Kristalle

Unter den Naturschätzen der Ausstellung befindet sich auch ein künstlicher, 63 Kilogramm schwerer Calciumfluorid-Einkristall als Dauerleihgabe von SCHOTT. Foto: terra mineralia/E. Mildner
Thilo Horvatitsch

Weltreise zu steinernen Schätzen

5.000 seltene Minerale machen „terra mineralia” zu einer der größten und wertvollsten Ausstellungen ihrer Art.

So gut wie alle bekannten Gesteine bauen auf Mineralen auf. Manche der kristallisierten Feststoffe erzählen Wissenschaftlern spannende Geschichten über die Entstehung der Erde vor Jahrmilliarden. Noch viel älter können präsolare Minerale sein, die als galaktischer Staub in unser Sonnensystem eindringen. Aber nicht nur ihr kosmisches Alter fasziniert, sondern auch ihre einzigartige Vielfalt und Farbenpracht. Natürliche Minerale können aus wässrigen Lösungen, aus heißer Magma-Schmelze oder aus der Gasphase auskristallisieren, unterschiedlichste Formen annehmen und mehrere Meter groß werden. Die ­Mineralogie zählt rund 4.000 Arten verschiedenster Zusammensetzungen.
Mit dem sanierten Schloss Freudenstein in Freiberg verfügt die Ausstellung „terra mineralia” über ein besonderes Ambiente. Foto: terra mineralia/D. Müller
Darum hat es schon immer Sammler besonders seltener und schöner Exemplare gegeben. So hat die Schweizerin Dr. Erika Pohl in 60 Jahren Fundstücke aus aller Welt zu einer der wertvollsten privaten Mineral­sammlungen zusammengetragen und der TU Bergakademie Freiberg in Deutschland als Dauerleihgabe vermacht. ­Davon sind die prächtigsten 5.000 Minerale, Edelsteine und Me­teoriten seit 23. Oktober 2008 im sanierten Freiberger Schloss Freudenstein zu ­sehen: Die Ausstellung „terra mineralia” unternimmt in dem historischen Bauwerk auf drei Stockwerken und 3.000 Quadratmetern eine mineralogische Weltreise durch Afrika, Europa, Amerika, Australien und Asien. Hö­hepunkte finden sich etwa in der „Schatzkammer”: Der dort präsentierte Antimonit zählt zu den wertvollsten und schönsten Exponaten, und viel Diskussionsstoff bietet auch ein sagenumwobener grünlicher Malachit.
Natürliche Minerale können unterschiedlichste Formen annehmen und mehrere Meter groß werden. Die Mineralogie zählt rund 4.000 Arten verschiedenster Zusammensetzungen. Foto: terra mineralia/D. Müller
Neben natürlichen Mineralen gibt es aber auch künstliche. Durch eine geschickte Variation von Parametern wie Temperatur, Druck oder chemische Zusammensetzung lassen sich synthetische Kristalle mit speziellen Eigenschaften erzeugen. So befinden sich unter den Naturschätzen der Ausstellung auch drei künstliche Schaustücke, darunter ein 63 Kilogramm schwerer, wasserklarer Calciumfluorid-Kristall als Dauerleihgabe von SCHOTT. Der Einkristall besitzt eine außer­ge­wöhnlich hohe Transmission im tief ultravioletten Spektralbereich und ist hoch beständig gegen Laserstrahlung. Er wird daher bevorzugt eingesetzt als optisches Material zur Mikrolitho­graphie von Nanostrukturen auf Siliciumwafern. Der teure Rohstoff und die aufwändige, hochtechnologische Zucht bei hohen Temperaturen machen Calciumfluorid zu einer Kostbarkeit von höchster Reinheit. „Umgerechnet ein Esslöffel Fremdstoffe auf fünf LKW-Ladungen Kristallmaterial wäre schon zu viel Verunreinigung für unsere Ansprüche”, so Dr. Dirk ­Sprenger, Director Operations and R&D bei SCHOTT LITHOTEC in Jena. Professor Gerhard Heide, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg, freut sich über die Leihgabe: „Nicht nur wegen ihres Werts, der einem Einfamilienhaus entspricht. Vielmehr lässt sich damit veranschaulichen, wie Kristalle heute industriell gezüchtet und für Hightech-Anwendungen eingesetzt werden.” Denn das spiegelt ein weiteres wichtiges Ziel der Ausstellung wider: zu zeigen, wie sehr Minerale unsere Lebenswelt formen.