SCHOTT solutions Nr. 2/2011 > Pharmaverpackungen

Foto: SCHOTT/A. Matjuschetschkin

Russland auf dem Weg zu »Pharma 2020«


Mit seiner Expertise im Bereich Verpackung, seinem hohen Qualitätsanspruch und einer Produktion vor Ort will SCHOTT die russische pharmazeutische Industrie beim Erreichen ihrer ehrgeizigen Ziele unterstützen.


Sabrina Winter

Ein expandierender Markt privater Krankenversicherungen, positive Entwicklungen auf dem Feld der Erstattungsregelungen und Verbesserungen in der Ausbildung von Ärzten haben dem russischen Pharmamarkt in den vergangenen Jahren hohe zweistellige Wachstumsraten beschert. ­Gemeinsam mit Ländern wie China, Indien und Brasilien zählt Russland deshalb zu einer Gruppe aufstrebender Pharmamärkte, den so genannten „Pharmerging Markets”. Diese bieten so viele Chancen und Wachstumspotenziale, dass kein Unternehmen sie ignorieren kann, so das Fazit von IMS Health, einem weltweit agierenden Beratungsunternehmen für die Pharma- und Gesundheitsindustrie.

Fortschritt und Wachstum des ­russischen Pharmamarktes werden zudem von offizieller Seite unterstützt. Unter dem Titel „Pharma 2020” hat die Regierung ein Strategieprogramm verabschiedet, welches zur Entwicklung der Pharma- und Medizinindustrie in der Russischen Föderation bis zum Jahr 2020 beitragen soll. Das in drei Phasen unterteilte Regierungsprogramm sieht unter anderem eine bessere Gesundheitsversorgung der Bevölkerung vor, die Ausbildung von Spezialisten durch die Schaffung ­neuer Bildungsangebote, die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der inländischen pharmazeutischen Industrie sowie die Förderung der Entwicklung und Produktion innovativer Medikamente. Welchen Stellenwert insbesondere dem letzten Punkt beigemessen wird, zeigt ein Blick auf die geplanten Investitionen. Pharma 2020 sieht in den nächsten zehn Jahren Ausgaben in Höhe von insgesamt 188 Milliarden Rubel vor, von denen fast 80 Prozent in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte fließen sollen. Hiervon versprechen sich die Initiatoren unter anderem, den Anteil der einheimischen Fertigung am wertmäßigen Volumen des Medikamentenmarktes, der momentan 20 Prozent beträgt, bis 2020 auf 50 Prozent zu erhöhen. Schon 2015 könnten, so die Vorstellungen des zuständigen Ministeriums für Industrie und Handel, 90 Prozent aller lebensnotwendigen Arzneimittel im Inland hergestellt werden.
Fertigungslinien mit moderner Produktionstechnik und eine ­umfassende Qualitätsprüfung stellen sicher, dass sämtliche Produkte die hohen internationalen Standards für pharma­zeutische Primärverpackungen erfüllen. Foto: SCHOTT/A. Matjuschetschkin
Neben einer Stärkung der ein­heimischen Pharmaindustrie bemüht sich Russland auch, ausländische Hersteller zu einer Produktion im Inland zu bewegen. Hier konnte die russische Regierung bereits erste Erfolge verbuchen: Im Zuge der Übernahme des Insulinherstellers Bioton-Wostok hat der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis dessen bestehende Werke gekauft. Das Schweizer Unternehmen Nycomed errichtet in Jaroslawl, knapp 300 Kilometer nordöstlich von Moskau, eine völlig neue Fabrik. Für den Eintritt in den russischen Markt über eine Lizenzproduktion hat sich der US-amerikanische Hersteller Johnson & Johnson entschieden und lässt seine HIV-Proteasehemmer beim russischen Hersteller Pharmstandard fertigen.

Das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline wiederum wählt den Weg einer Gemeinschaftsproduktion. Gemeinsam mit der AFK-Sistema-Tochter Binnofarm soll eine gemeinsame Impfstoff-Fertigung auf­gebaut werden. Das bislang größte Engagement kündigte der Schweizer Pharmakonzern Novartis an. Er will in den kommenden fünf Jahren ins­gesamt 500 Millionen US-Dollar in Russland investieren, unter anderem in ein Werk für Markengenerika und Pharmazeutika in Sankt Petersburg. Ab 2014 sollen in der Sonderwirtschaftszone Nowoorlowskaja jährlich 1,5 Milliarden Einheiten Präparate vom Band laufen. Unternehmen wie Biokad, Samson-Med, Gerofarm und Farm-Holding wollen sich zudem auf dem eigens von der Stadt Sankt Petersburg bereitgestellten Industriegelände „Puschkinskaja” ansiedeln. All diese Entwicklungen zeigen, dass Russland ernsthaft daran interessiert ist, seinen Pharmamarkt international auszurichten, und zudem dazu bereit ist, hierfür auch das entsprechende Investitionsklima zu schaffen.

Mit neuer Pharma-Produktion näher an russischen Kunden


Diese positiven Tendenzen wirken sich auch entsprechend positiv auf den Markt für Verpackungen aus. Insbesondere qualitativ hochwertige pharmazeutische Primärverpackungen aus Glas verzeichnen eine sehr starke und stetig steigende Nachfrage. Um diese deutlich besser und schneller als bisher bedienen zu können, entschloss sich SCHOTT Pharmaceutical Packaging dazu, eine eigene Produk­tionsstätte für Ampullen und Fläschchen aufzubauen. Bei der Wahl des Standortes entschied man sich für Zavolzhe, eine nordwestlich von Nizhny Novgorod gelegene Kleinstadt. Neben der Nähe zu Moskau verfügt diese Region über eine gute Infrastruktur sowie eine bereits vorhandene Fachkräftebasis. Die ebenfalls in der Region gelegene SCHOTT Produktionsstätte für Flachglas ermöglicht zudem die Nutzung interner Synergien.
Auf einer Fläche von insgesamt 5.300 Quadratmetern werden in Zavolzhe Ampullen und Fläschchen aus Glas gefertigt – bis zu 600 Millionen Stück pro Jahr. Foto: SCHOTT/A. Matjuschetschkin
Auf einer Fläche von 5.300 Quadratmetern, die das Unternehmen auf einem bestehenden Produktionsgelände in Zavolzhe angemietet hatte, entstand innerhalb von 15 Monaten das neue Werk. Neben dem Umbau der vorhandenen Produktionshalle fand während dieses Zeitraums zudem deren Anpassung an pharmazeutische Produktionsanforderungen, die Installation mehrerer Fertigungslinien sowie das Einholen der notwendigen Betriebsgenehmigungen statt. Hinsichtlich Technik und Qualität folgte man dabei den globalen SCHOTT Standards für Pharma-Produktionsstandorte.

Hierzu zählen moderne Anlagen und Maschinen, intensiv geschulte und qualifizierte Mitarbeiter sowie das Einhalten der entsprechenden Richtlinien zur Qualitätssicherung bei der Produktion von Arzneimitteln, Wirkstoffen und Medizinprodukten. Ende Mai 2011 wurde das Werk in ­Zavolzhe offiziell eingeweiht, inzwischen beliefert dieses bereits Kunden in Russland und weiteren Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit den dort gefertigten Ampullen und Fläschchen. Die Kunden profitieren dabei nicht nur von der hohen Qualität der SCHOTT Produkte, sondern auch von der neu hinzugekommenen Nähe des Unternehmens zu seinen Kunden: Kürzere Wege und reduzierte Barrieren helfen, lokale ­Bedürfnisse noch besser als bisher zu erfüllen. <|