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Wegweisende Glas-ForschungDen diesjährigen Otto-Schott-Forschungspreis erhielt Prof. Tanguy Rouxel für seine Forschungen über die mechanischen Eigenschaften von Gläsern und glasartigen Materialien.Bernhard Gerl Am 18. Mai 2010 wurde dem Wissenschaftler Prof. Dr. Tanguy Rouxel im Rahmen der Tagung Glass and Optical Materials Division (GOMD) der American Ceramic Society in Corning, NY/USA, der mit 25.000 Euro dotierte Otto-Schott-Forschungspreis verliehen. Die Auszeichnung wird im jährlichen Wechsel mit dem Carl-Zeiss-Forschungspreis für herausragende wissenschaftliche Leistungen in Grundlagenforschung und Technologieentwicklung in den Bereichen Spezialwerkstoffe, Bauteile und Systeme für die Anwendungsfelder Optik und Elektronik, Solarenergie, Gesundheit und Wohnen verliehen. Beide Forschungspreise verwaltet der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft. Prof. Tanguy Rouxel ist Maschinenbauingenieur und seit 1997 ordentlicher Professor an der Universität Rennes 1. Bis September 2009 war er Leiter des Labors für angewandte Mechanik (LARMAUR), in dem sich 19 Mitarbeiter unter anderem mit der Erforschung der mechanischen Eigenschaften von Glas beschäftigen. Außerdem ist er seit 2009 außerordentlicher Professor der chinesischen Akademie der Wissenschaften am Institut of Ceramics in Shanghai und war Inhaber des Brahm Prakash Lehrstuhls am Indian Institute of Science in Bangalore. Prof. Rouxel erhielt für seine wissenschaftlichen Arbeiten bereits mehrere internationale Auszeichnungen. |
Zwar denkt man bei Gläsern normalerweise zuerst an optische Eigenschaften, doch auch die mechanischen sind für die Forscher bei der Neuentwicklung von Werkstoffen von höchstem Interesse. Zum Beispiel werden Computerfestplatten aus Aluminium-Magnesium-Legierungen immer öfter durch Gläser mit einem hohen Elastizitätsmodul ersetzt. Dadurch werden höhere Rotationsgeschwindigkeiten und damit schnellere Zugriffszeiten möglich. Eine Erhöhung des Elastizitätsmoduls erlaubt es auch, Bauteile dünner zu konstruieren, so etwa Fenster in Verkehrsmitteln, wodurch die Fahrzeuge leichter werden, was zu Energieeinsparungen führt. Weitere Bauelemente aus Glas, in denen es auf eine hohe Festigkeit ankommt, sind tragende Gebäudeteile, Implantate, verstärkende Fasern, keramische Additive, Kochplatten, feuerfeste Dichtungen und vieles mehr. |
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Bisher nahm man an, dass der Elastizitätsmodul hauptsächlich von der Glasübergangstemperatur abhängt: Je höher sie ist, desto fester sei ein Glas. Prof. Rouxel konnte durch die Untersuchung einer großen Anzahl von unterschiedlichen Gläsern – angefangen von Eis im Glaszustand bis hin zu metallischen Gläsern – zeigen, dass die Zusammenhänge komplexer sind. Gerade die für die mechanischen Eigenschaften eines Werkstoffs aussagekräftige Poissonzahl, also das Negative des Verhältnisses aus relativer Dickenänderung zu relativer Längenänderung beim Einwirken einer äußeren einachsigen Last, ist auch von (atomaren) Ordnungsstrukturen mit kurzer oder mittlerer Reichweite im Glas abhängig. |
Prof. Rouxels Ergebnisse können nun unter anderem für eine genauere Beschreibungen der Molekülorbitale in Gläsern und die Entwicklung von besseren Computersimulationen genutzt werden. Damit können teilweise preisgünstige theoretische Tests experimentelles Ausprobieren im Labor ersetzen, wenn gezielt neue Glaswerkstoffe mit bestimmten Eigenschaften für hochpräzise Werkzeuge, Festplatten, Schleifscheiben oder für Gebäude entwickelt werden sollen. |
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Mit sogenannten „Indenter“-Messungen bzw. gezielten Oberflächenschäden auf Glas lassen sich Aussagen zu mechanischen Glaseigenschaften ableiten. Das Verfahren selbst ist altbekannt, Professor Tanguy Rouxel hat jedoch die Apparaturen deutlich weiterentwickelt und dadurch für eine Vielzahl von Materialien neue Erkenntnisse gewonnen. Fotos: LARMAUR Bilder zum Vergrößern anklicken. |
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