SCHOTT solutions Nr. 1/2014 > Forschung und Entwicklung

Otto-Schott-Forschungszentrum
Das Otto-Schott-Forschungszentrum bietet Entwicklern eine ideale Infrastruktur, um Innovationen voranzubringen. Foto: SCHOTT/A. Sell

Forschen für den Fortschritt


Seit 25 Jahren findet im Otto-Schott-Forschungszentrum anwendungsorientierte Glasentwicklung statt. Das multifunktionale Dienstleistungszentrum fungiert dabei als „Think-Tank” des Konzerns, in dem innovative Produkte und Technologien vorangetrieben und – gemeinsam mit den operativen Geschäftseinheiten – zur Marktreife gebracht werden.


Christine Fuhr

Wer nicht über die Zukunft nachdenkt, wer nichts für die Zukunft tut, wird keine haben”, zitierte der ehemalige SCHOTT Vorstandssprecher Dr. Heinrich J. Klein den britischen Schriftsteller John Galsworthy bei der Grundsteinlegung im Juni 1987. Das SCHOTT Management hatte nachgedacht – und gehandelt: Rund 50 Millionen D-Mark (25 Millionen Euro) investierte das Unternehmen damals in ein zukunftsweisendes Projekt: ein Forschungs- und Technologiezentrum, das im Herbst 1989 seine Pforten öffnete und den Namen „Otto-Schott-Forschungszentrum” erhielt – eine Referenz an den Glaswissenschaftler und Unternehmensgründer.
Osfz
Zum SCHOTT Networking gehört die ­intensive Kontaktpflege mit der Wissenschaftsgemeinde. Bei der Verleihung des 10. Otto-Schott-Forschungspreises (Bild) trafen sich viele frühere Preis­träger in der Mainzer Konzernzentrale. Foto: SCHOTT/A. Sell

1989: Aufbruch in neue Dimensionen


Das Streben nach wissenschaftlichen und technologischen Spitzenleistungen gehört seit Anbeginn vor 130 Jahren zum Selbstverständnis des SCHOTT Konzerns. „Forschung war dabei nie Selbstzweck, sondern in ihren Ergebnissen und Erkenntnissen immer in enger Zusammenarbeit mit den operativen Einheiten auf die industrielle Praxis ausgerichtet”, erklärt SCHOTT F&E
Vorstand Dr. Hans-Joachim Konz. Dafür schuf der markante Neubau eine neue Dimension, was die Infrastruktur für die bislang auf ein Laborgebäude und 14 weitere Außenstellen verteilten F&E-Mitarbeiter betraf: ein Forschungszentrum auf 4.000 Quadratmetern Fläche mit modernen Labors und Analysegeräten, angegliederten Werkstätten, Reinräumen sowie einer 800 Quadratmeter großen Experimentierhalle. Damit entstanden ideale Voraussetzungen für die damals über 100 Wissenschaftler, Ingenieure und Anwendungsexperten.

2014: Multifunktionaler Dienstleister


Heute, im Jubiläumsjahr, präsentiert sich das Otto-Schott-Forschungszentrum als multifunktionales Innovations- und Technologie-Dienstleistungszentrum. Unter seinem Dach befinden sich zudem ein Analytik- und Messtechnik-Service mit über 300 Messmethoden und Problemlösungsverfahren auch für externe Auftraggeber sowie SCHOTT pharma services mit analytischen Labordienstleistungen speziell für Pharma-Kunden. Die Entwicklung der Computertechnik in den letzten 25 Jahren hat die Arbeit der Glasentwickler massiv verändert: Nahezu alle relevanten Her­stellprozesse können heute mit hoher Genauigkeit am Computer simuliert, Materialeigenschaften sehr präzise vorausberechnet werden. Dies hilft, Entwicklungsprozesse wesentlich schneller und kostengünstiger durchzuführen und so den Entwicklungsvorsprung im internationalen Wettbewerb zu halten und auszubauen.

„Als ergebnisorientierter Innovationspartner der SCHOTT Business Units eröffnen wir neue Geschäftsmöglichkeiten und sichern bestehende Geschäfte durch die Entwicklung neuer Materialien und Technologien ab”, erklärt Dr. Martin Heming, Leiter SCHOTT Research & Development. Zu den wesentlichen Innovationstreibern der nächsten Dekade zählen Megatrends wie Energieeinsparung und Ressourceneffizienz. „Unsere Materialforschung ist hier besonders gefragt”, so SCHOTT Materialexperte Dr. Matthias Bockmeyer. Chancen erarbeitet man sich aktuell auf strategischen Feldern wie etwa dünnen, hochfesten Gläsern, ­Energiespeicherung, unter anderem für die Elektromobilität, ­Ressourceneffizienz in der Schmelztechnologie, „grünen” Gläsern sowie Grundlagentechnologien zur Entwicklung neuer sowie der Verbesserung existierender Produkte und Funktionalitäten.
OSFZ
Bild 1: Im Messtechnik-Labor werden präzise Daten erfasst zur (Weiter-) Entwicklung optischer Materialien und Komponenten. Foto: SCHOTT/A. Stephan Bild 2: SCHOTT Experten setzen die Nanoimprint-Technologie ein, um komplexe Oberflächenstrukturen auf Glas aufzubringen. Foto: SCHOTT/C. Costard Bild 3: Neuartige Materialien wie diese Keramik-Plättchen verfügen über hohe optische Brechzahlen und außergewöhnliche Dispersionswerte. Foto: SCHOTT/C. Costard Bild 4: Zur Messung von Oberflächeneigenschaften von Gläsern nutzt SCHOTT Equipment wie TOF-SIMS-Massenspektrometer. Foto: SCHOTT/A. Stephan
Zeige Details

Interview: Wachstum durch Innovationen


Globales F&E-Netzwerk


Basis für eine erfolgreiche Forschung sind entsprechende Investitionen: Der Anteil der F&E-Aufwendungen im Verhältnis zum Umsatz betrug bei SCHOTT im Geschäftsjahr 2012/13 4,3 Prozent und liegt damit leicht höher als in den Vorjahren. Für die Innovationskraft ebenso maßgeblich ist das globale F&E-Netzwerk mit rund 600 hochqualifizierten Mitarbeitern. Sie decken das Feld von der angewandten Forschung bis zur Produktentwicklung ab. Das Netzwerk spannt sich von Mainz und seiner 1969 gegründeten F&E-Dependance in Duryea/USA über die F&E-Einheiten der Business Units bis zu den Applikationszentren in China, Korea sowie Japan.

Auch das externe Netzwerk ist groß und umfasst mittlerweile mehr als 120 Partner rund um die Welt. Dazu zählt eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Instituten samt intensiver Förderung des akademischen Nachwuchses mit Betreuung von Doktoranden und Diplomanden. Der seit 1991 verliehene Otto-Schott-Forschungspreis, viele gemeinsame Forschungsarbeiten wie auch regelmäßige Expertenpanels sind weitere Beispiele für das globale Networking bei SCHOTT. „Darin schlummert ein riesiges Entwicklungspotential für Innovationen”, so SCHOTT Research Fellow Dr. Roland Langfeld. „Dies wollen wir nutzen, um weiterhin eine hohe Neuproduktrate von 30 Prozent sicherzustellen.” <
Zeige Details

Highlights aus 25 Jahren „Glaslabor”