Die Kunst der Beleuchtung

In der Welt der Museen und Kunstgalerien ist die Inszenierung wertvoller Exponate mit perfekter Beleuchtung eine Herausforderung, die Leidenschaft, Erfahrung und Fachwissen erfordert, um gut ausgeführt zu werden. Flexible faseroptische Beleuchtung spielt bei diesen anspruchsvollen Lichtlösungen seit mehreren Jahrzehnten eine zentrale Rolle. In diesem Interview spricht Phillip Reddiough, Gründer und Geschäftsführer des in Großbritannien ansässigen Unternehmens Museum & Gallery Lighting Ltd. über seine Erfahrungen in der Beleuchtungsbranche, die Faszination einer perfekten Beleuchtung und die Vorteile von faseroptischen Lösungen.

Bitte stellen Sie „Museum & Gallery Lighting Ltd.“ kurz vor. Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Unternehmen zu gründen?

Museum & Gallery Lighting (M&GL) wurde 1992 gegründet, als faseroptische Beleuchtung gerade begann, sich zu einer Mainstream-Beleuchtungslösung zu entwickeln, mit allen Vorteilen der faseroptischen Beleuchtung, die sich ideal für Museumsprojekte eignet – keine Hitze, kein UV und mit vom zu beleuchtenden Objekt entfernten Lichtquellen. Mit der Erkenntnis, dass es allein in Großbritannien mehr als 2.000 Museen gibt, schien es logisch, ein Geschäft in dieser Nische aufzubauen. Eine weitere Überlegung war, dass die meisten Museumsprojekte von der Regierung bezahlt wurden und dass diese sich bemühten, Rechnungen innerhalb von 30 Tagen zu begleichen. Als neu gegründetes Unternehmen war dies äußerst wichtig.

Zuerst hatte ich als Designer in einem renommierten Beleuchtungsberatungsunternehmen gearbeitet, bevor ich in den Vertrieb bei einem Anbieter von faseroptischer Beleuchtung wechselte. Meine allgemeine Erfahrung im Beleuchtungsdesign, meine spezifischen Erfahrungen mit faseroptischer Beleuchtung und glückliches Timing waren die perfekte Kombination, die zum ersten Projekt von M&GL führte: Die Neugestaltung der Kronjuwelen-Ausstellung im Tower of London. Es folgten weitere Royal-Projekte sowie eine geringere Anzahl von Projekten mit geringerem Bekanntheitsgrad. So befand sich M&GL in einem Arbeitsmodus, der sich in den letzten 28 Jahren fortgesetzt hat.

Wenn Sie auf Ihre jahrelange Erfahrung zurückblicken: Hat sich die Rolle der Beleuchtung in Museen und Galerien verändert? Und wie haben sich die Vorlieben Ihrer Kunden entwickelt?

In der Anfangszeit wurde die faseroptische Beleuchtung als eine Art dunkle Kunst angesehen, da sie neu war und sich merklich von allen anderen Formen der Beleuchtung unterschied. Die meisten Kunden wussten, dass sie die Vorteile der Glasfaser haben wollten, aber sie wussten die Möglichkeiten – und die Einschränkungen – nicht wirklich einzuschätzen, und so war es für sie wie auch für uns ein Lernprozess. Heute ist die Situation klar: es gibt unzählige Projekte, bei denen die Kunden sich ganz bewusst für Glasfaserlösungen entscheiden. In ähnlicher Weise waren viele Bauunternehmer bei der Installation von Glasfaserleitungen vorsichtig. Jetzt wissen sie, dass mit ein wenig Sorgfalt und Überlegung Glasfaser nicht komplizierter ist als jede andere Form der Beleuchtung. Unsere Prinzipien der faseroptischen Beleuchtung bleiben insofern unverändert, dass wie im Theater der Beleuchtungseffekt gesehen werden muss, die Beleuchtungsinstallation jedoch nicht.

Auf welches Beleuchtungsprojekt sind Sie besonders stolz? Was war das Besondere an der Lichtinstallation und den erzielten Lichteffekten?

Um 1999 herum hatten wir das Glück, die Beleuchtung für die British Galleries im Victoria and Albert Museum in London zu liefern. Dieses Projekt war und ist das größte Projekt, an dem wir je gearbeitet haben. Bei insgesamt 14 Galerien wurden Glasfasern für die allgemeine Galeriebeleuchtung sowie für die Vitrinenbeleuchtung eingesetzt. Damals war dies in seiner Größenordnung ein ehrgeiziges Projekt, und es bedurfte einer Reihe von Beleuchtungsversuchen, um zu beweisen, dass faseroptische Beleuchtung der Aufgabe gewachsen war, ganze Galerien zu beleuchten. Das Schöne an diesem Ansatz ist, dass die einmal fokussierte Beleuchtung gleich ausgerichtet bleibt, wenn eine Lampe ausfällt. Es bedeutet auch, dass im Vergleich zu konventioneller Beleuchtung 90% weniger Lampen ersetzt werden müssen.

