SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Solartechnologie

Über dem Hafen von Sydney: Auf einem ehemaligen Wartungsgebäude verwandeln 216 SCHOTT Solarmodule die Sonnenstrahlen in 100 MWh Energie. Foto: Solgen Energy

Sonnige Zeiten


Australien ist vom Klimawandel besonders betroffen. Das Land investiert massiv in erneuerbare Energien – eine Solaranlage von SCHOTT in Sydneys Hafen soll zur Nutzung von Solartechnik motivieren.
 

Boris Hänssler

Das Wasser stieg und stieg – Tausende von Menschen mussten im ­Januar 2011 aus der australischen ­Metropole Brisbane flüchten, als der ­Brisbane River über die Ufer trat. Die Fluten rissen Boote, Autos, Stege und Container mit. Es war die schlimmste Flut seit über fünfzig Jahren – und ­leider nicht der einzige Rekord der letzten Zeit: 2006 machten Meteo­rologen in Australien den heißesten ­Jahresanfang seit Beginn der Aufzeichnungen aus. Die Experten sehen einen deutlichen Trend zu höheren Durchschnittstemperaturen. Austra­lien ist mit seinen Wetterextremen stark vom Klimawandel betroffen, von Dürre, Fluten und Waldbränden. Die Regierung will deshalb den hohen Energieverbrauch des Landes bekämpfen. Geplant ist beispielsweise eine Steuer für die 500 Unternehmen mit den höchsten CO₂-Emmissionen. Gleichzeitig investiert Australien bis 2020 rund 20 Milliarden Dollar in den Ausbau erneuerbarer Energien in Industrie und Privathaushalten.

Eine besondere Rolle spielt der Green ­Precincts Fund. Damit will die Regierung Kommunen motivieren, Wasser und Energie effizienter zu verwalten. 13 Projekte werden mit 15 Millionen Dollar gefördert. Am Ende stehen jährliche Einsparungen von insgesamt 144 Megaliter Wasser und etwa 9 Millionen Kilowattstunden Strom.

Eines dieser Vorzeigeprojekte befindet sich mitten im Hafen von ­Sydney. Die Gebäude auf der Insel Cockatoo Island beziehen künftig 20 Prozent ihrer Energie von Solarmodulen, die auf einem ehemaligen Wartungsgebäude für U-Boot-Tur­binen installiert wurden.

Den Zuschlag für die Installation erhielt das Unternehmen Solgen Energy, Vertriebspartner von SCHOTT. Auf dem Turbinenhaus fangen 216 SCHOTT PROTECT® POLY 300 Doppelglasmodule die Sonnenstrahlung auf und wandeln sie in Energie um. Für Inselbesucher ein eindrucksvolles Bild: Die Panels decken über 680 Quadratmeter ab und liefern etwa 100 Megawattstunden Energie – das vermeidet pro Jahr etwa 110 Tonnen Kohlendioxid. Dass sich der Trust für die SCHOTT Module entschied, hat seinen Grund: Die verwendete Doppelglastechnik ist einzigartig – die zusätzliche Glasscheibe auf der Rückseite sowie der eloxierte, hohlkammerfreie Aluminiumrahmen machen die Module äußerst widerstandsfähig gegenüber extremsten Witterungsbedingungen.
Die Solarindustrie fasst Fuß in Australien: Auf Cockatoo Island beziehen die Gebäude künftig 20 Prozent ihrer Energie aus SCHOTT Solarmodulen. Das hilft jährlich 110 Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Foto: Solgen Energy

Das müssen die Module auch sein: Auf Cockatoo Island sind sie ständig der salzhaltigen Atmosphäre ausgesetzt, außerdem leben dort viele Seevögel – Salz und Kot würden herkömmlichen Modulen schnell zusetzen.


Mit 15 Tonnen Equipment auf die Insel


Die außergewöhnliche Umgebung war schon bei der Installation eine ­Herausforderung. Sechs Wochen lang dauerte die Vorbereitung.

Solgen Energy musste 15 Tonnen Equipment mit Schwerlastbooten auf die Insel transportieren. Trotzdem dauerte es nur einen Monat, bis alles fertig war. „Alles lief glatt, wir sind sehr zufrieden”, sagt David Williams vom Sydney Harbour Federation Trust, der die Inselanlagen verwaltet. Der Trust will nun mit der Installation Werbung für die Nutzung von Solartechnik machen.

Dafür kann man sich kein besseres Umfeld wünschen. Cockatoo Island ist eines der beliebtesten Touristen­ziele in Sydney. Früher war die Insel ein Gefängnis, danach eine Gewerbeschule für Mädchen, und lange Zeit beherbergte sie auch eine der größten Werften des Landes.

Heute ist Cockatoo Island vor allem ein Veranstaltungsort, in einigen Industriegebäuden befinden sich Filmstudios. Die alten Gefängnisse wurden 2010 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Um den vielen Besuchern die neue Technik nahe zu bringen, stellte der Trust in dem einstigen Turbinengeschäft einen großen Bildschirm auf, der interaktiv über die Solaranlage informiert und ihre aktuelle Leistung in Echtzeit darstellt. Es gibt zudem Führungen, Lehrmaterial für Schulen, ­eine Webseite und ein Newsletter. Zwei populäre TV-Sendungen wurden auf der Insel gedreht und präsentierten die Solartechnik einem Millionenpublikum.

Von der Anlage profitiert künftig vermutlich auch die Nachbarschaft. „In Inselnähe liegen hochwertige Immobilien, die sich nicht gut für Solartechnik eignen”, sagt David Williams. Dort bestehe großes Interesse, in zusätzliche Module auf Cockatoo Island zu investieren.

Gonzalo Muslera, Country Manager SCHOTT Australien, glaubt, dass die Solartechnik ohnehin immenses Potenzial in diesem Land birgt: ­„Allein im letzten Jahr stieg das Interesse gewaltig, insbesondere auf dem ­Immobilienmarkt. Die Solarbranche ist gerade erst dabei, in Australien Fuß zu fassen.” <|
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