SCHOTT solutions Nr. 2/2009 > Umweltschutz

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Mehr Grün für die Zukunft


SCHOTT baut sein ökologisches Engagement mit umweltfreundlichen Produkten systematisch aus.


Christine Fuhr

Grün gewinnt nicht nur aus ökologischen und umweltpolitischen, sondern auch aus Wettbewerbs- und Imagegründen zunehmende Bedeutung. Trendforscher verzeichnen eine „Greenobalisierung„ mit weltweit steigendem Umweltbewusstsein. Eines ist klar: Die bisherige energie- und ressourcenverschlingende Massenproduktion steht unter enormem Inno­vationsdruck. Auf politischer Ebene setzen Richtlinien und Verordnungen – wie beispielsweise auf EU-Ebene das Chemikaliengesetz REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals), die euro-Normen für Pkw oder das Recycling von Elektrogeräten – neue Umweltstandards und forcieren damit die Entwicklung umweltverträglicherer Produkte.
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Spezialgläser, Glaskeramiken und andere Hightech-Materialien haben oft Schlüsselfunktionen in Zukunftstechnologien. Daraus erwächst eine Verantwortung gegenüber Kunden, Mitarbeitern, Gesellschaft und Umwelt. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben setzt sich der Technologiekonzern SCHOTT seit vielen Jahren für höchste Maßstäbe beim nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz ein. Die Bilanz: ein Entstaubungsgrad der Schmelzwannenabgase von über 99,5 Prozent. Der Stickoxidausstoß konnte seit 1990 um 75 Prozent reduziert werden, der spezifische Energieverbrauch pro Tonne Glas um mehr als ein Viertel und der Frischwasserverbrauch durch Recyclingmaßnahmen um über 80 Prozent. Durch die Beheizung der Schmelzwannen mit Erdgas/Sauerstoff (Oxy-Fuel) oder Elektroenergie wurden Emissionen weiter gesenkt.
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Weiteres Umwelt-Plus: 98 Prozent der Scherben werden recycelt. Intern existiert seit 1995 ein Integriertes Managementsystem für Sicherheit und Umweltschutz (IMSU), in dem weltweit für alle SCHOTT Standorte gleiche Standards für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsvorsorge und Notfallmanagement festgeschrieben sind, die in manchen Ländern weit über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Neben der Entwicklung energieeffizienter (Schmelz-)Technologien, Reduzierung von Energieverbrauch, Ressourcen und produktionsbedingten Emissionen steht die Herstellung umweltgerechter Produkte verstärkt im Fokus.

Mit der konkreten Bewertung umweltpolitischer Richtlinien wie REACH und RoHS (Restriction of the use of certain hazardous substances) befasst sich das „Project Green“ im Bereich Research and Technology bei SCHOTT. „Wir analysieren aktuelle und zukünftige Umweltgesetze und -vorgaben, denken deren Umsetzung vor und prüfen sie auf technologische und materialwissenschaftliche Realisierbarkeit“, erklärt Projektleiter Dr. Jochen Alkemper. Ziel sei es, auch über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus Wege für grüne Produkte aufzuzeigen und innovative Lösungen zu erarbeiten. Beispielsweise indem bei Produkten auf die Verwendung umweltschädlicher Rohstoffe und im Läuterungsprozess auf Arsen und Antimon verzichtet wird. Oder durch die Optimierung des Produktionsprozesses unter Energiesparaspekten. Aber auch durch das Aufzeigen von Grenzen. Der Anspruch des Projektes ist es, Vorreiter für die Entwicklung möglichst umweltfreundlicher Materialien und Prozesse zu sein und damit entsprechende Produkte voranzutreiben.
 

„Über ein Drittel der angemeldeten Patente können als umweltrelevant eingestuft werden”.

