25.03.2019, Mainz und Jena, Deutschland

100 Jahre Bauhaus - Revolution in der Alltagskultur mit SCHOTT „Jenaer Glas“ und Bauhaus-Design

Am 1. April 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses in Weimar zum 100. Mal. Die Zusammenarbeit dieser renommierten Kunstschule mit dem weltbekannten Spezialglashersteller SCHOTT zur Gestaltung und Vermarktung der hitzebeständigen „Jenaer Glas“ Haushaltsgläser ist ein bedeutendes Kapitel der deutschen Designgeschichte. Prägende Persönlichkeiten dieser Kooperation waren die Bauhaus-Künstler Gerhard Marcks, Wilhelm Wagenfeld und László Moholy-Nagy sowie der SCHOTT Geschäftsleiter Erich Schott. Die Verwendung von Spezialglas in Küche und Wohnzimmer revolutionierte die Koch-, Back- und Tischkultur. Für SCHOTT bedeutete dies den Einstieg in einen völlig neuen Markt.
Im Jahr 1919 in Weimar gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 in Berlin unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen, existierte das Bauhaus nur 14 Jahre. In dieser kurzen Zeit brachte es als lebendige Ideenschule und Experimentierfeld für Kunst, Gestaltung und Architektur etwas völlig Neues in die Welt, indem es Kunst und Technik als Einheit zusammenführte.

Die ersten Ansätze der Zusammenarbeit zwischen dem Bauhaus und SCHOTT gab es in den 1920er Jahren. Zunächst lieferte das „Jenaer Glaswerk Schott & Gen.“ Lampenschirme, Stäbe und Röhren aus Spezialglas an die Metallwerkstatt des Bauhauses im benachbarten Weimar, wo sie bei der Herstellung von Leuchten eingesetzt wurden, unter anderem ab 1924 für die Bauhaus-Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld. 1924/25 skizzierte dann Gerhard Marcks, Leiter der Keramikwerkstatt des Bauhauses, erste Entwürfe für die „Sintrax“ Kaffeemaschine. Als Vorbild dienten dabei „Sintrax“ Glasfiltergeräte von SCHOTT für Forschungs- und Industrielabore. Ab 1928 stellte das Jenaer Glaswerk die „Sintrax“ Kaffeemaschine in großen Stückzahlen nach den Entwürfen von Marcks her, der inzwischen zum Direktor der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale bestellt worden war.

Als erster Spezialglashersteller in Europa hatte SCHOTT 1918 begonnen, Haushaltsgläser aus dem von Firmengründer Otto Schott entwickelten Borosilicatglas auf den Markt zu bringen. Bis dahin hatte das chemisch resistente, hitze- und temperaturwechselbeständige Spezialglas vor allem als Laborglas, Beleuchtungsglas sowie als Röhren für pharmazeutische Ampullen und Fläschchen Anwendung gefunden. Die Verwendung auch als Haushaltsglas entsprach ganz der Strategie von SCHOTT, mit Innovationen immer wieder neue Anwendungsfelder und Märkte zu erschließen.

Seit 1923 war das Bauhaus-Musterhaus „Am Horn“ in Weimar mit den neuen Haushaltsgläsern von SCHOTT ausgestattet. Bauhaus-Gründer Walter Gropius lobte die „vorzüglichen Backgefäße“, kritisierte allerdings gewisse „formale Schwächen“ und bot deshalb SCHOTT die Zusammenarbeit an. Eine kontinuierliche Kooperation mit einem Bauhaus-Schüler kam allerdings erst 1931 zustande. Nach einem Vortrag von Wilhelm Wagenfeld beim Jenaer Kunstverein über „Maschine und Handwerk“ beauftragte SCHOTT Geschäftsleiter Erich Schott Wagenfeld als freiberuflichen Mitarbeiter mit der Überarbeitung der bestehenden Formen und der Gestaltung neuer Formen. Bis 1935 kreierte Wagenfeld ein umfangreiches Sortiment an Haushaltsgläsern, bestehend aus Koch- und Backgeschirr, Auflaufformen, einem Teeservice, Pressglastellern, Saucieren, Kaffeetassen, Kakao- und Punschkrügen sowie einem Eierkochglas. Für Wagenfeld stand die Arbeit für SCHOTT am Beginn seines Aufstiegs zu einem der bedeutendsten Gestalter von Industrieprodukten. Als ein Klassiker der deutschen Designgeschichte steht die berühmte Wagenfeld-Teekanne aus dem Jahr 1931 beispielhaft für den Bauhaus-Gedanken, Material, Form und Funktion sowie die Eignung für die industrielle Serienproduktion in Einklang zu bringen.

