polymer-Verpackungslösungen zu erkennen.

Doch der Einsatz von Polymer erstreckt sich auch auf andere Anwendungsbereiche wie den kosmetischen Bereich, wo besonders hochviskose Medikamente wie Hyaluronsäure zum Einsatz kommen. Hier sorgen eine optimierte Dosierkraft sowie ein robustes Spritzensystem für eine sichere und komfortable Anwendung beim Patienten. Darüber hinaus spielen Kompatibilität mit zahlreichen Geräten und Wearables eine wichtige Rolle – dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Medikamente, wie beispielsweise biologische Arzneimittel, zunehmend von der klinischen in die häusliche Pflege verlagert werden.

Hybride am Horizont

Ähnlich wie im Pharmabereich wird Glas auch in der Diagnostikindustrie bereits länger als Polymer angewendet. Dennoch spielen Polymere, darunter COC und andere zyklische Olefine, aufgrund ihrer ausgezeichneten Replikation von Mikroeigenschaften, ihrer Biokompatibilität, ihrer geringen Fluoreszenz und ihrer Hochtemperaturbeständigkeit heute eine zunehmend bedeutendere Rolle in der Diagnostikindustrie.

Die jüngste Übernahme von MINIFAB durch SCHOTT ergänzt das bestehende Portfolio an Glassubstraten für Forschung, Diagnostik und viele andere Anwendungen in den Biowissenschaften. SCHOTT MINIFAB ist auf die Entwicklung und Auftragsfertigung von Mikrofluidik-basierten Diagnostik- und Life-Science-Produkten auf der Basis von Polymeren spezialisiert. „Mit der Übernahme von MINIFAB haben wir unser international anerkanntes Know-how in der Glasentwicklung und -technologie um eine umfassende Polymertechnologie- und Anwendungs-Palette erweitert, und damit unser Portfolio im Diagnostikmarkt ausgebaut“, betont Dr. Heinz Kaiser, der im SCHOTT Vorstand das Diagnostikgeschäft verantwortet.

Polymermaterialien überzeugen, da sie relativ kostengünstig sind und mit schnellen und konventionellen Verfahren wie Spritzguss und Laminierung hergestellt werden können. Doch neue Anwendungen stellen die Eigenschaften auf den Prüfstand und verlangen von der Industrie, verschiedene Materialkombinationen in Betracht zu ziehen. „Dies öffnet die Tür für Hybridlösungen“, erklärt Greg Wolters, Leiter der Diagnostik- Gruppe bei SCHOTT. „Durch die Integration von Glaskomponenten in ein Polymerprodukt kann ein Gleichgewicht zwischen Kosten und Leistung erreicht werden. Wir sehen hier interessante Optionen.“

Es ist daher nicht unbedingt eine Diskussion darüber, welches Material die bessere Wahl ist, sondern vielmehr, welche Anforderungen es erfüllen muss – und ob Glas oder Polymer oder eine Kombination aus beidem eine geeignete Lösung für den Kunden ist.

Mit der Übernahme von MINIFAB stärkt SCHOTT sein Diagnostik-Geschäft.
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16. April 2021

Kontakt

Joana Kornblum
Marketing & Communication
SCHOTT AG

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