Thomas Harbach, head of the SCHOTT patent department

 
SCHOTT forciert die (Weiter-)Entwicklung ökologisch verträglicher Produkte: Photovoltaikmodule von SCHOTT Solar etwa ermöglichen eine umweltfreundliche Stromproduktion. Auch im Bereich Brandschutzgläser, Dünngläser, optische Gläser sowie bei SCHOTT Ceran® Glaskeramik-Kochflächen existieren bereits Eco-Varianten. Fotos: SCHOTT

Eco-Produkte bereits realisiert


Unternehmensweit hat SCHOTT einen Prozess zur konsequenten (Weiter-)Entwicklung umweltfreundlicher Materialien, Produkte und Verfahren implementiert. Eco-Gläser bietet das Technologieunternehmen in vielen Produktbereichen an. So wurde im Bereich Home Tech mit Ceran Suprema® und Ceran Hightrans® eco, den ersten und bislang weltweit einzigen Glaskeramik-Kochflächen, die ohne Zusatz der giftigen Schwermetalle Arsen und Antimon hergestellt werden, ein Meilenstein in Sachen Umweltfreundlichkeit gesetzt (siehe solutions 02/2008). Ein Superlativ in zweifacher Hinsicht wurde speziell für den US-Markt entwickelt: Pyran® Platinum ist die weltweit erste transparente gefloatete Glaskeramik, die ohne Einsatz der umweltbelastenden Schwermetalle Arsen, Antimon und Barium hergestellt wird.
Der Geschäftsbereich Optik hat bereits vor mehr als zehn Jahren durch die Einführung von 66 blei- und arsen­freien Gläsern das Lieferprogramm für optische Gläser umgestellt. Alle seitdem neu entwickelten Gläser sind ebenfalls blei- und arsenfrei.
Bereits 1978 startet SCHOTT in Mainz mit der Entstaubung der Glasschmelzwannen, zehn Jahre später war die Abluft aus den Schornsteinen zu über 99 Prozent staubfrei. Foto: SCHOTT
Auch für faseroptische Applikationen im Dental­bereich werden bleifreie Materialien verwendet. Im Bereich Electronics & Biotech sind unter der Bezeichnung „Eco-Glas” zahlreiche Dünngläser in der Entwicklung oder bereits auf dem Markt, die ohne bzw. nur noch mit geringsten zulässigen Mengen an Läutermitteln wie Arsen und Antimon auskommen: So zum Beispiel AF32® eco, ein alkalifreies Dünnglas für Wafer, D263® T eco, ein kratzfestes, schadstofffreies Filterglas für Kamera­linsen in Mobiltelefonen oder berührungsempfindliche Bildschirme, und D263® M eco als Deckglas in der Mikroskopie. In der Entwicklungsphase bzw. der Produktpipeline befinden sich weitere Eco-Produkte auf den Feldern Faseroptik oder auch Glaskeramiken für Robax® Kaminsichtscheiben. Dort soll eine spezielle Infrarot-(IR-)Beschichtung die im Vergleich mit offenen Kaminen effektivere und schadstoffreduzierte Verbrennung weiter forcieren. Zusammen mit den Verbänden der europäischen Glasindustrie weist SCHOTT auf die generelle Ungefährlichkeit von Glas für Mensch und Umwelt hin, so dass entsprechend der von der EU geplanten Ausnahmeregelung für Glas keine aufwendige Registrierung notwendig wird.
Bei den „grünen” Produkten wird zum Beispiel bei der Schmelze auf die Verwendung umweltschädlicher Rohstoffe und im Läuterungsprozess auf Arsen und Antimon verzichtet. Foto: SCHOTT
Alle SCHOTT Produkte entsprechen den gesetzlichen Vorgaben. Die vielfältigen Aktivitäten spiegeln sich zugleich in der Anmeldung von Erfindungen wieder: „Über ein Drittel der angemeldeten Patente können als umweltrelevant eingestuft werden”, so der Leiter der SCHOTT Patentabteilung Thomas Harbach. Gläser und Komponenten von SCHOTT dienen auch der (alternativen) Energiegewinnung und -einsparung, man denke nur an Solarreceiver für solarthermische Kraft­werke, die als Kerntechnologie im Rahmen des Desertec-Projekts zum Einsatz kommen werden. Aber auch Photovoltaikmodule, Sonnenschutz- und Isoliergläser, LED-statt energieintensiver Halogen-Lichtquellen bei faseroptischen Beleuchtungslösungen, gläserne Dichtungsmaterialien für Hochtemperatur-Brennstoffzellen oder energiesparende Flachglas-Lösungen für Backöfen und kommerzielle Kühl-/Gefrierschränke repräsentieren derartige Lösungen. <|
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