Licht aus, Spot an im Auto-Innenraum

Das SCHOTT MultiLight kombiniert Kontur- und Spotbeleuchtungen und zielt auf Anwendung im Auto-Innenraum. Da nur eine Lichtquelle pro Lichtleiterstrang benötigt wird, reduziert die Lösung darüber hinaus die Komplexität. Wir sprachen mit Stephan Schabacker, Director Sales Automotive bei SCHOTT Lighting and Imaging, über die Produktentwicklung, einen möglichen Weg ins Volumensegment von Golf und Astra, und die Zukunft des automobilen Interieurs.

Woher kam der Impuls, die SCHOTT SideLights in MultiLight weiterzuentwickeln?

Mehrarmige Lichtleiter sind seit vielen Jahren und in vielen Bereichen eine bekannte Technologie, so beispielsweise in der Mikroskopie oder in der zivilen Luftfahrt als Sternenhimmel-Beleuchtung im Flugzeug-Innenraum. Da die Automobilindustrie sehr kostensensibel ist, hatten wir jedoch bisher Schwierigkeiten, dieses Konzept dort zu platzieren. Die Konfektionierung mehrarmiger Lichtleiter hat einen höheren manuellen Arbeitsanteil, allerdings ist es uns jetzt gelungen, diesen zu minimieren. Es ist im Prinzip eine Weiterentwicklung der SideLight-Konfektionierung mit ihrer Klebe-Technologie.

Welche Probleme löst das MultiLight?

Der Vorteil mehrarmiger Lichtleiter ist, dass mehrere Funktionalitäten mit nur einer Lichtquelle realisiert werden können. Insbesondere bei farbiger Beleuchtung kann auf diese Weise die Anzahl der Elektronik-Komponenten reduziert werden. Die elektronische Schaltung wird einfacher und damit kostengünstiger und weniger anfällig gegen Defekte. Allgemein gesprochen, differenzieren wir uns mit unserer Glasfaseroptik durch qualitativ höherwertige Beleuchtung.

Welche Probleme gab es im Rahmen der Entwicklung des MultiLights? Wie wurden sie gelöst?

Die Konfektionierung der Lichtleiter für den Auto-Innenraum beruht auf einer relativ neuen Klebetechnologie, die in 2010 erstmals in Großserie eingesetzt wurde. Über die Jahre wurde die Anlagentechnik stetig optimiert und Kapazitäten erweitert. In diesem Jahr haben wir jetzt eine modifizierte Prototypen-Anlage für mehrarmige Lichtleiter entwickelt, in die bisherige Erfahrungen und auch neue Ideen eingeflossen sind. Die größte Herausforderung ist – wie so oft – die Minimierung der Taktzeit bei gleichzeitiger Sicherstellung der Produktqualität. Hier sind wir auf einem guten Weg und haben die Herstellkosten für mehrarmige Lichtleiter im Vergleich zu älteren Konzepten bereits halbiert.

Ist es denkbar, dass die Beleuchtungslösung bald auch in Volumenmodellen wie VW Golf oder Opel Astra zu sehen sein wird? Oder sind es eher gehobene Mittelklasse- und Premium-Modelle?

Wir sind mit unseren faseroptischen Lichtleitern typischerweise in Baureihen mit bis zu 100.000 Fahrzeugen im Jahr. Das liegt zum einen an den lichttechnischen Anforderungen, die umso höher sind, je mehr das Design eines Fahrzeugs in den Vordergrund rückt – und das geht in der Regel mit steigender Wertigkeit einher. Zum anderen differenzieren wir uns mit schneller Umsetzung in die Serie, wenn es darum geht, neue Beleuchtungskonzepte umzusetzen. Unsere Kunden schätzen dabei die robuste und bewährte Technologie.

Neue Konzepte werden in der Regel zuerst in höherwertigen Fahrzeugen als Option für den Auto-Innenraum eingeführt und angeboten. Wenn die Beleuchtung den Endkunden gefällt, profitieren wir von hohen Auswahlraten: das bedeutet, dass die Option im Rahmen der individuellen Konfiguration oft gekauft wird und die Stückzahlen deutlich ansteigen. So einen Effekt erleben wir gerade bei einem führenden deutschen Automobilhersteller, der unsere Lichtleiter bei einigen Modellen in Panoramadächer integriert – hier ist die Auswahlrate doppelt so hoch wie ursprünglich geplant, was uns natürlich sehr freut.

Wohin geht die Reise beim Interior Lighting?

Ein typischen Premium-Fahrzeug hatte im Jahr 2010 weniger als 50 LED für die Beleuchtung des Auto-Innenraums, während es 2021 circa 300 Stück werden sollen. Die Innenbeleuchtung wird also stetig an Bedeutung gewinnen. Treiber sind dabei Trends wie „autonomes Fahren“, „Elektrifizierung“ und „Vernetzung“ sowie ein allgemein höherer Komfortbedarf im Auto-Innenraum. Alle Trends werden regional verstärkt, insbesondere durch China, da dort mittlerweile die meisten Fahrzeuge verkauft werden. Diese Trends werden in höhere Anforderungen an die Innenbeleuchtung münden. Uns stehen also sehr interessante Zeiten bevor.

Stephan Schabacker ist Diplom-Physiker und verfügt über langjährige Erfahrungen in der Halbleiter- und Beleuchtungstechnologie für Automotive-Anwendungen. Seit 2008 arbeitet er bei SCHOTT, zuletzt als Director Sales Automotive im Bereich Lighting and Imaging.
Stephan Schabacker ist Diplom-Physiker und verfügt über langjährige Erfahrungen in der Halbleiter- und Beleuchtungstechnologie für Automotive-Anwendungen. Seit 2008 arbeitet er bei SCHOTT, zuletzt als Director Sales Automotive im Bereich Lighting and Imaging.
Das SCHOTT Exterior Running Board kreiert tolle Lichteffekte und setzt die Konturen des Fahrzeugs in Szene.

06. Dezember 2017

Kontakt

Michael Matthias Müller
Marketing & Communication
SCHOTT AG

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