SCHOTT solutions Nr. 1/2012 > Brandschutzverglasung

Das tim inszeniert die wechselvolle Geschichte der bayerischen Textilindustrie und entstand nach einem Entwurf des Grazer Architekten Professor Klaus Kada auf dem Gelände einer ehe­maligen Kammgarnspinnerei. Das Thema „Brandschutz im Denkmal“ löste SCHOTT mit einer ­PYRAN® Brandschutzverglasung als filigraner Pfosten-Riegel-Konstruktion. Foto: SCHOTT/E. Matthaeus/Montage: dw

Glas schützt textile Erlebniswelt


Im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg bewahren PYRAN® Brandschutz­verglasungen Hunderte Jahre Textilgeschichte.


Alexandra Meinhardt

Bie deutsche Stadt Augsburg galt schon vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert als europäisches Textilzentrum. In der Blütezeit ratterten in 21 Textilfabriken unzählige Webstühle und Textilmaschinen. Einige davon tun dies noch heute: Im 2010 eröffneten Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) hat der Grazer Architekt Professor Klaus Kada die Hunderte Jahre alte bayerische Textilgeschichte spannend und lebendig inszeniert. Im ehemaligen Textilviertel nahe der Innenstadt, im Gebäude der 1836 gegründeten ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei, werden auf einer Fläche von über 5.000 Quadratmetern nicht nur Relikte ausgestellt. Auf historischen Web- und Strickmaschinen werden textile Produkte hautnah hergestellt und auch verkauft. Besucher dürfen Wolle kämmen, einen Faden spinnen oder Stoffe mit Modeln und viel Farbe bedrucken. Auch architektonisch wurden bemerkenswerte Lösungen gefunden: Aus Schallschutz- und Sicherheitsgründen wurde die Maschinensammlung hinter einer Glastrennwand aufgestellt, der Bereich wurde als Tischkonstruktion mit eigenem Fundament vom restlichen Gebäude komplett entkoppelt. Raumhohe Verglasungen strukturieren die Halle.
Foto: SCHOTT/E. Matthaeus/Montage: dw
Dabei erforderte der Brandschutz aufgrund der Beschaffenheit des historischen Baubestands besondere Maßnahmen. Die Sheddach-Hallenkonstruktion aus den 1950er-Jahren bestand aus einem vorgespannten Stahlbau mit überdeckender Betonschale von nur sechs bis sieben Zentimetern Stärke. Mit baubehördlichem Einverständnis wurden hier Abstriche beim Brandschutz in Bezug auf die Statik gemacht. Dies kompensierten die Planer durch Maßnahmen für die Brand-Entrauchung, für die Sicherung der Fluchtwege und die Auslegung der Alarmierung.

Die raumhohe Brandschutzverglasung zwischen Foyer und Ausstellung wurde aus Kosten- und Zeitgründen als filigrane Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Stahlprofilen ausgeführt. Die 3 mal 1,60 Meter großen Scheiben der Trennwand (Brandschutzklasse G 30) bestehen aus sechs Millimeter starkem PYRAN® S Spezialglas und zweimal sechs Millimeter starkem Floatglas. Damit wurden die allgemeinen bauaufsichtlichen Auflagen erfüllt. In die gläserne Trennwand der Maschinensammlung wurde eine dicht- und selbstschließende Rauchschutztür (RS2) mit acht Millimeter starker PYRAN® S Verglasung eingebaut, die den filigranen Gesamteindruck nicht beeinträchtigt. Auch dies war genehmigungspflichtig, da die Norm zu öffnende Elemente bei rauchdichten Abschlüssen eigentlich nicht vorsieht. Ebenfalls mit PYRAN® wurde die elf Meter hohe Trennfassade zum Foyer ausgeführt. Aus Architektensicht wurde mit diesen Konstruktionen das Thema „Brandschutz im Denkmal“ funktional und ästhetisch gelöst: „Im Textil- und Industriemuseum Augsburg ist es gelungen, eine außergewöhnliche Erlebniswelt zu schaffen und dabei den historischen Bestand mit zeitgemäßen Anforderungen an einen Museumsbau in Einklang zu bringen“, so Prof. Kada. <|