SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Beleuchtungstechnologie

Im Einklang mit dem sogenannten circadianen System bestimmt Licht unseren inneren Rhythmus: Die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen hemmen die Produktion des Schlafhormons Melatonin und unterstützen somit unser Erwachen. Foto: licht.de

Wohltuendes Licht


Medizinische Einrichtungen nutzen zunehmend intelligente Beleuchtungskonzepte, um das Wohlgefühl ihrer Patienten zu stimulieren und die sterile Klinikatmosphäre aufzuhellen.


Thilo Horvatitsch

Ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter – Licht bestimmt seit jeher unseren Rhythmus. In Jahrtausenden hat der Mensch ein komplexes inneres Uhrwerk entwickelt, das seinen Organismus mit den 24-Stunden-Abläufen seiner Umwelt synchronisiert: das circadiane System (lateinisch: circa = ungefähr, dies = Tag). Dieser unsichtbare, aber mächtige Regisseur nutzt zum Beispiel die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen als Weckdienst: Das anbrechende Tageslicht hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin, das uns abends müde macht, und unterstützt somit unser Erwachen.

Die Chronobiologie kennt auch negative Auswirkungen solcher Mechanismen: Büroarbeiter, denen es an einer ausreichenden Dosis Tageslicht mangelt, leiden in den trüben Jahreszeiten oft am „Winter-Blues” oder an der sogenannten saisonal abhängigen Depression (SAD). Ihre innere Uhr ist aus dem Takt, das hormonelle System im Gehirn aus dem Gleichgewicht. In Deutschland zum Beispiel sei jeder zehnte Erwachsene davon betroffen, heißt es.

Dass Licht einen solch großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat, macht sich die Medizin zunehmend zunutze. So ließen sich laut Untersuchungen die emotionalen Nebenwirkungen von prämenstruellen Beschwerden erfolgreich mit biologisch wirksamem Licht behandeln. Lichttherapien werden heute bei Depressionen ebenso eingesetzt wie bei bestimmten Formen von Bulimie.

Angstfrei im Kernspintomografen

Auch medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime oder Fachpraxen setzen verstärkt auf intelligente Beleuchtungskonzepte und Lichtinstallationen, um die nüchterne, sterile Klinikatmosphäre und die Stimmung der Patienten aufzuhellen. Das hat durchaus therapeutischen Hintergrund. Menschen mit Platzangst zum Beispiel haben große Schwierigkeiten, sich längere Zeit in einen Magnetresonanztomografen (MRT) zu legen.

Angst, Übelkeit und Kopfschmerzen entstehen jedoch in angenehmer Atmosphäre, mit entsprechender Beleuchtung samt ver­änderbaren Farbspielen an der Wand und mit entspannender Musik deutlich weniger, hat die Praxis gezeigt. In vielen Fällen erübrigt sich damit selbst die Verabreichung von Beruhigungsmitteln. Zudem gelingt die MRT-Untersuchung besser und muss nicht wiederholt werden, weil die Bildqualität durch die Unruhe des Patienten gelitten hat. Ähnliche Beleuchtungskonzepte können auch auf Intensiv­stationen, bei Untersuchungen von Kindern oder bei Schmerzbehandlungen für angstfreie Patienten und bessere Behandlungsergebnisse sorgen. „Selbst das Pflegepersonal profitiert von der Lichtwirkung und wird ausgeglichener”, ergänzt Jörg Warrelmann von SCHOTT Lighting and Imaging.

Mit angenehmer Beleuchtung können Menschen mit Platzangst auch im Kernspintomografen entspannen. Foto: SCHOTT/L. Zimmermann
Der Unternehmensbereich des in­ternationalen Technologiekonzerns bringt 40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Anwendung von lichttechnologischen Lösungen mit. Seine Angebotspalette für die Gesundheitsindustrie reicht von moderner Innenraumbeleuchtung, Mood- und Ambient Lighting bis zu Leucht-Panels, Kontur- und Lesebeleuchtung (siehe Info Seitenende). „Wir unterstützen medizinische Einrichtungen dabei, ihr bedarfsgerechtes Beleuchtungskonzept zu finden und einzurichten. Im Fokus steht dabei stets das Licht als Instrument, das Stimmung, Komfort und Orientierung schaffen kann”, erläutert Jörg Warrelmann.
Ob Leseleuchten, Konturbeleuchtung oder komplette Illuminationsszenarien: Licht kann ­Stimmung, Komfort und Orientierung auch in Kliniken schaffen. SCHOTT unterstützt medizinische Einrichtungen dabei, ihr bedarfsgerechtes Beleuchtungskonzept zu finden. Foto: SCHOTT/L. Zimmermann

Zusatznutzen Differenzierung

Dabei kann es um unterschiedlichste Ansätze und Lösungen gehen, von Leseleuchten für Dialyse-Stationen bis zu Lichtkonzepten für sogenannte Snoozle-Räume in pädagogischen Einrichtungen, in denen sich Kinder entspannen und beruhigen können. Mit der flexiblen, farblich vielfältigen Konturbeleuchtung etwa lässt sich Operationsausrüstung wie Tische, Schwenkarme, Leuchten oder Versorgungseinheiten ausstatten. Die dünnen faseroptischen Lichtleiter sind elektromagnetisch verträglich und daher selbst im Innenraum von Kernspintomografen funktionsfähig, wo sie zur Beruhigung oder Ablenkung beitragen können. Eine zusätzliche Einsatzmöglichkeit und zugleich mehr Sicherheit bietet die optische Signalisierung des Betriebszustands von elektrischen Geräten per Lichtfarbwechsel: Wird die Beleuchtung rot, ist zum Beispiel das Röntgengerät in Betrieb, bei grün ist es ausgeschaltet bzw. in Bereitschaft. Der Nutzen solcher modernen Beleuchtungskonzepte beschränkt sich jedoch nicht auf die psychologische oder signalgebende Lichtwirkung. Ihr Einsatz demonstriert den Patienten auch, dass es hier um ihr ganzheitliches Wohlergehen geht. Gerade Spezial-Praxen und -Kliniken oder deren Ausrüstern eröffnen sich damit neue Wege, sich im Wettbewerb zu differenzieren. Dies bestätigt Jörg Warrelmann: „Wir bemustern zurzeit große OP-Ausstatter, haben Projekte gestartet zum Thema Mood Lighting für MRT-Behandlungsräume und sprechen mit Interessenten aus dem Dentalbereich. Dabei hören wir immer wieder: So etwas haben wir schon lange gesucht!” Den Medizintechnikern ist buchstäblich ein Licht aufgegangen. <|

Von Leseleuchten bis Mood Lighting

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