Solarenergie

Gigantisch und leistungsstark: Über 510.000 Quadrat­meter groß sind die Spiegelflächen der Solarkollektoren bei jedem einzelnen AndaSol-Kraftwerk. Foto: SCHOTT/J. Meyer
Martin Frey

Kraftwerk mit neuen Dimensionen

Im Süden Spaniens ging das erste von drei AndaSol-Kraftwerken in Betrieb. SCHOTT lieferte dafür die Receiver.

AndaSol 1, das erste kommerzielle Parabolrinnenkraftwerk Europas, geht Ende 2008 in Betrieb. Das 50-Megawatt-Projekt befindet sich auf der Hoch­ebene von Guadix in der südspanischen Provinz Granada. Wie schon beim Kraftwerk Nevada Solar One nahe Las Vegas, USA, das seit 2007 Strom produziert, lieferte SCHOTT Solar die Kernkomponente der Anlage, den Receiver SCHOTT PTR® 70. Insgesamt waren es über 22.000 Stück.

Auf der spanischen Hochebene entstehen gleich drei baugleiche Kraftwerke: Die Arbeiten an AndaSol 2 sind bereits vorangeschritten, die für AndaSol 3 haben im dritten Quartal 2008 begonnen.

Jeder Bau­abschnitt nimmt eine Grundfläche von zwei Quadratkilometern ein. Alle drei Kraftwerke sollen jährlich rund 180 Gigawattstunden Strom erzeugen; dies ist so viel, wie 200.000 Menschen verbrauchen.

Je zwei Salzspeicher werden es möglich machen, dass die Strom­produktion bis zu 7,5 Stunden nach Sonnenuntergang fortgesetzt werden kann. Der Entwickler der etwa 300 Millionen Euro teuren Projekte ist die Solar Millennium AG mit ihren Tochtergesellschaften aus Erlangen, Deutschland. Betreiber sind die spa­nische ACS-Cobra-Gruppe und Solar Millennium.

Und wie funktioniert ein Receiver? Das Sonnenlicht wird durch Parabolspiegel auf die jeweils vier Meter langen SCHOTT Solarreceiver 80-fach konzentriert. Die spezialbeschich­teten Edelstahl-Absorberrohre sind durch ein mit einer Antireflexschicht beschichtetes Glashüllrohr vakuum­isoliert, um die Wärmeverluste minimal zu halten. In diesem Absorberrohr wird Thermoöl auf bis zu 400 Grad Celsius erhitzt. Dieses dient der Erzeugung von Dampf, der wiederum über eine Turbine die Stromerzeugung ermöglicht.
Quelle: SCHOTT solar
Die Dimensionen jedes einzelnen AndaSol-Kraftwerks sind gewaltig: Die Spiegelfläche beträgt über 510.000 Quadratmeter. Die Rinnen stehen dabei in 156 Schleifen mit jeweils 600 Metern Länge. Vier einzeln beweg­liche Einheiten von 150 Meter Länge bilden jeweils eine Schleife. Und jede bewegliche Einheit wiederum besteht aus zwölf Kollektorelementen. Diese sind zwölf Meter lang und in deren Brennlinie reihen sich jeweils drei SCHOTT Receiver aneinander.

Für AndaSol 1 und 2 wurden die Receiver vom CSP-Standort in Mit­terteich, Deutschland, geliefert. Für ­AndaSol 3 stehen jetzt darüberhinaus auch Produktionskapazitäten in der neuen Fertigung in Aznalcóllar nahe Sevilla zur Verfügung.

Die Zukunftsaussichten für Concentrated Solar Power (CSP) sind weltweit hervorragend: Eine Fläche von etwa 300 mal 300 Kilometern, zum Beispiel in der Sahara, reicht theo­retisch aus, um den weltweiten Strombedarf mit dieser Technologie zu decken.

In den USA sind nicht nur in ­Nevada, sondern im gesamten Südwesten weitere CSP-Kraftwerke vor­gesehen. Ebenso existieren Pläne und Projekte rund um das Mittelmeer wie beispielsweise in Ägypten.

In Spanien findet derzeit ein Wettlauf um die Fördermittel statt: Die Einspeisevergütung für CSP-Kraftwerke ist bis 2010 auf 500 Megawatt ge­deckelt.

Wenn 85 Prozent davon am Netz sind, wird es eine Nachfrist von mindestens zwölf Monaten geben. So ist zu hoffen, dass tatsächlich 700 bis 900 Megawatt in den Genuss der 25-jäh­rigen Förderung von 26,93 Cent pro Kilowattstunde kommen.

Eine Zusage der spanischen Regierung zur Nachfolgevergütung wird in 2009 erwartet. Die Branche rechnet fest damit, dass die spanische Politik diese Technologie auch weiter unterstützen wird.