Astronomie

(Foto: Privat/YNAO)
Gerhard Samulat

China blickt ins All

Das Lijiang Teleskop ist das weltweit größte vollautomatisch gesteuerte Himmelsauge. Als Spiegelträgermaterial wird Zerodur® Glaskeramik von SCHOTT eingesetzt.

In einer feierlichen Zeremonie weihte Li Yan, Direktor des Astronomischen Observatoriums in der chinesischen Provinz Yunnan, im Mai 2007 das bislang größte optische Teleskop Asiens ein. Es steht in der Nähe der Millionenstadt Lijiang auf einem 3.240 Meter hohem Gipfel in den Yulong Bergen, der wegen seiner markanten Form in der Landessprache auch Jadedrachen genannt wird.

Als Substratmaterial für den Haupt­spiegel setzen die Chinesen – wie die meisten Betreiber moderner Observatorien weltweit – Zerodur® Glaskeramik von SCHOTT ein. Deren wichtigste Eigenschaft: Das Spiegelträgermaterial dehnt sich selbst bei großen Temperaturschwankungen nicht merklich aus. Das ist für Teleskope sehr wichtig, weil nur so verzerrungsfreie Bilder vom All entstehen.
Mit einem Spiegeldurch- messer von 2,45 Metern stößt das Teleskop in China in eine neue Größenklasse vor. (Foto: SCHOTT/J.Siefke)
Der von SCHOTT entwickelte Werkstoff zeichnet sich darüber hinaus durch eine hervorragende Homogenität und gute chemische Beständigkeit aus. Es lässt sich leicht bearbeiten und ausgezeichnet polieren. Damit erfüllt er alle Eigenschaften für anspruchsvolle astronomische Spiegelträger. „Das Lijiang Teleskop ist auf dem neusten Stand der Technik und kann sowohl Bild- als auch spektroskopische Aufnahmen im sichtbaren wie im infraroten Spektralbereich machen”, erklärt Li Yan. Mit einem Durchmesser von 2,45 Metern ist der Spiegelträger mehr als doppelt so groß wie die in China zumeist üblichen Ein-Meter-Teleskope.
Die Einweihung des Lijiang Teleskops bildete den Auftakt für die Realisierung weiterer ambitionierter chinesischer Astro-Projekte. (Foto: SCHOTT/J.Siefke)
Der Himmelsspäher wurde von der britischen Telescope Technologies Limited (TTL) entworfen und gebaut. Er hat rund drei Millionen Euro gekostet und ist nun das weltweit größte vollautomatische und robotergesteuerte Teleskop. Seine Besonderheit: Es kann Objekte nicht nur selbstständig über lange Zeiträume punktgenau verfolgen, sondern lässt sich auch aus der Ferne bedienen und in Sekundenschnelle auf überraschend auftauchende, kosmische Ereignisse wie Sternexplosionen einschwenken. Mit ihrem Beobachtungsgerät wollen die Wissenschaftler nun in erster Linie das Alter kosmischer Strukturen im All bestimmen sowie neue Planeten, Sterne und Galaxien entdecken.

Das Lijiang Teleskop ist das erste von sieben nationalen astronomischen Projekten, die China zurzeit vorantreibt. Mit dem Anfang nächsten Jahres in Einsatz gehenden Large Sky Area Multi-Objects Fiber Spectroscopy Telescope (LAMOST) am Xinglong Observatorium in der Provinz Hebei im Norden Chinas will die Volksrepublik dann endgültig an die Weltspitze der Astrophysik vorstoßen. Für dieses Gerät hat SCHOTT bereits vierzig sechseckige Spiegelsegmente mit je einem Meter Diagonale aus Zerodur® Glaskeramik ausgeliefert. Das LAMOST-Teleskop ist für die gleichzeitige Aufnahme von bis zu 4.000 Sternenspektren ausgelegt.