SCHOTT solutions Nr. 1/2015 > 360-Grad-Livestreaming

360-Grad-Livestreaming
Das innovative 360-Grad-Livestreaming hat bereits Erfolg bei Events, in TV-Sendungen und Konzerten, auf Messen und bei Sportveranstaltungen. Foto: nc3

Erfindergeist mit perfekter Perspektive


Sie soll ein neuer Standard für Live-Übertragungen aller Art werden: eine innovative Kameratechnik für das Online-Streaming von 360-Grad-Panoramavideos in Echtzeit. Ihre Kommerzialisierung gelang jedoch erst mit antireflexbeschichteten DURAN® Glasröhren.


Thilo Horvatitsch

Party auf den schneebedeckten Allgäuer Alpen in Deutschland: Zur großen Eröffnung des neuen Street-Snowparks von Red Bull im letzten Januar reisten mehr als 800 Snowboarder nach Nesselwang, darunter Europas Elite. Und wer nicht dabei war, konnte das Ganze dennoch genießen, als wäre er mittendrin. Spezielle Spiegel-Kamera-Konstruktionen an drei Stationen boten über zwölf Stunden lang Full-HD-Videoaufnahmen im 360-Grad-Rundumblick. Das Besondere dabei: Die Übertragungen waren live und online per Streaming zu sehen. Wer sich eine entsprechende App herunter­geladen hatte, konnte das Geschehen im Wintersportpark mobil über iPhone oder iPad erleben und mit dem Zeigefinger die Kamera­stationen auswählen oder die Blickrichtung steuern.
Panoramaspiegel
Der Panoramaspiegel liefert kreisrunde 360-Grad-­Bewegtbilder, die von einer Kamera aufgenommen und von einem patentierten Verfahren entzerrt werden. Das um­hüllende DURAN® Glas schützt die Konstruktion vor Kratzern, Umwelt­ein­wirkungen und Spiegelungen. Foto: videostream360
Für Michael Kanna beginnt mit dieser Neuentwicklung eine Vision zu leben: „Irgendwann setzen wir uns eine virtuelle Brille auf und erleben die Welt in 360-Grad-Perspektive”, ist der Managing Director von Videostream 360 überzeugt. Das junge Team des ­deutschen Unternehmens aus Leipzig hat auf dem Weg dahin eine Erfolgsstory geschrieben. Diese begann an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Dort erarbeitete 2009 einer der Firmengründer in seiner Masterarbeit der Medieninformatik die Grundlagen für eine Methodik zur Entzerrung von kreisrunden 360-Grad-Bewegtbildern, die auf Basis von speziell geformten Panoramaspiegeln gewonnen wurden. In den Folge­jahren wurde daraus schließlich Videostream 360 – zum einen eine GmbH, zum anderen eine patentierte Technik zur Echtzeitüber­tragung von 360-Grad-Videostreams. Letzteres war bislang kaum möglich, denn dazu waren teure Multilinsenkameras nötig, deren Aufnahmen anschließend aufwendig in rechteckige Bilder umzuwandeln sind. „Das Patentinformationszentrum Leipzig teilte uns mit, dass ein Verfahren wie unseres weltweit noch nicht existierte”, so ­Michael Kanna. Dennoch gab es Hürden zu überwinden:

Der kelchförmige Hohlspiegelaufsatz, kombiniert etwa mit einer HD-TV-Kamera, sorgte anfangs für eine sehr große, wenig attraktive und zudem anfällige Konstruktion. Die Präsentation der sperrigen Innovation auf der Hannover Messe hatte jedoch gänzlich unerwarteten Erfolg: Ein begeisterter Messebesucher und früherer Praktikant von SCHOTT schlug vor, die Konstruktion zur beabsichtigten Miniaturisierung und zum Schutz in eine entspiegelte Spezialglasröhre zu bauen. „Das war ein wesentlicher Schlüssel zur Kommerzialisierung des Produkts”, betont Michael Kanna.
360-Grad-Perspektive
Foto: C. Hüller


„Irgendwann setzen wir uns eine virtuelle Brille auf
und erleben die Welt in 360-Grad-Perspektive.”

Michael Kanna
Managing Director of Videostream 360



SCHOTT lieferte hierfür DURAN® Glasrohre in handelsüblichen Abmessungen. Das stabile Borosilikatglas ist hochbeständig gegen Hitze, Temperaturwechsel wie auch Korrosion und schützt insbesondere die Kameralinse und den hochempfindlichen Spiegel, der die Bildinformationen liefert, vor Kratzern und Umwelteinwirkungen. Um bildstörende Lichtreflexe und Verunreinigungen zu minimieren, wurde die Glasröhre mit einer innovativen ETCAR (Easy to Clean Anti Reflex) Beschichtung ausgerüstet.

In Kombination mit einer professionellen digitalen Action-Minikamera hat die neue Konstruktion nun Erfolg im Indoor- wie im Outdoor-Einsatz – so etwa bei der deutschen TV-Wissens­sendung „Galileo”, in Konzerten, bei Sportveranstaltungen oder auf Messen wie der CeBIT 2015. Dabei liegt der große Reiz der Technologie auch darin, dass sich der zugehörige interaktive Videoplayer leicht bedienen, in alle Websites einbetten und als mobile App verwenden lässt. „Wir sehen 360-Grad-Livestreaming in Zukunft als Standard für Liveübertragungen aller Art – aber nicht nur das. Wir planen auch Projekte in der Prozessüberwachung oder für Smart Homes”, so Michael Kanna. <