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Lithium-Hype – Herausforderung für die Glasindustrie

Lithium ist eine Schlüsselkomponente im Wachstumsmarkt für wieder aufladbare Batterien und damit der Elektromobilität. Auch in der Glas- und Glaskeramik-Produktion ist das Leichtmetall unverzichtbar. Philipp Jaenicke, Leiter Strategie und Business Development im Bereich Home Tech bei SCHOTT, über Konsequenzen für Anwender und Kunden.

Warum ist Lithium so begehrt?

Lithium gilt als unverzichtbarer Türöffner für bahnbrechende Zukunftsindustrien rund um Lithium-Ionen-Akkus für Elektrofahrzeuge, Smartphones oder mobile Computer und zunehmend auch für die Speicherung regenerativer Energien. Die hohen Erwartungen an diese Märkte haben das Leichtmetall zu einem der begehrtesten Rohstoffe weltweit gemacht. Die globale Gesamtnachfrage soll bis 2025 um den Faktor zwei bis drei steigen, ermittelte 2017 die Deutsche Rohstoffagentur (DERA). In Zeiträumen von 2016 bis 2017 stiegen bereits die Preise für zwei wichtige Vorprodukte, Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid, um über 70 bzw. 60 Prozent. Künftig rechnet man mit weiterhin hoch volatilen Preisen.

Welche Industrien sind von der Entwicklung betroffen?

Der Trend könnte vor allem für traditionelle Lithium-Anwender unliebsame Überraschungen bringen. Die Herstellung von Glas, Glaskeramik und Keramik steht laut DERA mit einer Lithium-Nachfrage von zusammen 30,5 Prozent an weltweit zweiter Stelle – hinter dem Spitzenreiter wiederaufladbare Batterien mit 37,4 Prozent. Auch die Schmierstoffindustrie setzt Lithium mit einem Anteil von 7,9 Prozent ein, insbesondere für Additive. Schmierstoffe mit solchen Zusätzen haften besonders gut an Metallen, sind nicht korrosiv und gut wärmebeständig.

Wo wird Lithium in der Glasproduktion benötigt?

Lithium ist ein wesentlicher Bestandteil in jeder Glaskeramik. Technisch gesehen ist der Lithiumbestandteil verantwortlich für die Nullausdehnung der Produkte, die den Einsatz in hohen Temperaturbereichen ohne Spannungsbruch ermöglichen. Diese zentralen Eigenschaften nutzen wir übrigens für viele unserer Produkte: von CERAN® Glaskeramik-Kochflächen und ROBAX® Feuersichtscheiben über Teleskopspiegelträger aus ZERODUR® Glaskeramik bis hin zu PYRAN® Brandschutzgläsern. Wir benötigen dabei eine besonders hohe Qualität der Lithium-Vorprodukte vom Markt. Durch den Anteil und die hohe Wertigkeit bestimmt der Lithium-Preis maßgeblich die Gemengekosten aller Glaskeramikprodukte.

Wie sieht die aktuelle Marktsituation aus?

Über das globale Lithium-Angebot regiert heute ein Oligopol an Unternehmen in den Abbaugebieten Australien und Chile, die derzeit für 80 Prozent der weltweiten Förderung stehen. Zusätzlich werden Argentinien mit zusätzlichen Kapazitäten und Kanada als maßgebliche Förderregionen hinzukommen. In diesem Zeitraum ist vielerorts ein Ausbau der Produktionskapazitäten geplant. Vor diesem Hintergrund hält die DERA eine künftige Marktdeckung mit gewissen Angebotsüberschüssen für das wahrscheinlichste Szenario.

Was bedeutet das für traditionelle Anwender?

Die Lithium-Industrie der Zukunft richtet ihren Blick vor allem auf die Erzeugung von Produktqualitäten für die Batterie-Industrie. Trotz Angebotsüberschüssen für den Batteriemarkt bleibt die Marktsituation bei speziellen Lithium-Trägern für die traditionellen Lithium-Anwendungen insbesondere in der Glas- und Keramikindustrie angespannt, denn hier werden – wie erwähnt – spezielle Anforderungen an die Lithiumqualität gestellt. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass höhere Lithiumpreise zu Preissteigerungen bei entsprechenden Produkten führen können – und ein Ersatz für Lithium hat das Periodensystem der chemischen Elemente leider nicht zu bieten.

Philipp Jaenicke, Leiter Strategie und Business Development im Bereich Home Tech bei SCHOTT über die Herausforderung des Lithium-Hype für die Glasindustrie.

Der Großteil des Lithiums wird von der Batterie-Industrie für wiederaufladbare Batterien nachgefragt, gefolgt von der Glas- und Keramikindustrie.

15. August 2018

Kontakt

Philipp Jaenicke
Home Tech
SCHOTT AG

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