Energie der Zukunft

Mikroalgen sind ein energieeffizientes Zukunftsprodukt. Vom niederländischen Hersteller LGem werden sie auf der Weltausstellung 2017 präsentiert – denn das Motto ist „Future Energy“.

Was haben Mikroalgen mit dem Motto zu tun – fahren Autos künftig mit Algenbenzin?

Mit Mikroalgen lassen sich fossile Energieträger sparen, aber damit meine ich gar nicht so sehr ihre Nutzung als Biokraftstoff, sondern dass sich mit Mikroalgen viele Dinge mit weniger Energieaufwand herstellen lassen. Das beste Beispiel sind Omega-3 Fettsäuren. Die gewinnt man aus Fischöl. Für einen Liter Öl werden vier Kilogramm Fisch benötigt, zum Beispiel Hering, Makrele oder Lachs. Angefangen beim Treibstoff für den Fischtrawler bis zur Weiterverarbeitung benötigen alle Herstellungsschritte enorme Mengen an Energie. Gewinnt man dieselbe Menge Omega-3 Fettsäuren dagegen aus der Biomasse von Mikroalgen, ist der Energiebedarf um 90 Prozent geringer.

Wofür könnte man Mikroalgen noch nutzen?

Die Biomasse kann auch für Nahrungs- und Futtermittel oder Kosmetika und Medikamente eingesetzt werden. Das ist dann sozusagen “Energie für den Körper”. Dieser Markt ist sogar weit größer als der für Biokraftstoff. Es steckt also auch ein erhebliches finanzielles Potenzial in den Einzellern.

Algen sind in einem Photobioreaktor aus Glas kreativ in Szene setzen. Welche Idee steckt dahinter?

Wir wollen Aufmerksamkeit erwecken. Dafür, dass man Algen kultivieren und sinnvoll einsetzen kann – und dass sie die Energie der Zukunft liefern. Wie ginge das besser als mit einem futuristischen Design. Deshalb haben wir den Photobioreaktor der Form eines Hauses nachempfunden. Das soll die Verbindung zum Alltag herstellen. Glas hat dafür den besten „Look and Feel“, und es passt zum Motto: Es ist umweltfreundlich und recycelbar.

Wie verlief das Projekt: Was waren Highlights, was Herausforderungen?

Zum einen war die Konstruktion des Designs eine Herausforderung. Normalerweise werden Photobioreaktoren nicht in dieser Form installiert. Die Rohre hatten daher nicht die passenden Biegewinkel und mussten extra angefertigt werden. Eine Kombination aus SCHOTT Standard-Glasrohren und Verbundstücken sowie speziell nachverarbeitetet Rohre vom niederländischen Glasbläser VBGL haben das finale Design ermöglicht. Die andere Herausforderung war die Situation vor Ort. Als wir in Astana ankamen, war das gesamte Ausstellungsgelände eine riesige Baustelle. So hatten wir nicht nur wenig Zeit, sondern auch wenig Platz, weil um uns herum alle rotierten. Am Ende war genau das aber auch unser Highlight. Trotz dieses Chaos‘ hat alles geklappt und wir wurden rechtzeitig fertig. Die Koordination mit den anderen Teams auf engem Raum war beeindruckend und der Eventbauer ADUNIC hat wirklich tolle Arbeit geleistet. Unsere Devise für die Zukunft: Wenn wir hier bauen konnten, können wir überall bauen.

Was erhoffen Sie sich von der Präsentation auf der Weltausstellung?

Mit der Präsentation wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Algen eine Alternative zur herkömmlichen Energiegewinnung sind. Und zwar ökologisch und ökonomisch. Die Algenindustrie ist eine Wachstumsbranche und wir wollen allen Beteiligten ein bisschen Extraaufmerksamkeit zuteilwerden lassen.

Sander Hazewinkel ist Chief Commercial Officer des niederländischen Mikroalgenproduzenten LGem. Nach 12 Jahren in der Algenindustrie glaubt er fest daran, dass Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg für eine florierende Algenindustrie ist.

Der Photobioreaktor im Haupt-Pavillon der Weltausstellung ist der Form eines Hauses nachempfunden. Foto: NAARO

08. August 2017

Kontakt

Katja Thoma
Tubing
SCHOTT AG

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