SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Interview

Foto: SCHOTT/Chen Fei

„Gleichzeitigkeit von Glas dokumentieren”


Architekt Tilman Thürmer über die Gründung von „Coordination Asia” und die besonderen Anforderungen an Design und Kunst in China.


Dr. Haike Frank

solutions: Ein deutscher Architekt in Shanghai – eine Seltenheit oder neue Mode?

Thürmer: Deutschland hat in China ein gutes Image, insofern ist deutsche Architekturleistung dort gefragt. Ich hoffe, dies ist mehr als nur eine Modewelle.

solutions: Worauf sind Sie mit Ihrem Büro „Coordination Asia” spezialisiert?

Thürmer: Unser Büro „Coordination Berlin” ist auf Museumsgestaltung und Ausstellungen spezialisiert. Vor fünf Jahren habe ich in Shanghai eine Ausstellung organisiert und so verschiedene Kontakte vor Ort geknüpft. Vor zweieinhalb Jahren zog ich nach Shanghai und gründete „Coordination Asia” analog zum Berliner Büro.

solutions: Was reizt Sie an der Arbeit in Shanghai?

Thürmer: Wenn man Vertrauen zu seinen Kunden aufgebaut hat, ist dieses Verhältnis sehr belastbar. Die Zusammenarbeit ist gut; es macht Spaß. Die Herausforderungen sind groß, denn es besteht immer ein hoher Zeitdruck.

solutions: Was schätzen Chinesen an deutschen Architekten?
Foto: SCHOTT/Chen Fei
Thürmer: Typisch deutsche Eigenschaften wie Präzision und Zuverlässigkeit werden besonders honoriert.

solutions: Welche Projekte haben Sie in China bisher ausgeführt?

Thürmer: Das Shanghai Museum of Glass war unser erstes großes Projekt. Momentan arbeiten wir an einem noch größeren, dem Shanghai Film Museum.

solutions: Wie kamen Sie zu dem Auftrag für das Glasmuseum?

Thürmer: Die Shanghai Glass Company finanzierte den Bau des Museums als eine Non-Profit-Einrichtung und beauftragte den sehr renommierten Professor of Fine Arts, Zhuang Xiaowei, einen Partner für die Gestaltung zu finden. Er wurde auf mich bei seiner Suche nach Design- und Architektenbüros in der Shanghaier Künstlerszene aufmerksam.

solutions: Wie lang hat die Realisierung dieses Projekts gedauert?

Thürmer: Die Eröffnung fand im Mai 2011 statt. Vom ersten Kontakt mit dem Auftraggeber bis zur Fertigstellung vergingen 18 Monate.

solutions: Wie sieht das Konzept des Glasmuseums aus?

Thürmer: Professor Zhuang war es wichtig, das Material Glas nicht nur von der industriellen, technischen Seite zu zeigen. Er legte besonderes Augenmerk auf künstlerische Aspekte und den Wert, den Glas für die Gesellschaft im Alltag hat.

solutions: Welchem Motiv folgt die Gestaltung?

Thürmer: Überall werden die Vielfältigkeit und Gleichzeitigkeit von Glas thematisiert, besonders auch die gegenseitigen Einflüsse zwischen West und Ost.

solutions: Welche Elemente von SCHOTT sind ausgestellt?

Thürmer: Highlight ist das Element aus ZERODUR® Glaskeramik. Dieses Exponat ist nicht nur technologisch herausragend, sondern auch sehr schön und ästhetisch. Auch ein CERAN® Wok ist zu sehen.

solutions: Wie kam der Kontakt mit SCHOTT zustande?

Thürmer: Das Unternehmen ist mir schon lange bekannt. Auf der EXPO 2010 begegnete mir SCHOTT dann erneut durch sein Engagement im Deutschen Pavillon.

solutions: Welche Bedeutung hatte die ­EXPO 2010 im Rückblick für Sie?

Thürmer: Für alle Designer und Architekten in Shanghai hat die EXPO einen sehr ­hohen Stellenwert, weil sie die Sensibilität für gute Gestaltung extrem gesteigert hat. <|
 

Tilman Thürmer

Tilman Thürmer, geboren 1972, studierte Architektur an der Universität der Künste in Berlin. 2004 gründete er mit Architekt Jochen Gringmuth und Designer Flip Sellin das Büro ­„Coordination Berlin”. 2008 folgte die Gründung von „Coordination Asia”. „Coordination” konzipiert Ausstellungen, schafft Design-Environments und entwickelt Produkte für inter­nationale Kunden in den Bereichen Mode, Kunst, Design, Corporate und Kultur. <|