Von Ideen zu Innovationen

Von Ideen zu Innovationen

Forschung bei SCHOTT ist auf die industrielle Praxis ausgerichtet. Dabei geht der Spezialglashersteller auch ungewöhnliche Wege. Vorstandsmitglied Dr. Udo Ungeheuer über Status und Perspektiven des SCHOTT Brain-Tanks.

Welchen Stellenwert hat die Forschung für SCHOTT?

Einen überragenden. Wobei Forschung mehr ist, als die reine Suche nach neuen Produkten oder Materialien. Es geht um neuartige Techniken und Technologien sowie um neue Verfahren und Analysen. Ganz wichtig: Forschung darf in einem Industrieunternehmen nie Selbstzweck sein, die Ergebnisse und Erkenntnisse müssen auf ihre praktische Anwendung ausgerichtet werden.

Wie erkennt man frühzeitig, was später materiell umgesetzt werden kann?

Unsere Forscher üben sozusagen permanent den Spagat. Auf der einen Seite sollen ihre Entdeckungen möglichst konkrete wirtschaftliche Vorteile bringen, auf der anderen Seite brauchen sie den nötigen Freiraum, um sich selbst zu entwickeln. Das Otto-SCHOTT-Forschungszentrum in Marienborn ist unser Brain-Tank. Gleichzeitig arbeiten die Forscher sehr eng und kooperativ mit den Geschäftseinheiten zusammen. Insofern ist Forschung und Technologie-Entwicklung auch ein Service für die operativen Einheiten.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Sehr viel, der enorme wirtschaftliche Druck stellt einerseits fast alles auf den Prüfstand, andererseits sind wir immer auf der Suche nach neuen Wegen. Wir haben da manches angestoßen. Zum Beispiel veranstalten wir jedes jähr ein Expertenpanel und holen uns externe Fachleute aus der ganzen Welt zusammen, um zu einem bestimmten Thema so viel Know-how wie möglich in die SCHOTT Gruppe hineinzubringen. So können wir abklopfen, ob es sich lohnt in ein neues Geschäftsfeld vorzudringen. Diese Expertenpanels haben sich bewährt. Inzwischen veranstalten wir solche Panels sogar auf regionaler Ebene etwa in Asien oder Südamerika.

Wieviel Forschung kann oder muss sich SCHOTT heute leisten?

Von unserem Anspruch her müssen wir sicherlich mehr tun. Aber man stellt sehr schnell fest, dass es nicht darum gehen kann, endlos Geld in die Forschung zu investieren. Denn eine Million Mark mehr heißt nicht gleich mehr Output. Für mich ist eine andere Frage viel wichtiger; Wie kanalisieren wir die Forschungsgelder? Dafür haben wir eine eigene Einheit gebildet, die eine Controlling-Funktion ausübt. Nebenbei betreibt sie auch unser Europabüro in Brüssel, denn wir wollen bei der Vergabe von Forschungsgeldern partizipieren oder etwa beim Entstehen von Forschungsvorhaben mitgestalten können.

Wie sieht es mit Know-how-Schutz aus? Die japaner sollen beispielsweise in der Patentierung erheblich weiter sein. Hat SCHOTT hier Nachholbedarf?

Mit Sicherheit. Gerade beim Intellectual Property - unserem Know-how - gehen wir neue Wege. Wir haben projektbezogene Patentstrategien entwickelt und werden in diesem )ahr die Anzahl unserer Patente verdoppeln. Das heißt nicht, dass wir urplötzlich mehr Geistesblitze hatten. Wir versuchen vielmehr, durch Patente unser Wissen und unsere Erkenntnisse offensiv zu verteidigen und unsere Wettbewerber dadurch etwas auf Distanz zu halten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie könnte Forschung bei SCHOTT in zehn fuhren aussehen?

Wir werden ein kundenorientiertes Servicezentrum haben und einen Lieferanten von Grundlagen und Innovationen. Die Zusammenarbeit mit anderen Stellen innerhalb der SCHOTT Gruppe wird sich erheblich intensiver und effektiver gestalten.

Allerdings sind unsere Kernkompetenzen nicht ausschließlich auf den Spezialglasbereich konzentriert. Wir werden sehr viel stärker an technologischen Verfahren arbeiten, uns intensiver um die Veredelung von Glas kümmern, auch neue Fertigungsverfahren gehören dazu. Außerdem wird SCHOTT sich aktiv auf Feldern betätigen, in denen Glas substituiert werden kann.

Das heißt, Sie würden beispielsweise auch im Kunststoffbereich forschen?

Wir wollen kein Kunststofflieferant werden, aber unseren Kunden stets das optimale Produkt bieten. Spezialglas hat oberste Priorität, aber wenn es durch einen kostengünstigeren und besseren Werkstoff ersetzt werden kann, dann wollen wir es sein, der ihn auf den Markt bringt. Mit "SCHOTT TopPac", einer Pharmaverpackung aus Kunststoff, haben wir dies bereits getan. Eine solche Vorgehensweise ist in der Industrie nicht ungewöhnlich. Die Energieversorger konzentrieren sich ja auch nicht nur auf fossile Energieträger oder auf die Kernkraft, sondern erforschen parallel Alternativen.

Wird es noch mal so eine Produktentwicklung wie "Ceran" Glaskeramik-Kochflächen geben?

Wir arbeiten daran. Aber in der Forschung braucht man Fortune. Wenn Sie "Ceran" anschauen, das war gewissermaßen ein Nebenprodukt aus dem Bereich optisches Glas, und es hat zehn Jahre gedauert bis es als System im Markt erfolgreich war.

Wie wollen Sie Ihre Forschungsziele erreichen?

Wir brauchen immer wieder neue Initiativen und Ideen, die SCHOTT zu Innovationen weiter entwickeln kann. Ideen werden Projekte und die werden nach ihrer wirtschaftlichen Umsetzung geprüft. Einerseits ist es wichtig, dass wir viele Ideen entwickeln, aber genauso wichtig ist es, dass das Management klare Entscheidungen trifft. Damit dies professionell geschieht, haben wir ein internationales Advisory Board für die Forschung eingerichtet - mit Führungskräften aus den USA, Europa, Japan und Singapur. Sie begleiten diesen Prozess kritisch und hinterfragen die Projekte. Was wir brauchen, ist ein Forschergeist, der sehr eng mit der industriellen Fertigung zusammenarbeitet, und da sind wir ganz sicher auf dem richtigen Weg.
Vorstandsmitglied Dr. Udo Ungeheuer, zuständig für F&E, vor dem Otto-SCHOTT-Forschungszentrum in Mainz. Es wurde vor zehn Jahren eröffnet und ist bis heute Europas modernste Glasforschungsstätte.
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