SCHOTT solutions Nr. 1/2014 > Kabinenbeleuchtung

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Mit dem Auge eines Sensors


Mit „HelioJet” Spectrumcc stellen SCHOTT und Lufthansa Technik eine innovative LED-Kabinenbeleuchtung mit stabiler, homogener Farbwiedergabe vor. Dabei imitiert erstmals eine spezielle Sensortechnik die feinfühlige Farbwahrnehmung des menschlichen Auges.


Dr. Haike Frank

Licht und Farben haben großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und sogar unser Urteilsvermögen. Wird die Beleuchtung im Flugzeug als stimmig empfunden, erscheint uns die gesamte Kabineneinrichtung als hochwertig – oder umgekehrt. „Oft ist uns nicht bewusst, dass eine solche Wahrnehmung mit der gegebenen Lichtatmosphäre zusammenhängt. Unser Auge registriert jedoch gerade Farbunterschiede sehr feinfühlig, und das Gehirn bewertet das Ergebnis sofort als ‚angenehm’ oder ‚unangenehm’”, erläutert Dr. Armin Plichta, General Manager Transportation bei SCHOTT Lighting and Imaging. Auf dieser Wissensgrundlage baut die neue LED-Kabinenbeleuchtung „HelioJet” Spectrumcc (Color Control), entstanden in Kooperation von SCHOTT, Lufthansa Technik und dem Sensorhersteller MAZeT. Die Lösung basiert auf einem speziellen optischen Lichtleiter aus Glas, an dessen beiden Stirnseiten je vier LEDs farbiges Licht – rot, grün, blau und weiß (RGBW) – einspeisen. Bis zu drei dieser Stäbe ergeben eine „HelioJet”-Einheit. Die einzelnen LED-Grundfarben werden schon vor der Abstrahlung im Lichtleiter zu einem gleichmäßigen Farbton jeder gewünschten Nuance gemischt – ein Vorteil gegenüber konventionellen LED-Streifen, die ihr inhomogenes Punktlichtdesign trotz indirekter Lichtführung und Diffusoren nicht völlig verbergen können.
„HelioJet” Spectrumcc basiert auf einem speziellen optischen Lichtleiter aus Glas, an dessen beiden Stirnseiten je vier Leuchtdioden farbiges Licht – rot, grün, blau und weiß – einspeisen. Eine präzise Sensor- und Steuertechnik misst und regelt den maßgeblichen Farbton jeder LED über alle „HelioJet”-Einheiten ­hinweg. Foto: SCHOTT
Darüber hinaus nutzt „HelioJet” Spectrumcc eine präzise Sensor- und Steuertechnik, die auf Basis von Sollwerten den maßgeblichen Farbton jeder LED exakt misst, regelt und über alle „HelioJet”-Einheiten hinweg abstimmt. Dazu sind in unmittelbarer Nähe der LEDs sogenannte True-Color-Sensoren angebracht. Jeder Sensor besteht im Kern aus kleinen Facetten, die mit Hilfe einer dichroitischen Beschichtung die Farbrezeption des menschlichen Auges nachstellen. „Eine anspruchsvolle Technik, denn unser Auge erkennt und unterscheidet Farbtöne innerhalb eines engen, komplexen Spektrums”, betont Fred Grunert, Geschäftsführer von MAZeT. Gerade LEDs verursachen jedoch sichtbare Farbabweichungen aufgrund ihrer instabilen Farbwiedergabe. Sie altern unterschiedlich schnell, wozu auch lokale Temperaturbelastungen im engen Bauraum eines Flugzeugs beitragen. „Darum können andere Lichtsysteme, die nicht jede LED messen und regeln, langfristig keinen konstanten Farbeindruck bieten”, so Dr. Plichta. „HelioJet” Spectrumcc trumpft zudem mit weniger Wartungsaufwand, da sich LEDs einzeln austauschen lassen, und mit einer längeren LED-Lebensdauer von mindestens 50.000 Stunden (mean time between failure). Die Lösung hat bereits Interesse geweckt: SCHOTT steht in intensivem Kontakt mit Fluggesellschaften für ein erstes Referenzprojekt. <