Um den Vertrieb der Haushaltsgläser in breiten Bevölkerungsschichten anzukurbeln, war Marketing gefragt. Denn die Gläser für Endverbraucher mussten anders beworben werden als die klassischen Spezialgläser von SCHOTT für Industrie und Wissenschaft. Diese Aufgabe übernahm László Moholy-Nagy. Bis 1928 hatte der Ungar am Bauhaus in Weimar und Dessau gelehrt, seitdem führte er in Berlin ein Atelier für Werbegrafik und Ausstellungsgestaltung. Von 1933 bis 1937 entwickelte Moholy-Nagy eine groß angelegte Werbekampagne für die Haushaltsgläser von SCHOTT. Dazu gehörten Werbedruckschriften für Endverbraucher und den Handel in Millionenauflage sowie Ausstellungs- und Messestände. Sein prägendes Gestaltungsmittel war das „Typo-Foto“, die Verbindung von Typografie und Fotografie. Moholy-Nagy überzeugte SCHOTT zudem, auch das noch junge Medium Werbefilm zu nutzen, um „Jenaer Glas“ in Kinos und bei Kochvorführungen zu bewerben.  

Für SCHOTT gewann das neue Geschäftsfeld Hauswirtschaftsglas neben den etablierten Geschäftsfeldern Optisches Glas und Technisches Glas rasch an Bedeutung. Bis Ende der 1930er Jahre stieg der Anteil am Gesamtumsatz auf 18 Prozent. Bald war „Jenaer Glas“ ein fester Bestandteil der Alltagskultur in Deutschland und anderen europäischen Ländern.  

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Wagenfeld ab 1931 auch ein Sortiment an innovativen Leuchten für SCHOTT gestaltete.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Spaltung von SCHOTT in Ost und West, knüpften die jetzt getrennten Unternehmen an die Bauhaus-Tradition an. Am neuen Hauptstandort in Mainz beauftragte Erich Schott 1954 den früheren Wagenfeld-Mitarbeiter Heinrich Löffelhardt mit dem Design eines neuen Formenprogramms. Im alten Stammhaus in Jena, seit 1948 volkseigener Betrieb, übernahm Ilse Decho, eine der führenden Glas- und Porzellangestalterinnen der DDR, 1961 die Formgebung der neuen Haushaltsgläser. Sowohl in Mainz als auch in Jena wurden diese jetzt weitgehend maschinell hergestellt und fanden weiterhin große Verbreitung.

Aus portfoliostrategischen Gründen zog sich SCHOTT 2005 aus dem Haushaltsglasgeschäft zurück. Dennoch lebt die bekannte SCHOTT Produktmarke „Jenaer Glas“ weiter fort. Seit 2005 wird sie in Lizenz exklusiv von der Zwiesel Kristallglas AG genutzt, unter anderem für die klassische Wagenfeld-Teekanne.

Auch in der Architektur hat das Bauhaus bei SCHOTT Spuren hinterlassen. So plante der Bauhaus-Lehrer Ernst Neufert, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden deutschen Industriearchitekten aufstieg, Anfang der 1950er Jahre das neue Hauptwerk von SCHOTT in Mainz, das 1952 in Betrieb genommen wurde.

SCHOTT ist ein international führender Technologiekonzern auf den Gebieten Spezialglas und Glaskeramik. Mit der Erfahrung von über 130 Jahren herausragender Entwicklungs-, Material- und Technologiekompetenz bietet das Unternehmen ein breites Portfolio hochwertiger Produkte und intelligenter Lösungen an. Damit ist SCHOTT ein innovativer Partner für viele Branchen, zum Beispiel Hausgeräteindustrie, Pharma, Elektronik, Optik, Life Sciences, Automobil- und Luftfahrtindustrie. SCHOTT hat das Ziel, mit seinen Produkten zu einem wichtigen Bestandteil im Leben jedes Menschen zu werden. Das Unternehmen setzt auf Innovationen und nachhaltigen Erfolg. Mit über 15.500 Mitarbeitern an Produktions- und Vertriebsstandorten in 34 Ländern ist der Konzern weltweit präsent. Im Geschäftsjahr 2017/2018 erzielte SCHOTT einen Umsatz von 2,08 Milliarden Euro. Die Muttergesellschaft SCHOTT AG hat ihren Hauptsitz in Mainz und ist zu 100 Prozent im Besitz der Carl-Zeiss-Stiftung. Diese ist eine der ältesten privaten und eine der größten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Als Stiftungsunternehmen nimmt SCHOTT eine besondere Verantwortung für Mitarbeiter, Gesellschaft und Umwelt wahr. www.schott.com

 
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Manager Corporate Communication
Hattenbergstraße 10
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Tel.: +49 6131/66-4335
Weitere Informationen
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Standortkommunikation Jena
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