SCHOTT solutions Nr. 1/2015 > Pharmaverpackungen

Pharmaverpackungen
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Bruchfest im Falle des Falles


Deutlich härter: In Karpulen aus chemisch gehärtetem Glas sind lebensrettende Medikamente sicher verpackt und einsatzbereit, wenn es darauf ankommt.


Christina Rettig

Manchmal muss die Verpackung eines Medikaments auf den Punkt funktionieren. Diese Erfahrung machte schon Filmheld James Bond in „Casino Royale“, als ihm sein Martini weder geschüttelt noch gerührt, sondern vergiftet serviert wurde. Nur wenige Momente blieben ihm, sich das lebensrettende Medikament in die Halsschlagader zu spritzen. Bond überlebte – dank einsatzbereitem Injektionspen und Filmpartnerin Vesper Lynd, die auf wundersame Weise in Sekundenbruchteilen erkannte, wohin das fehlende Kabel am Defibrillator gehörte.

Auch wenn es Hollywood ist, das Beispiel zeigt: Es gibt Situationen, in denen eine bruchfeste Verpackung über Gewinn und Verlust entscheidet. Manchmal entscheidet sie gar über Leben und Tod. Das gilt zum Beispiel beim Einsatz in Kriegs- oder Katastrophengebieten, in denen raue Bedingungen herrschen. „Aber auch wenn ein Medikament besonders teuer oder sehr toxisch ist, haben Pharmaunternehmen großes Interesse, dass die Karpulen, in denen es aufbewahrt wird, nicht zerbrechen”, erläutert SCHOTT Produktmanagerin Andrea Wesp. Toxische Medikamente? „Die gibt es besonders in der Krebsmedizin”, erläutert Wesp. „Bei der Herstellung und Abfüllung ist höchste Sicherheit geboten, um die Mitarbeiter an den Fertigungslinien zu schützen. Gleiches gilt für den Transport und das Verabreichen an den Patienten.”


„Teure oder toxische Medikamente lassen sich mit SCHOTT Cartrides BR sicher abfüllen,
transportieren und verabreichen – selbst in rauen Umgebungen.”

Andrea Wesp, Product Manager

Chemisch gehärtete Karpulen
Chemisch gehärtete Karpulen von SCHOTT widerstehen mechanischem Stress deutlich besser als herkömmliche Glasverpackungen für Arzneimittel. Quelle: SCHOTT/L&K
Karpulen sind die Glaskörper in einem Pen oder Autoinjektor, die das Medikament enthalten. Um das Glas für die beschriebenen Situationen mechanisch belastbarer zu machen, hat SCHOTT chemisch gehärtete Karpulen entwickelt. Zwei Dinge waren dabei besonders wichtig: „Wir wollten die ursprüngliche Geometrie erhalten, damit die neuen Karpulen nach wie vor mit Standard-Pensystemen funktionieren.” Die Wände einfach dicker zu formen, kam also nicht in Frage. „Die Alternative war ein chemisches
Härten des Glases, das jedoch die Integrität des Medikaments nicht beeinflussen sollte.” Das heißt, es galt eine unerwünschte Reaktion zwischen Glasoberfläche und Inhalt, die dessen Wirksamkeit beeinträchtigen könnte, zu vermeiden.

Die Lösung lag darin, ein Glas-Härtungsverfahren weiterzuentwickeln, das seit vielen Jahren Industriestandard ist. Dies gelang im US-Entwicklungslabor in Pennsylvania, wo SCHOTT Forscher einen bewährten Ionenaustauschprozess zur Nutzung im Pharmabereich optimierten. Die Karpulen baden während des Prozesses in einer Kaliumnitrat-Lösung, wobei die Natriumionen in der Oberflächenschicht gegen größere Kaliumionen aus der Lösung ausgetauscht werden. Das Glas erhält dadurch eine größere Stabilität. Tests haben gezeigt, dass die so gehärteten Karpulen dreimal widerstandsfähiger gegen mechanische Belastungen sind. Ein entsprechendes Produkt bringt SCHOTT unter dem Namen SCHOTT Cartridges BR auf den Markt. BR steht für „Breakage Resistant”. SCHOTT bietet die gehärteten Karpulen in Standardabmessungen, aber auch in kundenspezifischen Designs. Sie lassen sich mit Autoinjektoren, nadelfreien Injektionsgeräten sowie Pen- und Pumpsystemen verwenden. <
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