SCHOTT solutions Nr. 2/2010 > Solarenergie

Der erste Spatenstich für das neue Werk von SCHOTT Solar erfolgte im März 2008 durch den ­Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson (4. von links), President and CEO SCHOTT North America, Gerald Fine (3. von rechts), und weitere Ehrengäste. Foto: SCHOTT/T. Bonanno

Super Standort für Solar Valley


Der US-Bundesstaat New Mexico setzt auf erneuerbare Energien. SCHOTT Solar mit seiner Solarfertigung in Albuquerque soll dabei eine führende Rolle spielen.


Martin Frey

US-Amerikaner lieben es, ihre ambitionierten Visionen mit viel Pragmatismus in die Realität umzusetzen – der Markt der erneuerbaren Energien bietet da das beste Potenzial für große Projekte. Der Bundesstaat New Mexico im Südwesten der USA will die erste Adresse für die Solarenergie-Branche in den Vereinigten Staaten werden. Gouverneur Bill Richardson hat mit der Botschaft, New Mexico zu dem „Solar Valley” umzugestalten (siehe Interview „Noch mehr grüne Arbeitsplätze”), das Ziel vorgegeben.

Der Flughafen von Albuquerque, auch „Sunport” genannt, ist für viele der erste Kontakt mit dem sonnenverwöhnten Bundesstaat. In der größten Stadt New Mexicos sind wie im ganzen Staat die Einstrahlungsverhältnisse hervorragend: Im Hinblick auf sein Solarpotenzial nimmt es den zweiten Platz innerhalb der USA ein. Dies sind günstige Voraussetzungen, um großflächige Solarkraftwerke zu installieren – sei es mit Photovoltaik- oder aber mit solarthermischer Technologie. Für beide liefert SCHOTT Solar, das seit 2009 in Albuquerque ein Werk betreibt, die Kernkomponenten: Solarmodule und solarthermische Receiver.
Installierte PV-Module auf dem Werksgelände in Albuquerque. New Mexico gilt als idealer Solar-Standort aufgrund qualifizierter Arbeitnehmer, hervorragender Infrastruktur und des Engagements für Solarenergie. Foto: SCHOTT/A. Sell
Die Produktion findet inmitten eines stetig wachsenden Marktes statt: New Mexico als fünftgrößter Bundesstaat der USA bietet mit fast 121.600 Quadratmeilen ausreichend Fläche für große Ambitionen. Dies begünstigt die Umsetzung von Solarprojekten, von denen sich in New Mexico derzeit zahlreiche in Planung oder im Bau befinden. Ende August etwa konnte SCHOTT Solar auf dem Firmenparkplatz der Bell Group in Albuquerque mit 1,1 Megawatt die bislang größte Solaranlage des Bundesstaates in Betrieb nehmen: Zwei Hektar (= fünf acres) des Parkplatzes wurden durch Solarmodule von SCHOTT Solar überdacht – jährlich ist ein Ertrag von 1,6 Millionen Kilowattstunden Solarstrom prognostiziert.
Auf rund 18.600 Quadratmetern fertigt SCHOTT Solar „Concentrated Solar Power” (CSP)-Receiver für solarthermische Kraftwerke sowie PV-Komponenten mit einer Kapazität von 85 MW. Foto: SCHOTT/T. Bonanno

Guter Standort für die Solarbranche


Auch für Unternehmensansiedlungen bietet New Mexico ein ideales Investitionsumfeld. Ausreichend Bauland zu erschwinglichen Kosten und ideale Verkehrsanbindungen sind bedeutende Standortfaktoren: In Albuquerque kreuzen die Nord-Süd-verlaufende Interstate 25 mit der Ost-West-gerichteten Interstate 40, der historischen Route 66. Der Bundesstaat ist gut an den Eisenbahn- und Flugverkehr angebunden. Und nicht zu vergessen, die „weichen“ Faktoren: Schon jetzt schaffen in New Mexico schätzungsweise rund 150 Solarunternehmen ein Klima der Innovation.

