SCHOTT solutions Nr. 2/2012 > Restaurierung

Das Restaurierungsglas TIKANA® von SCHOTT verleiht dem Berliner Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße eine originalgetreue Glasfassade. Foto: SCHOTT/C. Costard

Ort der Emotionen


Der denkmalgeschützte Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin erhielt während seiner Sanierung eine originalgetreue Glasfassade mit TIKANA® Restaurierungsglas.


Christine Fuhr

Abschied und Sehnsucht, Angst und Freude, Verzweiflung und Hoffnung – diese ambivalenten Gefühle verbinden sich mit dem 1962 errichteten Gebäude am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin. Der nach Plänen von Horst Lüderitz, Architekt der Deutschen Reichsbahn, errichtete Pavillon aus Glas und Stahl diente in DDR-Zeiten als Abfertigungshalle für die Grenzkontrollen zur Ausreise von Ost- nach Westdeutschland. Wegen der unzähligen schmerzvollen Abschiede nach Begegnung mit Angehörigen und Freunden aus dem anderen Teil Deutschlands bis hin zu Zusammenbrüchen aus Erschöpfung und mehr als 200 Todesfällen sowie gescheiterten Fluchtversuchen, nannten die Berliner den Pavillon umgangssprachlich „Tränenpalast”. An diesem historischen Ort lässt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland heute auf 550 Quadratmetern Ausstellungsfläche die vielfältigen dramatischen wie auch alltäglichen Auswirkungen von Teilung und Grenze auf das Leben der Deutschen wieder lebendig werden.

Vor Eröffnung der Dauerausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung” im September 2011 erfolgten umfassende Umbau- und Sanierungsmaßnahmen des Gebäudes inklusive der Erneuerung der Glasfassade. Für die Berliner Denkmalbehörde und das beauftragte Architekturbüro Bollinger + Fehlig bestand die besondere Herausforderung der Sanierung darin, den Charakter des von Lüderitz als lichtdurchfluteten Pavillon gestaltete „Zollabfertigungsgebäude” mit seiner Stahlrahmenkonstruktion auf einem 2,50 Meter hohem Sockel möglichst authentisch abzubilden. Dazu zählte, dass die großen Glasflächen eine leicht unebene Struktur aufweisen sollten, wie sie für in den 1960er-Jahren angewandte Produktionsverfahren typisch war. Zugleich mussten die Scheiben über lichttechnische Eigenschaften verfügen, die ein Aufheizen des Innenraums bei Sonneneinstrahlung verhindern. Das Restaurierungsglas TIKANA® erfüllte die geforderten Spezifikationen des Denkmalschutzes. Es ahmt zudem perfekt den ´Look´ von Gläsern der frühen 1960er-Jahre mit ihren typischen Unregelmäßigkeiten nach. Zugleich war SCHOTT als einziger Anbieter in der Lage, die Scheiben in der notwendigen Glasstärke von 6 Millimetern und den gewünschten Abmessungen zu liefern. So waren beispielsweise Modellscheiben in Höhen von bis zu 2.794 Millimetern gefordert. Die gewünschten optisch-ästhetischen sowie statischen Eigenschaften kombinierten die Experten von SCHOTT mit den Vorzügen moderner Isoliergläser hinsichtlich Wärmedämmung. So wurde im Tränenpalast ein Isolierglasverbund eingesetzt mit TIKANA® auf der Außenseite und einem Floatglas mit Wärmeschutzbeschichtung auf der Innenseite. Modern und zugleich authentisch restauriert, lädt der Tränenpalast Besucher seitdem zu einer spannenden Reise in die deutsche Geschichte ein. Infos unter: www.hdg.de/berlin/traenenpalast-am-bahnhof-friedrichstr