SCHOTT solutions Nr. 2/2010 > Touchpanels

Mobilfunkgeräte mit Touchpanels sind der letzte Schrei, nicht nur in Asien. SCHOTT bietet dafür ein neues Coverglas an – dank der Produktentwicklung in Suzhou, China (Bild links unten). Foto: SCHOTT/A. Sell

Auf Augenhöhe in Asien


Die Customer Technical Service Center von SCHOTT beweisen sich als wettbewerbsstarke Motoren der Produktentwicklung. Dies zeigt die erfolgreiche Einführung von Cover-Glas für Touchpanels.


Thilo Horvatitsch

Mobiltelefone sind zwar keine Eintagsfliegen. Aber nach etwa einem halben Jahr ist ihr Modell­leben oft schon vorbei. Umso überraschender ist: Die Bauteile dieser kurzlebigen Geräte müssen zu ihrer Her
stellung durch viele Länder reisen. Die Lieferketten führen oft durch halb Asien, der Haupterzeugerregion für Konsumelektronik. Von Weiterverarbeiter zu Weiterverarbeiter werden die einzelnen Baugruppen sukzessive komplettiert. Die Zeit dafür ist knapp bemessen angesichts der kurzen Produktzyklen in der Mobilfunkbranche.
Foto: SCHOTT/A. Sell
Dies macht bereits die Applikations- und Produktentwicklung zu einer Herausforderung – vor allem für Technologieunternehmen, die ihren angestammten Sitz und Fertigungsschwerpunkt nicht in Asien haben. Das weiß auch Lutz Grübel recht gut: „Bei technischen Fragen wird in dieser Branche nicht in Wochen gedacht, sondern in Tagen. Darum ist qualifizierte Unterstützung vor Ort unerlässlich”, so der Vice President Sales & Marketing der Business Unit Hometech von SCHOTT in Asien.

Diese lokale Schlüsselrolle als technischer Service und zur Anwendungsentwicklung im Direktkontakt mit Kunden spielen zunehmend die Customer Technical Service Center (CTSC) von SCHOTT in Asien. Zu ­ihrer Service-Palette gehören analy­tische Labor- und Messdienstleistungen, Prototyping und Anwendungsentwicklung sowie Kontaktaufbau mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen im gesamten asiatischen Raum. Diesen Service bietet das erste CTSC im chinesischen Suzhou seit Frühjahr 2007; inzwischen kamen Standorte in Minakuchi, Japan, und seit kurzem im südkoreanischen Seoul dazu. Rund 40 festangestellte und freie Mitarbeiter zählen heute zum qualifizierten CTSC-Team aus Ingenieuren, Wissenschaftlern und Technikern – Tendenz steigend.

Die Expansion hat gute Gründe: Optische Technologien, wie sie SCHOTT entwickelt und nutzt, sind zunehmend innovative Schrittmacher in vielen Industriesparten. Laut dem Fachverband Spectaris betrug der Weltmarkt für Produkte aus optischen Technologien schon vor ein paar Jahren über 210 Milliarden Euro und soll bis 2015 auf 439 Mrd. Euro wachsen. Potenziale ergeben sich vor allem in Konsumelektronik und Informationstechnik, wo Asien den Ton angibt. Chancen bietet verstärkt gerade China, das sich von der Werkbank für Länder wie Japan, Korea und Taiwan gemausert hat zur Region für technologische Entwicklungen und Märkte. Mit dem Wettbewerb in Asien wuchsen auch Aufgabenbereich und Bedeutung der CTSC, die heute eng und kontinuierlich mit Vertrieb wie auch Kunden zusammenarbeiten.
SCHOTT verfügt in Asien über neun Produktionsstandorte sowie 13 Corporate & Sales Offices (inklusive Vertriebsbüros in Tel Aviv/Israel und Dubai/VAE) mit 2.700 Mitarbeitern. Quelle: SCHOTT/dw
Das Lithium-Aluminosilicatglas SCHOTT LAS80 ist chemisch und mechanisch hochbeständig und verfügt über eine exzellente Oberflächenqualität. Foto: SCHOTT/ R. Weitnauer
Das lässt sich an einem spannenden Großprojekt zeigen: der Vermarktung von SCHOTT LAS80, einem neuen, extrem kratzfesten und bruchsicheren Cover-Glas für Touchpanel-Anwendungen (siehe Details). Das Lithium-Aluminosilicatglas ist bereits im Einsatz für widerstandsfähige Scheiben von Hochgeschwindigkeitszügen und wird nun auch in Dünnglasqualität hergestellt. Über das Schmelz- und Fertigungs-Know-how dafür verfügt der deutsche Standort Jena. „Ohne unsere Customer Technical Service Center (CTSC) in Asien wäre aber die Applikationsentwicklung unmöglich gewesen”, so Lutz Grübel, der das Programm zur Vermarktung von SCHOTT LAS80 leitet. Das CTSC-Team beschäftigte sich schon seit längerer Zeit mit Cover-Gläsern und war insbesondere federführend bei der Festlegung der Anforderungen zur Weiterverarbeitung von SCHOTT LAS80 sowie bei der Bemusterung und technischen Qualifizierung. Hier ging es darum, Verarbeitungsparameter für den Werkstoff auf Kunden-Produktionsanlagen anzupassen sowie zugehörige Tests durchzuführen – eine entscheidende Voraussetzung für die technische Durchsetzung am Markt. Diese anspruchsvolle Aufgabe galt es bei allen maßgeblichen Teilnehmern der Lieferkette zu erfüllen, also beim Primärkunden ebenso wie bei Weiterverarbeitern und Lieferpartnern in Korea, China und Taiwan. „Dafür besitzen wir messtechnische Systeme und Anwendungskompetenzen, die im Konzern einzigartig sind”, sagt Dr. José Zimmer, Vice President SCHOTT Asia mit Verantwortung für alle CTSC.

Dieses Know-how trug wesentlich zum Anwendungserfolg bei: 
Die Kommerzialisierung von SCHOTT LAS80 mit namhaften asiatischen Herstellern von Mobilfunkgeräten ist im Gange. Ab Frühjahr 2011 soll die Glasproduktion in Großserie starten. Für SCHOTT ein chancenreiches Geschäft, denn die berührungssensitiven Bildschirme werden immer begehrter: Schon im Jahr 2009 beliefen sich die weltweiten Erlöse aus dem Verkauf von Touchscreen-Modulen auf 4,3 Milliarden US-Dollar; bis 2016 sollen sie um 18 Prozent pro Jahr auf 14 Mrd. Dollar zulegen, prognostizierte das Marktforschungsunternehmen DisplaySearch.

Die CTSC von SCHOTT sollen mit und an solchen Entwicklungen weiter wachsen. „Wir sind inzwischen für fast alle SCHOTT Business Units tätig und wollen auf bestimmten Feldern die Anwendungs- und Produktentwicklung noch forcieren. Dazu ist ein gezielter Ausbau der Personalkapazitäten geplant“, so José Zimmer. Dies ist ein Erfolgsweg auch für Lutz Grübel: „Dass nicht nur unser Vertrieb von der Kooperation mit den CTSC profitieren, zeigen die Aussagen unserer asiatischen Kunden: Viele sind erstaunt, wie schnell wir technisch reagieren können.” Auf Augenhöhe mit dem ­lokalen Wettbewerb.

Attraktives Glas für Touchpanel-Markt