SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Photovoltaik

Vorzeigeprojekte für den Klimaschutz in Nairobi, Kenia: 1) Das UNEP-Hauptquartier mit Solardach. Foto: Energiebau/Marieantoinetta Peru

Entwicklungschance für Afrika


Die German Solar Academy Nairobi will lokale Fachkräfte für die Planung und Installation von hochwertigen Photovoltaiksystemen fit machen.


Christine Fuhr

Photovoltaik (PV) ist kein Privileg der Reichen”, erklärte der Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, im Februar 2011 anlässlich der Einweihung des UNEP-Hauptquartiers – des ersten energieneutralen Bürogebäudes Afrikas – in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Dessen Photovoltaikanlage erzeugt mit 4.000 Solarmodulen mehr Energie als die 1.200 Mitarbeiter benötigen und spart jährlich rund 420.000 Kilogramm schädliches CO₂ein. Die emissionsfreie Solar­technik ist „made in Germany”: Das international tätige Photovoltaik-  Systemhaus Energiebau, Köln, hatte Mitte 2010 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen den Zuschlag erhalten und realisierte als Generalunternehmer das Projekt mit Modulen von schott Solar und Wechselrichtern der sma Solar Technology AG. Für Steiner dokumentiert das Leuchtturmprojekt in Kenia einen Zukunftsansatz, der zeige, dass das Zeitalter der Photovoltaik gekommen sei und damit die Möglichkeit, die Menschen in Kenia mit Energie zu versorgen.
2) Die „German Solar Academy Nairobi”, die Weiterbildungslehrgänge für lokale Fachkräfte aus Kenia, Tansania und Ruanda anbietet. Foto: Energiebau/SCHOTT/A. Baasner
Im Osten Afrikas ist Energie knapp und kostspielig. Trockenheit und Naturkatastrophen gefährden immer wieder die überwiegend aus Wasser, Wärme und Erdgasvorkommen generierte Stromversorgung. Die Folgen sind einerseits Stromverknappung, -rationierung sowie andererseits höhere Energiepreise und Überlastung der vorhandenen Stromnetze wegen zu geringer Kapazitäten. Die Konsequenzen erstrecken sich auf alle Be­reiche der Gesellschaft, blockieren ökonomisches Wachstum und sozialen Wohlstand und wirken negativ auf Klima und Umwelt.

Strom aus Sonnenenergie hingegen könnte ostafrikanischen Ländern eine langfristige, dauerhafte, umwelt- und klimafreundliche und zudem ökonomisch sinnvolle Alternative bieten. Denn die Bedingungen vor Ort sind ideal: Die Strahlungsintensität der Sonne ist mit täglich über 5 Kilowattstunden pro Quadratmeter fast doppelt so hoch wie in Mitteleuropa. Hinzu kommt, dass die Weltmarktpreise für PV stark gefallen sind, was die Wettbewerbsfähigkeit der Technologie auch vor Ort erhöht. Laut giz (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) rechnet man in vielen Ländern Ostafrikas schon bald mit „Grid-Parität”. Demnach kostet der Strom aus PV gleich viel wie der Strom aus dem Netz. Und: Bei unvernetzten Anlagen sind autarke Photovoltaik-Anlagen für den Hausgebrauch bereits wettbewerbsfähig.


Fehlendes Wissen über Potenzial


Ostafrikanische Regierungen verfügen bislang über begrenzte Erfahrungen mit der technischen Umsetzung, den Finanzierungsoptionen und der Realisierung größerer PV-Projekte. Solarenergie wird nicht selten als ­Nischenprodukt für Einzelhaushalte in länd­lichen Regionen wahrgenommen: Außerhalb der wachsenden Metropolen leben viele Menschen ohne Zugang zum Stromnetz, in Kenia zirka 80 Prozent. Solare Haussysteme bilden dort eine Alternative zum Betrieb von Generatoren mit immer teurerem Dieselkraftstoff. Fehlendes Wissen verhindert somit eine erfolgreiche Implementierung der Technologie in größerem Maßstab. Ungünstige politische und regulatorische Rahmenbedingungen tragen außerdem dazu bei, dass kaum Anreize für pri­vate Investitionen in Solaranlagen mittleren und größeren Umfangs existieren.
Enormer Bedarf: Die Lehrgangsteilnehmer lernen Planung, Installation, Betrieb und Wartung von PV-Systemen kennen. Foto: Energiebau/ SCHOTT/A. Baasner
Um genau diese Defizite aufzufangen, arbeiten die drei deutschen Unternehmen Energiebau Solarstromsysteme, SCHOTT Solar und SMA Solar Technology seit August 2010 – begleitend zu ihrem Engagement am Bau der UNEP-Anlage – in einer auf drei Jahre angelegten Entwicklungspartnerschaft mit der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen. Nach dem „Best Practice”-Gebäude in Nairobi sollen im Rahmen dieses Public-Pri­vate-Partnership (PPP)-Projekts mit ­Pilotanlagen in Kenia und Tansania Einsatzmöglichkeiten von Solaranlagen demonstriert werden.

