SCHOTT solutions Nr. 2/2009 >USA

Seit der Gründung 1969 wurde das Werk Duryea in Pennsylvania ein führender Hersteller hochwertiger optischer Komponenten in den USA und zweitgrößter F & E-Standort bei SCHOTT. Grund genug für den Besuch des damaligen Wahlkämpfers Barack Obama 2008. Foto: American Aerial Scenes LLC

Flaggschiff unterm Sternenbanner


Seit 40 Jahren produziert und forscht schott höchst erfolgreich an seinem US-Standort Duryea.


Matthew Kraft

Die erste optische Glasschmelze in Duryea, Pennsylvania, feierte im Juni 1969 ihre Premiere – einen Monat vor der Mondlandung und zwei Monate vor dem Woodstock-Festival. Seither wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 75 auf 200, wobei fünf der ursprünglichen Mitarbeiter immer noch dabei sind. Heute ist der Standort in Duryea ein Teil von SCHOTT North America, Inc. und Flaggschiff von SCHOTT in den USA, was optische Glasherstellung und Forschung betrifft. Neben der Forschungszentrale von schott am deutschen Hauptsitz in Mainz ist Duryea konzernweit der zweitgrößte
F & E-Standort mit Full-Service-Leistungen.

Der Weg dorthin war steinig, denn die rasante Entwicklung der Optik und Mikroelektronik in den USA in den 60er und 70er Jahren bot zwar große Marktchancen, doch ausländische Firmen wie SCHOTT hatten es nicht leicht, Schritt zu halten. Die als schott Optical Glass gegründete erste Produktionsgesellschaft in den USA wuchs dennoch schnell. 1970 übernahm SCHOTT den Bereich Optik von PPG Industries und wandelte ihn später in den Bereich Ophthalmik um. Bis 1975 hatte sich die räumliche Kapazität für die Fertigung verdreifacht, um das wachsende Produktportfolio mit Produkten wie Röntgen­schutzglas, Farbfilter, Laserglas und Zerodur® Glaskeramik aufnehmen zu können. 1977 schritt der Ausbau voran mit der Errichtung eines Produktionsgebäudes für Komponenten, gefolgt vom Aufbau der Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen 1981. Mit der Übernahme des Reichert-Jung-Geschäfts 1986 – später bekannt als SCHOTT Fiber Optics – wurden sowohl Produktlinie als auch geo­grafischer Wirkungskreis von SCHOTT in den USA erneut erweitert. Im Folgejahr kaufte SCHOTT zusätzlich die Anlagen des Laserglasgeschäfts von Owen-Illinois.
Wegweisende Forschungs­arbeit. Fotos: SCHOTT
Der Ausbau der Produktpalette war nicht nur das Ergebnis von Akquisitionen. Hochqualifizierte Mitarbeiter und deren Engagement sowie Innovationen trugen dazu maßgeblich bei. Da Glas und seine Anwendungen verschiedenste Wissensgebiete berühren, sind unter den Fachleuten, die Glaseigenschaften erforschen und neue Produkte entwickeln, Physiker, Chemiker, Glas- und Glaskeramik­spezialisten sowie Materialwissenschaftler. Ihre Arbeit, zusammen mit dem Engagement der Produktionsmitarbeiter, führte zu 45 Patenten sowie vier IR-100-Awards, verliehen vom Industrial Research Magazine für die besten 100 Neuprodukte pro Jahr. SCHOTT in den USA wurde 1971 ausgezeichnet für Glasfasern zur Übertragung ultravioletten Lichts, 1973 für dünnere Brillengläser (HighLiteTM) bei starker Fehlsichtigkeit, 1979 für Neodym-dotiertes Phosphatlaserglas sowie 1987 für platinpartikelfreies Neodym-dotiertes Phosphatlaserglas zum Einsatz in Hochleistungslasern zur Kernfusionsforschung. Für den Laserglas-Bedarf des Lawrence Livermore National Laboratory und anderer Kunden errichtete SCHOTT 1996 sogar entsprechende Fertigungslinien. Im selben Jahr wurde das Werk Duryea nach ISO 9001 zertifiziert.
Die Qualitätskontrolle der speziell gegossenen Rohteile (unten) oder Barren (oben) ist einer der wichtigsten Schritte bei der Produktion von optischem Glas in Duryea. Fotos: SCHOTT/G. Cali
Den Fortschritt und das Wachstum konnten die SCHOTT Mitarbeiter, die seit 40 Jahren am Standort Duryea arbeiteten, von Beginn an miterleben: Zu diesen „Veteranen” zählen Instandhaltungsleiter Tony Angelella und Pacifico Stella, Abteilung Schleifen und Polieren. Rich Andreoni aus dem Bereich Ätztechnik und der in der Hafenschmelze tätige Ray Haduck erinnern sich vor allem an die umfassende Computerisierung als eine der größten Veränderungen dieser Zeitspanne. Und Verwaltungsassistentin Matilda Licciardone verweist auf die steigende Komplexität von der Schmelze bis zur Endbearbeitung hochpräziser optischer Komponenten.