Die Politik hat das Potenzial für die Wirtschaft erkannt. Allen voran Gouverneur Bill Richardson: „SCHOTT Solar ist ein positives Beispiel für die Industrie, die New Mexico benötigt, um in unserem Land das Wachstum erneuerbarer Energien zu forcieren”, sagte er Anfang 2010 bei der Bekanntgabe der „Green Economy Executive Order”. In dieser Anweisung fordert er alle staatlichen Stellen auf, den Aufbau eines „Clean Energy State” mit allen Kräften voranzutreiben.
Foto: SCHOTT/A.Sell
Der Bundesstaat hat sich ehrgei­zige Ziele gesetzt, um neue Energien voranzubringen: Festgelegt ist dies im „renewable portfolio standard” des Bundesstaates. Dieser sieht einen Anteil erneuerbarer Energien im Strommix von zehn Prozent im Jahr 2011 vor, der bis 2015 auf 15 Prozent ansteigen soll. Energieversorger sind verpflichtet, die Ziele mit einem breit gestreuten Portfolio zu erreichen, das zu einem Fünftel aus Solarenergie bestehen muss. Außerdem müssen bereits in 2011 1,5 Prozent Energie aus dezentralen Anlagen stammen, ansteigend auf drei Prozent im Jahr 2015 – erwartet wird der Großteil aus Photovoltaik. Der Anteil der Solarenergie soll im Jahr 2020 fast 4,6 Prozent erreichen. Das Forschungsinstitut GTM Research (Cambridge, MA) bezeichnet dies als das ehrgeizigste Solarziel innerhalb der USA. Dies fügt sich ein in die Klima­politik Washingtons: So hat Präsident Barack Obama bekannt gegeben, das Portfolio des Landes an erneuerbaren Energien bis 2012 verdoppeln zu wollen.

Cluster bei Forschung und Entwicklung


New Mexico bietet Unternehmen aus der Solarbranche im Bereich Forschung und Entwicklung schon seit langem ein günstiges Umfeld: Die „Sandia National Laboratories“ und die „Los Alamos National Laboratories” sind international renommierte Forschungseinrichtungen. Sandia unterhält die „National Solar Thermal Test Facility”, wo Komponenten und Systeme solarthermischer Kraftwerke entwickelt und getestet werden, sowie ein „Center for Photovoltaics”, das eng mit der Industrie kooperiert. Die New Mexico State University in Las Cruces im Süden des Landes verfügt ebenfalls über ein Forschungszentrum für Photovoltaik sowie andere erneuerbare Energien. Bis Ende 2010 will das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE mit weiteren Partnern in Albuquerque ein Testlabor für Solarmodule errichten, das auch Zertifizierungen anbieten soll – alles in allem ist also ein veritables F+E-Cluster in New Mexico entstanden.
Die mit 1,6 Megawatt größte Solaranlage New Mexicos steht auf dem Parkplatz der Bell Group in Albuquerque. Die Installation von rund 5.000 Solarmodulen auf zwei Hektar Fläche wurde von SCHOTT Solar PV, Inc. in Zusammenarbeit mit lokalen ­Zulieferern und Installateuren erstellt. Foto: SCHOTT/K. Malone
Unternehmen wie SCHOTT Solar haben die Vorzüge dieses Standortes früh erkannt: Im vergangenem Jahr hat SCHOTT Solar in Albuquerque das weltweit erste Werk für Receiver und Solarmodule eröffnet. Über 300 Arbeitsplätze wurden bis heute im Süden der Stadt, nahe des Flughafens, geschaffen sowie Anfangsinvestitionen von über 100 Mio. US-Dollar getätigt. Für SCHOTT Solar war es eine strategische Entscheidung, mit der Produktion inmitten des expandierenden US-Marktes zu beginnen. Dr. Gerald Fine, President & CEO SCHOTT North America: „New Mexico ist ein idealer Standort aufgrund seiner qualifizierten Arbeitnehmer, der hervorragenden Infrastruktur und dem Commitment zur Solarenergie. Ebenso demonstriert die enge Zusammenarbeit zwischen Land, Stadt, Verwaltung und Entwicklern eindeutig, dass New Mexico auf dem besten Weg ist, ein führender Standort für Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche zu werden.