Dentalpulver

Bei hochreinem Glaspulver für die Dentalindustrie ist SCHOTT weltweit Qualitätsführer. (Foto: SCHOTT AG/W. Feldmann)
Michael Kömpf

Hochreines Glas im Zahn

Feinkörnige Glaspulver von SCHOTT verhelfen hochwertigen Composite-Zahnfüllungen zu besonderer Stabilität und Härte. Ein patentiertes Mahlverfahren sorgt für hohe Transparenz bei kleinsten Korngrößen.

Heißer Tee schmerzt und beim Eisessen durchzieht ein Stechen den ganzen Kiefer: Haben sich Karies-Bakterien erst einmal richtig in einen Zahn „verbissen”, dann hilft meist nur noch eins – bohren. Doch anschließend muss der Zahnarzt diesen Hohlraum, auch Kavität genannt, wieder mit einem Füllstoff schließen. Allein in Deutschland werden trotz immer besserer Zahnpflege pro Jahr etwa 85 Millionen Zähne so restauriert. Zunehmend bevorzugen Patienten dafür Füllungen, die sich farblich unauffällig in die eigene Zahnsubstanz einfügen. Immer beliebter: so genannte Composite-Zahnfüllungen. Diese Materialien bestehen vorwiegend aus Glaspulver und Kunststoff und haben inzwischen mehrheitlich die bisher hauptsächlich verwendeten quecksilberhaltigen Amalgamfüllungen verdrängt.

Seit über zehn Jahren ist SCHOTT weltweit Qualitätsführer für hochreine Glaspulver in der Dentalindustrie. „Unser spezielles Mahlverfahren ermöglicht es, Glaspulver mit hoher Transparenz bei gleichzeitig sehr geringer Korngröße herzustellen”, erklärt Susanne Kessler, Leiterin Technischer Vertrieb bei der SCHOTT Electronic Packaging GmbH in Landshut (Deutschland). Aufgrund der hohen Lichtdurchlässigkeit des Pulvers von SCHOTT kann der Zahnersatz mittels beigemischter Pigmente individuell eingefärbt werden, denn: „Asiaten haben von Natur aus eine andere Zahnfarbe als bei- spielsweise Europäer”, so Kessler. Die Zahnfüllungen aus Glaspulver lassen sich zudem gut polieren und sorgen so für weiß glänzende Oberflächen.
Patienten bevorzugen zunehmend Composite-Zahnfüllungen, die farblich der eigenen Zahnsubstanz angepasst werden können. (Foto: Marcus/Shotshop.com)
Hohe Härte und trotzdem elastisch

Neben ästhetischen Gesichtspunkten muss das verwendete Füllmaterial aber auch besondere Eigenschaften hinsichtlich Festigkeit aufweisen. Denn der künstliche Ersatz des Zahnschmelzes – immerhin die härteste Substanz im menschlichen Körper – ist enormen Belastungen ausgesetzt. So kann der Kaudruck, den der Kiefer beim Zubeißen erzeugt rund 800 Newton pro Quadratzentimeter betragen. Das ist etwa der gleiche Druck, den ein Würfel in der Größe eines Zuckerstücks auf seine Unterlage ausübt, wenn sich ein durchschnittlich schwerer Mensch mit seinem vollen Gewicht darauf stellt. Die feine Körnung des Glaspulvers von rund einem hundertstel der Dicke eines Haares ermöglicht eine sehr dichte Packung, also einen hohen Füllgrad im fertigen Zahnersatz. Das verleiht ihm eine hohe Druckhärte. Rund 80 Gewichtsprozent der Füllung bestehen aus dem harten Glaspulver. SCHOTT steuert somit eine wichtige Komponente zum eigentlichen Füllungsmaterial bei, das dann seitens der Kunden aus der Kombination Glaspulver mit einem speziellen Kunststoff (Harz) hergestellt wird. Der Kunststoffanteil im Zahnersatz sorgt für genügend Elastizität, sonst wäre die Füllung zu spröde. Damit sich das Glaspulver überhaupt mit dem Kunststoff verbindet, präparieren es die SCHOTT Experten mit Silan, einem so genannten Haftvermittler. So entsteht ein widerstandfähiger Verbundstoff, der erst in der gefüllten Kavität im Mund durch Bestrahlung mit blauem Licht aushärtet. Und weil ein Composite allein aus Glas und Kunststoff auf einem Röntgenbild kaum von einer kariösen Stelle zu unterscheiden wäre, bietet SCHOTT spezielle röntgenopake Gläser an. Diese machen die Füllung dann für den „Röntgenblick” deutlich sichtbar und verhindern, dass der Zahnarzt aus Versehen eine Füllung anbohrt.

Um bei der feinen Körnung die geforderte Transparenz zu erzielen, muss bereits die Produktion der Gläser hohe Anforderungen an die Reinheit erfüllen: Geschmolzen werden die Gläser deshalb in einem Spezialaggregat, in dem sonst nur Gläser optischer Qualität produziert werden. Anders als sonst üblich, kühlen die Experten dort das hochreine Material sehr schnell ab, um möglichst hohe Spannungen darin zu erzeugen, was die Weiterverarbeitung erleichtert. Mit seinen feinkörnigen Glaspulvern beliefert SCHOTT schon heute die Dentalindustrie weltweit mit Schwerpunkten in Europa und den USA. Aufgrund langjähriger Erfahrung und der ausgefeilten Produktionstechnologie erhofft sich Susanne Kessler „weitere Anteile am wachsenden Markt zu gewinnen.”
Ergänzende Informationen
Bioaktiv und pflegend