Der Wandel zeigte sich auch in der Weiterentwicklung des Produktportfolios: 2008 wurden Infrarot-Materialien eingeführt, die heute für fast alle Wellenlängen des Spektral­bereiches verfügbar sind. Dadurch ist Duryea der einzige Lieferant von Spezialmaterialien in den USA, der die komplette Palette an hochwertigem optischem und technischem Glas für industrielle, medizinische, Forschungs- und Sicherheitsanwendungen anbietet. Zudem ist Duryea das Kompetenz­zentrum für hoch­homogene optische Präzisionsgläser.

In den letzten Jahren wurde aber auch kontinuierlich Wissen und Kompetenz im Bereich der hochpräzisen Nachbearbeitung aufgebaut. Heute ist SCHOTT einer der führenden Hersteller qualitativ hochwertiger optischer Komponenten für eine Vielzahl von Anwendungen. Jüngst wurde ein 2.700 Quadratmeter großes Gebäude vollendet, das Duryeas Angebots­spektrum um Endbearbeitungsservices wie etwa Komplettleistungen für Schleifen und Präzisionspolieren mit Einsatz von 3-, 4- und 5-achsigen CNC-Maschinen, Wasserstrahlschneiden sowie Spezialbeschichtungen erweitert.
Seit 40 Jahren begleiten die Veteranen am Standort Duryea die Produktionsprozesse. Fotos: SCHOTT/G. Cali
Damit wird SCHOTT zur Bezugs­quelle von Qualitätsoptiken aus einer Hand, von Rohlingen bis hin zum Endprodukt. Neben den Kernkompetenzen wie Schmelzen, Heißformen und der Präzisionsbearbeitung ist Forschung und Entwicklung ein bedeutendes Standbein. Auf rund 25.000 Quadratmetern wird das komplette Sortiment der optischen Gläser, Filtergläser sowie Zerodur® Glaskeramik gefertigt. Im Laufe der Jahre entwickelte die Niederlassung viele einzigartige Produkte, unter anderem Kontrastverstärkungsfilter für Displays in Flugzeugen, Lasergläser für Hochenergieanwendungen und Nachtsichtgläser. „Ständiger Kundenservice, Produkt- und Prozessverbes­serungen werden heute wie morgen oberste Priorität haben„, betont Stephen Krenitsky, Vice President und Standortleiter von SCHOTT in Duryea. „Schmelzen bleibt ein wichtiger Teil unserer Produktion. Die Endbearbeitung aber ermöglicht es uns nun, noch schneller kundenspezi­fische Präzisionsprodukte zu liefern.„ Doch der Standort hat nicht nur technische Highlights zu bieten: 2008 kam der damalige Senator und heutige US-Präsident Barack Obama zu einer vierstündigen Stippvisite und startete hier seine Herbst-Kampagne, die ihn ins Weiße Haus führte. Somit blickt SCHOTT zurück auf 40 Jahre bewegte Geschichte in den USA und schaut voraus auf weitere wichtige Meilensteine.
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