Stimmungen schaffen

Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen gilt als der deutsche „Auto-Papst“. Ganz egal ob „Dieselgate“, PKW-Maut oder die elektrisierte Zukunft des Automobils: Es gibt kaum ein automobiles Thema, zu dem Experte Dudenhöffer keine eindeutige Meinung hätte. Wir sprachen mit ihm über autonomes Fahren, vernetzte Fahrzeug-Innenräume und die Wichtigkeit innovativer Materialien.


Herr Dr. Dudenhöffer – vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit genommen haben. Erlauben Sie uns die Frage: Wie sind Sie heute Morgen zur Universität gekommen?

Mit meinem Auto.


Fahren Sie gerne Auto? Was stört sie?

Naja, ich wohne im Ruhrgebiet und da beherrschen jeden Morgen Staumeldungen das Radio. Üblicherweise ist von 200 Kilometern Stau in Nordrhein-Westfalen die Rede, das bremst den Fahrspaß. Prinzipiell fahre ich also schon gerne Auto, nicht ganz so gerne im Ruhrgebiet.


Im Stau steht kein Autofahrer gerne. Da ist es fast ein Segen, wenn der Trend des autonomen Fahrens in naher Zukunft Realität wird. Was denken Sie: Sind die deutschen Autofahrer bereit, einem Computer das Fahren zu überlassen?

Es braucht eine Gewöhnungszeit. Danach bin ich sicher, dass keiner mehr zurück will in das Zeitalter der „Lenkradbeisser“. So wie wir heute auf Smartphone, Navi, automatisches Einparken, Tempomat und vieles mehr nicht verzichten wollen, wird es uns mit dem Auto ohne Lenkrad gehen. Wir werden uns darin verlieben.


Displays und Touchscreens sind in beinahe allen Fahrzeugklassen allgegenwärtig. Welchen Herausforderungen stehen Automobilhersteller beim Innenraum-Design gegenüber?

Schauen Sie, wenn wir wirklich mit machine-driven cars unterwegs sind, also ohne Lenkrad, werden wir reicher. Wir gewinnen das kostbarste Gut der Welt: „Zeit“. Also können wir sinnvolle Dinge im Auto tun, etwa lesen, mit Tablets arbeiten, in Ruhe telefonieren, Filme schauen oder einfach die Landschaft genießen. Dazu braucht es ein völlig neues Interieur. Unsere Interieurs sind heute auf das Lenkrad und den Fahrer ausgerichtet. Morgen sind die Mitfahrer im Mittelpunkt – denn es wird dann nur noch Mitfahrer geben.


Denken Sie, dass Materialhersteller wie SCHOTT dabei helfen können, das automobile Interieur der Zukunft maßgeblich mitzubestimmen?

Da bin ich ganz sicher. Mit Glas und Innenraum-Beleuchtung kann man Atmosphären zaubern. Arbeits-Atmosphären, Stimmungen, die zur Entspannung oder Kreativität anregen. SCHOTT und die innovativen Unternehmen verkaufen doch keine Produkte, sondern Mittel, um Kundennutzen zu „produzieren“. Und Kundennutzen hat keine Obergrenze. Nicht mal in Bayern.


Welchen Einfluss haben neue Materialien wie Glas auf den automobilen Innenraum?

Sie müssen bei Hitze „abschirmen“, bei Kälte „isolieren“, Kreativität und modernen Komfort erzeugen, Avantgarde und Innovation „anfassbar“ machen. Sie müssen den Designern möglichst viele Freiheitsgrade einräumen. Zusammengefasst: Innovative Materialen werden das „neue Auto“ mit prägen. Haptik, Akustik, Formsprache, frisches, gesundes Klima sind die Variablen, die Entwickler für die Interieur-Materialen des neuen Autos optimieren müssen.


Wie fänden Sie eine gläserne Mittelkonsole oder vollverglaste Armaturen? Würde das einem Auto-Experten wie Ihnen noch imponieren?

Würde mir gefallen, aber denken Sie daran: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Ich bin unwichtig. Im Mittelpunkt steht der Kunde von morgen.


Vielen Dank für das Gespräch.


22. November 2017
Setting moods - Interview with Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer
People
Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer
Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Der promovierte Volkswirt begann seine Karriere als Analyst bei Opel, wechselte nach einigen Jahren als Leiter Marketing-Strategien & Research zu Porsche, um im Anschluss in der Groupe PSA (heute Citroën, DS, Opel, Peugeot und Vauxhall) in Verkauf und Netzentwicklung Karriere zu machen. Im Jahr 1996 widmete er sich dann wieder voll und ganz der Forschung und lehrte Marketing und Unternehmensführung an der Hochschule Gelsenkirchen. 2008 gründete er dann das CAR – Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, das er seitdem in leitender Funktion betreut. In seinem Buch „Wer kriegt die Kurve?“ gibt er einen Einblick in die neue Welt des Autos.
Mit Glas und Innenraum-Beleuchtung kann man Atmosphären zaubern.
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