Wichtiger Bestandteil ist zudem die „German Solar Academy Nairobi”, die im Juli 2011 startete. Die Academy mit Experten der drei deutschen Partnerunternehmen bietet mehrere einwöchige Weiterbildungslehrgänge für je rund 40 lokale Fachkräfte an, die sich aus Mitarbeitern von Elektrizitätsgesellschaften, Forschungsinstituten und privatwirtschaftlichen Unternehmen aus Kenia, Tansania und ­Ruanda rekrutieren. Inhalt der zweimal jährlich (bis 2013) stattfindenden Workshops ist die Vermittlung technischer Grundlagen und Informationen zu Planung, Installation, Betrieb und Wartung netzgekoppelter und netz­ferner PV-Systeme. Zugleich steht jeweils ein Besuch der größten Aufdach-Solaranlage auf dem UNEP-Hauptquartier auf der Agenda.

Bernd Wolff, Leiter Afrika-Projekte bei Energiebau Solarstromsysteme: „Mit der Weiterbildung lokaler Fachkräfte an hochqualitativen Produkten und Prozessen wollen wir Solaranlagen als wettbewerbsfähige und nachhaltige Energiequelle in Ostafrika etablieren. Für den ersten Lehrgang hatten wir mehr Bewerber als Plätze, was zeigt, dass der Bedarf enorm ist.” Für SCHOTT Solar, Hersteller innovativer Solartechnik, stellt das Engagement in Afrika, neben der Vermittlung von speziellem Know-how über Solarmodule und deren Leistungs­fähigkeit, auch einen Beitrag zur Entwicklungshilfe dar. Martin Gorn, verantwortlicher Projektkoordinator bei SCHOTT Solar: „Während wir einerseits hochwertige Module für das UNEP-Gebäude und Solar-Experten für die Academy zur Verfügung stellen, dokumentieren wir andererseits unsere soziale Verantwortung im Sinne von Corporate Social Responsibility.”

Im Fokus der Partnerschaft steht die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, die die Chance erhalten, theoretisches und praktisches Wissen zu vertiefen. Für die deutschen Firmen bedeutet das Engagement einen wichtigen Meilenstein für den Eintritt in die Solarmärkte Ostafrikas. Vom gestärkten Privatsektor in der Region profitieren sowohl die Projektpartner als auch Investoren, die ebenso auf qualifizierte Fachkräfte zurückgreifen können. Dirk Niebel, deutscher Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit: „Die Entwicklungspartnerschaft schafft also eine Win-Win-Situation, die sowohl den Menschen in unserem Partnerland als auch unserer Wirtschaft dient.” <|
Foto: Energiebau/SCHOTT/A. Baasner

Positives Feedback

Die Teilnehmer der German Solar Academy äußerten sich durchweg positiv über die Informationen und den Ablauf des Lehrgangs:

„Ingenieure wie Kunden bevorzugen Produkte von hoher Qualität. Hatten wir bislang
Schwierigkeiten, gute von schlechten Produkten zu unterscheiden, stehen uns jetzt hilfreiche
Testverfahren zur Verfügung.”
Henry Giuchungi, Kenya Power and Light Company

„Das Training hat gezeigt, welch gute Qualität es auf dem Markt gibt. Ich wünschte,
mehr Menschen würden lernen, was mit den richtigen Partnern und Produkten möglich ist.
Das würde für Solaranwendungen in der Region einen richtigen Schub geben.”
Jean-Pierre Muhire, Inhaber eines kleinen Installationsbetriebs in Ruanda

„Ich konnte hier erstmals erfahren, wie eine netzgekoppelte Anlage funktioniert. Das Beste war, dass wir hier die Unternehmen für Fragen zu Planung, Produkte und Installation vor uns hatten.”
Francis Maina, Installateur aus Kenia
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