SCHOTT solutions Nr. 2/2016 > Focus / Interview

Prof. Christine Lüdeke
Christine Lüdeke hat Produktdesign in den USA und Italien studiert und sich mit einem ­Designbüro in der Schweiz selbstständig gemacht. Sie arbeitet überwiegend für die Luftfahrtbranche und ist seit 15 Jahren Professorin an der Hochschule Pforzheim. Foto: SCHOTT/A. Sell

Auf ein Wort


Wir trafen die Schweizer Industriedesignerin Prof. Christine Lüdeke zu einem ungewöhnlichen Interview – keine Fragen, nur Stichworte. Welche Assoziationen fielen ihr ein?


Design

Design ist das, was die Natur vorgibt, also alles, was einen Rhythmus hat, eine Zusammensetzung, was wir anfassen und anschauen können, uns berührt. Andererseits designen wir, wenn wir ein Objekt künstlich umsetzen, einen Gegenstand oder ein Thema neu bedenken. Überall, wo wir eine Welt berühren, die keinen natürlichen Ursprung hat, entsteht Design durch das bewusste Denken und Machen des Menschen.

Zukunft

Design gehört als feste Komponente zum Flugzeug der Zukunft. Wahrnehmungen werden eine größere Rolle spielen, Gegenstand von Recherchen sein und bei neuen Ideen berücksichtigt werden. Fliegen wird zunehmend zum Gesamterlebnis. Die zentrale Frage  wird sein, wie wir uns beim Fliegen fühlen und welche Eindrücke wir räumlich, zeitlich, körperlich und geistig wohlbefindlich vom Flug mitnehmen.

SCHOTT

Unsere Zusammenarbeit begann klassisch, vor rund 20 Jahren. Wir haben einen der ersten Sitze mit Liegefunktion für eine asiatische Fluggesellschaft entwickelt. Ziel war, das persönliche Licht von der Decke in den Sitz zu integrieren und so dem Bedürfnis des Passagiers, beweglich zu werden, nachzukommen. Heute arbeiten wir daran, wie neue Stoffe und Materialien in Kombination mit neuen Lichtlösungen zu einem innovativen Flugzeugsitz führen können.

Licht

Ohne Licht würde Design optisch nicht funktionieren. Denn nur mit ihm nimmt man Dinge mit dem Auge wahr. Mit Licht kann man Oberflächen schaffen, in Kombination mit bestimmten lichtreaktiven Materialien arbeiten und dabei ganz bewusst mit Beleuchtung umgehen, sodass ein anderer Bezug zum Objekt oder Interieur entsteht. Mit Licht als Gestaltungsmedium kann auf der Stimmungsebene gearbeitet werden. Man kann damit bestimmte und auch unerwartete Aspekte von Objekten ermitteln, etwa die Tiefe eines Materials darstellen, was wiederum Emotionen auslöst und das Menschsein beeinflusst.

Flugzeug

Licht wirkt der Enge des Raums entgegen. Es weicht die physikalische Begrenzung durch die Decke im Flugzeug auf, vergrößert den gefühlten Raum, etwa durch eine Sternenhimmel-Beleuchtung. Es ist, als blicke man durch ein Fenster in die Weite. Licht ist wichtig für die Physiologie des Menschen und sein Wohlbefinden. Wir lernen immer mehr über die Bedeutung von wechselndem Licht in Bezug auf ­unsere natürlichen Lebensrhythmen, eine ständig optimierte Technik erlaubt uns, die künstliche Flugzeugröhre immer natürlicher zu gestalten. Der Umgang mit Beleuchtung spielt auch eine zentrale Rolle bei der Differenzierung der Fluggesellschaften.
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