Interview

Philip R. Goode: (64), PhD, ist Professor für Physik am New Jersey Institute of Technology, Direktor des Center for Solar Terrestrial Research, seit 1997 Direktor des BBSO. Für seine Erdschein-Forschung, Studien zur Sonnenstruktur und kritische Forschungshaltung zum „Fellow” der American Physical Society ernannt. Er absolvierte sein BA an der University of California in Berkeley und sein PhD an der Rutgers University, New Jersey. (Foto: SCHOTT/J. Nourok)
Konstruktive Kooperation

Dr. Philip R. Goode, Direktor des Big Bear Solar Observatory, über den Nutzen der Sonnenbeobachtung.

solutions: Seit Jahrtausenden verfolgen Menschen den Lauf der Sonne. Birgt sie denn noch Geheimnisse?

Goode: Ja! Wir verstehen die komplexen Prozesse, die beispielsweise zu Magnetstürmen mit all ihren Folgen führen, noch nicht vollständig. Das Studium der Sonne hilft uns, künftig so etwas wie eine Art „Unwettervorhersage” für das All zu machen. Unklar ist zudem, inwiefern langfristige Aktivitäten der Sonne beispielsweise auch den aktuellen Klimawandel auf der Erde mit beeinflussen.

solutions: Was leistet das neue Teleskop in diesem Zusammenhang?

Goode: Unser Instrument versetzt uns in die Lage, die fundamentalen Fragen zur Dynamik der solaren Magnetfelder zu beantworten. Als erstes Gerät hat es eine Vergrößerung, mit der sich dort feinste Details der fundamentalen, magnetischen Strukturen erkennen lassen.

solutions: Welche technischen Besonderheiten weist es sonst noch auf?

Goode: Der Sekundärspiegel liegt seitlich vom Lichteinfall und wirft deshalb keinen Schatten auf den Hauptspiegel. Daher können wir den Glutball ungestört beobachten. Überdies lässt sich der Primärspiegel lokal verbiegen. Damit gleichen wir aktiv Störungen aus, die beispielsweise durch Hitzeeinwirkung der Sonne oder durch Schlieren in der Luft entstehen.

(Foto: SCHOTT/J. Nourok)
solutions: Ins Sonnenlicht gehalten kann man mit einer Linse ja Feuer entfachen. Wie verhindern Sie, dass es in Ihren Instrumenten ähnlich heiß wird?

Goode: Die größte Hitze wird einfach vom Hauptspiegel reflektiert. Darüber hinaus trafen wir größte Sicherheitsvorkehrungen, um zu verhindern, dass der Brennpunkt unkontrolliert aus der Optik wandert und dadurch Schäden anrichtet. Immerhin entsteht im primären Brennpunkt eine Leistung von 2000 Watt – geballt auf einer Fläche von einer Münze!

solutions: Was bedeutet das für die Auswahl der Materialien, die Sie beim Bau des Teleskops verwendeten?

Goode: Wegen dieser hohen Belastung entschieden wir uns, sowohl den Primär- als auch den Sekundärspiegel aus temperaturstabiler Zerodur® Glaskeramik von SCHOTT herstellen zu lassen. Diese reagiert sehr unempfindlich auf Wärme. Während andere Materialien vorher schlapp machen, können wir mit diesen Spiegeln wohl den ganzen Tag lang die Sonne beobachten.

solutions: Wie wichtig sind in diesem Zusammenhang Kooperationen mit der Indus­trie?

Goode: Sie sind sehr wichtig! Wir freuen uns sehr, dass wir mit SCHOTT einen Her-steller gefunden haben, der uns in schnellst möglicher Zeit das gewünschte Trägermaterial für die Spiegel lieferte. Wissenschaftliche Einrichtungen wie Observatorien profitieren von einer guten Zusammenarbeit mit der Industrie.

solutions: Eine letzte Frage: Können Sie uns sagen, wie das Weltraumwetter in nächster Zeit wird?

Goode: Die Sonne ist derzeit nur wenig aktiv. Das spricht für „mildes” Wetter im All. Kaum Gefahren also – aber wohl auch nur selten Polarlichter.