Welches spezielle Dokument oder einzelne Kunstwerk haben Sie perfekt in Szene gesetzt?

Vor meiner Zeit bei M&GL war ich an der Einrichtung der Beleuchtung im Imperial War Museum in London beteiligt. In einer kleinen Vitrine, die mit mattschwarzem Stoff ausgekleidet und von zwei faseroptischen Scheinwerfern beleuchtet wird, befindet sich Himmlers Totenmaske. Die Schlichtheit der weißen Maske auf dem schwarzen Hintergrund beeindruckt mich auch heute noch. Mir gefällt auch der Gedanke, dass dieser Fall perfekt zeigt, wie wichtig selbst die einfachste Beleuchtung bei der Präsentation historischer Objekte sein kann.

Welche Rolle spielt die Faseroptik für Ihr Unternehmen? Warum ist sie die perfekte Lösung für Museen und Galerien?

Bei Museumsprojekten nimmt die faseroptische Beleuchtung eine große Rolle in unseren Lösungen ein. Es gibt vier Hauptgründe, warum Faseroptik perfekt für unsere Branche ist.

Erstens, der Mangel an ultraviolettem Licht und Wärme. Bekanntermaßen tragen UV-Licht und Wärme besonders dazu bei, Objekte auszubleichen oder zu beschädigen. Glücklicherweise filtern SCHOTT Glasfasern sowohl UV-Licht als auch Wärme besonders gut heraus, sodass eine wärme- und UV-freie Beleuchtung entsteht.

Zweitens: geringere Wartung. Eine Lichtquelle kann viele Beleuchtungselemente betreiben, die oft schwer zugänglich sind. Bei einer entfernten Lichtquelle muss nur ein Element ausgetauscht werden, und diese kann sich an einem zugänglichen Ort befinden.

Drittens, Beibehaltung der ursprünglichen Wirkung der Beleuchtung. Viele Stunden wurden mit dem Lichtdesigner des Victoria & Albert Museums verbracht, um die Spotlichter so auf die Objekte zu richten, dass ihr Erscheinungsbild optimal zur Geltung kommt. Durch die entfernt verstaute Lichtquelle kommt das Wartungsteam mit den faseroptischen Komponenten gar nicht in Berührung, wenn es nur die Quelle tauschen muss. Daher bleibt die Ausrichtung der Beleuchtung unbeeinträchtigt und sieht heute noch genauso gut aus wie vor 18 Jahren.

Viertens: Zugänglichkeit und Sicherheit. Da die Lichtquelle von den Strahlern entfernt ist, ist es möglich, diese an Positionen zu platzieren, die sonst schwer zu erreichen wären, z.B. über Schwimmbädern oder in hohen Decken. Die Lichtquelle befindet sich jedoch an einer zugänglichen Stelle und kann daher problemlos gewartet werden. Ähnliches gilt für die Sicherheit: Alle Lichtquellen für die Kronjuwelen-Vitrinen befinden sich außerhalb der Vitrinen, was bedeutet, dass die Vitrinen für den Lampenwechsel nie geöffnet werden müssen.

Zu guter Letzt: Bitte stellen Sie kurz Ihre Zusammenarbeit mit SCHOTT vor. Was schätzen Sie an der Kooperation und an den Beleuchtungsprodukten?

In unseren Projekten haben wir fast ausschließlich SCHOTT Glas-Lichtleiter sowie SCHOTT Lichtquellen verwendet. Die Lichtleiter sind in ihrer Leistung konstant geblieben, während die ursprünglichen Lichtquellen nun durch LED-Lichtquellen mit längerer Lebensdauer und niedrigerem Energieverbrauch ersetzt werden. Mit den SCHOTT Produkten können wir unseren Ansatz des einmaligen Anpassens, ohne später ständig nachzujustieren, gut umsetzen.

Phillip Reddiough ist seit mehr als 30 Jahren in der Beleuchtungsbranche tätig. Er begann seine Karriere als Designer bei einem führenden Beleuchtungsberatungsunternehmen, bevor er in eine Vertriebsaufgabe bei einem Anbieter von faseroptischer Beleuchtung übernahm. Im Jahr 1992 gründete er die Firma Museum & Gallery Lighting Ltd. – zu einer Zeit, als die faseroptische Beleuchtung gerade Fahrt aufnahm.

Jewellery Gallery, Victoria & Albert Museum, London. Photo: DHA Lighting Design
Mary Rose Exhibition, Portsmouth, UK. Photo: DHA Lighting Design

September 21, 2020

Contact

Dr. Haike Frank
Lighting & Imaging
SCHOTT AG

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