SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Architektur

Die Glassfassaden der Konzerthalle mit ihren kaleidoskopartigen Reflek­tionen sind das Ergebnis einer einzigartigen Zusammenarbeit des bekannten Künstlers Olafur Eliasson und Henning Larsen Architects. Foto: Nic Lehoux

Farbenspiel aus Glas


Das imposante Konzert- und Kongresszentrum Harpa in Reykjavik spiegelt die Natur der Vulkaninsel wider. Seine facettenreiche Glasfassade korrespondiert mit den Tönen von Meer, Stadt und Himmel.


Dr. Gabriele Reinartz

Imposant und selbstbewusst fügt sich das neue Konzert- und Kongresszentrum Harpa in das Hafengebiet der isländischen Hauptstadt Reykjavik ein. Es besteht aus vier Hallen, deren Namen auf die Naturgewalten Erde, Feuer, Wasser und Licht anspielen. Der erst im Sommer fertiggestellte und 28.000 Quadratmeter große Komplex ist das Werk des Starkünstlers Olafur Eliasson und Henning Larsen Architects, Kopenhagen. Eliasson, der in Berlin lebt und arbeitet, entwarf die gläserne Südfassade. Hier ließ er sich von der Natur Islands, vor allem vom Säulenbasalt, inspirieren. Sein Idee: „Ich wollte ein Gebäude schaffen, das nicht nur schön aussieht, sondern auch zweckmäßig ist”, sagt der Künstler in einem Interview. Und das ist ihm gelungen. Bei seiner Fassade trifft Natur auf Architektur.

Auf den ersten Blick wirkt die zum Stadtzentrum ausgerichtete Glasfront eben, doch das ist sie nicht. Vielmehr verläuft sie nach einem eigenen geometrischen Prinzip. Dafür ordnete der Künstler rund 960 dreidimensionale hexagonalförmige Bausteine so an, dass die Fassade nach außen hin „im Zickzack” absteht. Die außergewöhnliche Geometrie der Glasblöcke erschuf Einar Thorsteinn, ein Kollege. Durch sie konnte Eliassons der Front eine neue räumliche Dimension geben. „Einar hat ein ganz besonderes Gefühl für Geometrie und inspiriert mich, seitdem wir uns kennen”, schwärmt er. Das Formspiel der Hexagone setzt sich im Foyer durch Projektion der Umrisse auf Wänden und Böden fort.
Foto: Nic Lehoux
Die Schlüsselidee von Licht und Transparenz zeigt sich auch bei der Wahl des Glases. Einige Glasblöcke sind mit dem Farbeffektglas SCHOTT NARIMA® gestaltet und spiegeln die unterschiedlichen Lichtverhältnisse am Tag wider. Die Fassade als Kaleidos­kop der Farben – möglich wird dies durch die optischen Inteferenzschichten des dichroitischen Farbeffektglases. Je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel variieren die Farben. Das Spektrum reicht von warmen Goldtönen einer glühenden Lava bis hin zum Eisblau eines Gletschers an Wintertagen. Nachts dagegen strahlt die Fassade in Rot, Grün und Blau. Dann sind es die durch LEDs illuminierten Glasblöcke, die individuell gesteuert werden können. Außer Farbeffektglas verwendete Eliasson über 1.000 weitere fünf- und sechseckige einzigartige Glaselemente, darunter auch das interferenzoptisch entspiegelte Glas AMIRAN® von SCHOTT in Form eines Verbundglases. Sie schaffen weitere Transparenz. Denn dort, wo die entspiegelten Gläser eingesetzt sind, kann der Betrachter ohne störende ­Reflexionen in das Innere des Gebäudes blicken. Das statische Gebilde „dematerialisiert” und Harpa tritt in einen Dialog mit der Umgebung. Dadurch wirkt der imposante Monolith in der kleinen und eher beschaulichen Stadt Reykjavik trotzdem luftig und ästhetisch.

„Eine Fassade funktioniert wie die menschliche Haut. Sie ist der Mittler zwischen der Innen- und der Außenwelt – in diesem Fall zwischen dem Konzerthaus und der Stadt”, beschreibt Eliasson sein künstlerisches Konzept. Anfang September 2011 fand das erste Konzert in der Harpa statt. Ein Anfang ist gemacht, viele weitere Ver­anstaltungen werden folgen. Denn „Harpa” heißt nicht nur „Harfe”, sondern ist auch der Name des ersten Frühlingsmonats im nordischen Kalender – er symbolisiert den Beginn einer besseren Zeit. Und die ist dem durch Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Island durchaus zu wünschen. <|
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