SCHOTT solutions Nr. 2/2014 > Medinzintechnik

Präzisionslicht für Chirurgen
Das telerobotische daVinci®-Chirurgiesystem von Intuitive Surgical besteht aus einer Konsole für Chirurgen, einem Patientenwagen mit Roboterarmen, endoskopischen Instrumenten und einer 3D-Darstellung. Das neuste System nutzt zur Beleuchtung die Glasfaser PURAVIS® von SCHOTT (links). Foto: Intuitive Surgical

Präzisionslicht für Chirurgen


Optische Glasfasern und Beleuchtungssysteme von SCHOTT sind in vielen Bereichen hilfreich, auch in solch lebenswichtigen wie der minimalinvasiven Chirurgie.


Stephanie Hügler

Dass Roboter in naher Zukunft den Menschen ersetzen könnten, glaubte man in den 1970er-Jahren: Die Filme von damals zeigten Roboterandroiden, die wie Menschen aussahen und agierten. Heute, im Jahr 2014, helfen sie uns tatsächlich im Alltag. Allerdings sehen diese Roboter in der Regel weder aus wie wir noch wurden sie als Ersatz für den Menschen konzipiert. Stattdessen basieren sie oft auf computergestützten Systemen, die uns bei beruflichen Aufgaben unterstützen. Aber ausführen müssen wir die Arbeit immer noch selbst.
Glasfaser PURAVIS®
Foto: SCHOTT/H. Fischer
Vor allem die Chirurgie profitiert sehr stark von der Robotik. Hier kommt es auf absolute Präzision an. Medizinische Eingriffe am Patienten bedeuten neben Schnitten und Gewebemanipulationen auch Schmerzen und spätere Narben. Um solche Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, wurde die minimalinvasive Chirurgie entwickelt und hat sich mittlerweile zum Standardverfahren etabliert. Für viele Operationen wie zum Beispiel bei der Entfernung der Milz, des Blinddarms oder von Tumorgewebe ist sie inzwischen die Methode der Wahl. Der Vorteil: Die minimalinvasiven Techniken benötigen – im Gegensatz zur herkömmlichen Chirurgie – nur wenige kleine Einschnitte für Kamera, Licht, Skalpelle und andere endoskopische Instrumente. Trotzdem waren Mediziner lange überzeugt, dass die minimalinvasive Chirurgie für kompliziertere Operationen zu riskant sei. Dazu zählt auch die so genannte Laparoskopie, die in den 1980er- und 1990er-Jahren bei relativ einfachen Eingriffen sehr verbreitet war. Das änderte sich, als das amerikanische Unternehmen Intuitive Surgical die telerobotische Chirurgie vorstellte: Das daVinci®-Chirurgiesystem besteht aus einer Konsole, an der Chirurgen während des Operierens bequem sitzen können. Integriert ist auch ein patientennahes Stativ mit drei oder vier Roboterarmen, verschiedenen endoskopischen Instrumenten und einem System zur 3D-Darstellung. Alle Handbewegungen des Chirurgen setzt die Maschine in kleinere, präzisere Bewegungen der winzigen Instrumente um. Dazu gehören Skalpelle, Scheren oder Nadelhalter. Diese sind an Systemarmen angebracht, die ein wesentlich größeres Rotationsvermögen besitzen als das menschliche Handgelenk. Doch alles geschieht unter Sicht und Kontrolle des Chirurgen.
PURAVIS®
PURAVIS® Fasern garantieren eine Transmission von weißem Licht über größere Distanz direkt in den Körper des Patienten. Foto: Intuitive Surgical
„Diese Technologie lässt sich für ein breites Spektrum minimalinvasiver Therapien anwenden, aber unser neustes System wurde speziell auf komplexe Mehrquadranten-Operationen wie Prostataeingriffe ausgelegt”, erklärt Mike Hanuschik, Leiter Design & Product Management bei Intuitive Surgical. Da das System einen effizienten Zugang über das Abdomen, den Brustkorb und diverse Körperöffnungen ermöglicht, kann es jedoch auch in anderen medizinischen Bereichen eingesetzt werden wie Gynäkologie, Thoraxchirurgie, Herzchirurgie und Allgemeinchirurgie. „Wir bieten intuitive Steuerung und ergonomisches Design bei gleichzeitig stark vergrößerter Darstellung mit 3D-HD-Visualisierung für Chirurgen. So bringen wir die virtuell verlängerten Augen und Hände des Operateurs in die Patienten hinein“, so Hanuschik. Intuitive Surgical wurde 1995 gegründet und hat sich zum Marktführer bei computergestützten Systemen entwickelt. Das daVinci®-System des Unternehmens ist eindeutig das modernste und am häufigsten installierte telerobotische Chirurgiesystem auf dem Markt. Sein 3D-Visualisierungssystem bietet Chirurgen eine ständig aktualisierte Detailansicht des Operationsfelds und ermöglicht ein Arbeiten mit größtmöglicher Präzision.
PURAVIS®
Die umweltfreundlichen optischen Glasfasern PURAVIS® von SCHOTT sind robust und können mehr Sterilisiervorgänge durchlaufen als herkömmliche Fasern. Foto: SCHOTT/C. Costard
Und an dieser Schlüsselstelle hilft Technologie von SCHOTT: „Wir liefern das Licht für den Chirurgen”, erklärt Ralf Daferner, Division Manager Medical der Geschäftseinheit Lighting and Imaging der Schott AG. Das neuste System von Intuitive profitiert jetzt von den umweltfreundlichen optischen Glasfasern PURAVIS®. Diese Hightech-Fasern lassen sich ohne Verwendung von Blei, Antimon und Arsen herstellen. Sie garantieren eine Transmission von weißem Licht über größere Distanz direkt in den Körper des Patienten. Außerdem sind die PURAVIS® Fasern von SCHOTT sehr robust, so dass Krankenhäuser langfristig Kosten einsparen können. Der Grund: Sie besitzen eine hervorragende chemische Stabilität – und das ist ausschlaggebend für die Reinigung und medizinische Wiederaufbereitung. Mit PURAVIS® ausgestattete Instrumente können im Vergleich zu Instrumenten mit herkömmlichen Fasern wesentlich mehr Sterilisiervorgänge durchlaufen – ein Muss in Krankenhäusern, denn nur durch sterile Instrumente im OP lassen sich Infektionen vermeiden. „Lichtleiter von SCHOTT sind ein unverzichtbarer Teil der robotischen Chirurgiesysteme von Intuitive Surgical”, berichtet Hanuschik. „Sie sorgen für die exakte Ausleuchtung. Nur so können Chirurgen sicher zwischen verschiedenen Gewebearten unterscheiden – und das zuverlässig über eine sehr lange Zeit.”

Hanuschik ist überzeugt, dass – dank besserer Lichtlösungen und fortschrittlicher minimalinvasiver Chirurgiesysteme – Roboter bald die Methode der Wahl bei vielen weiteren komplexen Eingriffen darstellen werden. „Die Zukunft minimalinvasiver Operationen liegt in der robotischen Chirurgie”, meint er. „Das daVinci®-System wurde mittlerweile von Ärzten in aller Welt in rund 1,5 Millionen chirurgischen Eingriffen erfolgreich ange-wandt, unter anderem in renommierten Kliniken wie dem New York University Medical Center, dem USC University Hospital in Los Angeles und Hunderten anderen. Wir arbeiten ständig daran, es noch weiter zu verbessern und so chirurgische Eingriffe für Menschen in aller Welt schonender und angenehmer zu machen”, sagt Hanuschik. <
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