SCHOTT solutions Nr. 1/2012 > Architektur

Im Inneren des Einkaufsmarktes Central Market in Abu Dhabi sorgen bis zu 13,80 Meter hohe und 2,80 Meter breite Ornamentfenster mit Farbgläsern von SCHOTT für eine besondere Lichtstimmung, wie sie für arabische Märkte charakteristisch ist. Foto: SCHOTT/I. Naqi

1001 Nacht modern inszeniert


Abu Dhabis neustes Stadtviertel „Central Market“ verbindet zeitgenössisches Design und traditionelle arabische Architektur. Zentraler Teil ist der Souk, ein orientalischen Märkten nachempfundenes Einkaufsparadies mit prachtvollen Ornamentfenstern aus farbigem Glas.


Judith Schwarz

Lange bevor das erste Erdöl in den Arabischen Emiraten gefördert wurde, florierte im 19. Jahrhundert die Wirtschaft in Abu Dhabi. Die treibende Kraft in der Hafenstadt war der Perlenhandel. Mit diesem Hauptwirtschaftszweig stieg Abu Dhabi um die Jahrhundertwende zum mächtigsten Emirat des Persischen Golfs auf. Doch dann folgten Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise, und die Nachfrage nach Perlen ebbte ab. 1930 brachte der Beginn der Perlenzucht in Japan diese Einnahmequelle endgültig zum Versiegen – ein schwerer Schlag für Abu Dhabi.

Erst Ende der 1950er-Jahre zeich­nete sich allmählich ab, wie die neuen Perlen des Persischen Golfs aussehen würden. Nachdem Anfang der 1960er-Jahre das erste Rohöl aus der Stadt exportiert wurde, entwickelte sich Abu Dhabi in rasantem Tempo weiter. 1971 zog sich Großbritannien als Protektionsmacht aus der Region zurück. Der erste Präsident der neu gegründeten Arabischen Emirate, Zayid bin Sultan Al Nahyan, machte Abu Dhabi zur Hauptstadt. In der Folgezeit ließ er die Stadt nach einem schachbrettartigen Masterplan ausbauen und legte Wert auf Blumenbeete und Palmenhaine. 2001 erreichte allein die Kernstadt von Abu Dhabi eine Einwohnerzahl von 530.000, 2010 überstieg sie die 800.000-Einwohner-Marke. Inzwischen setzt sich das Wachstum auf künstlichen Inseln und im Küstenvorland fort – oder manifestiert sich in immer höheren Wolkenkratzern. Die Tourismusbehörde wirbt mit „einem pulsierenden kosmopolitischen Lebensstil“ um Besucher und die Bauvorhaben werden immer extravaganter.
Wolkenkratzer. Foto: Getty Images
Einen von Abu Dhabis historischen Schauplätzen erweckt heute der Central Market zu neuem Leben. Der moderne Souk – so die Bezeichnung der Geschäftsviertel orientalischer Städte – ist zentraler Teil des 500.000 Quadratmeter großen neuen Stadtviertels im Herzen der Stadt, die inzwischen rund 900.000 Einwohner zählt.

Oberflächen aus Holz, fließendes Wasser und lebendige Farben; abwechslungsreiche Plätze, Gassen und Innenhöfe, die mit Sonnenlicht und Schatten spielen: Der Central Market lädt ein zum Streifzug durch Luxusläden und Märkte für Lebensmittel und Handwerksgegenstände.

Zwischen 2006 und 2011 erbauten Foster + Partners im Auftrag von Aldar Properties, einem Unternehmen im Bereich Immobilien-Erschließung, -Management und -Investment, den Einkaufskomplex. Statt eine weltweit austauschbar wirkende Shopping-Mall zu errichten, ließen sich die Architekten von der traditionellen Architektur der Golfstaaten inspirieren.
Souk: In Abu Dhabi regieren Moderne und ­Tradition zugleich. Der Central Market mit seinem Mix aus arabischer Architektur und futuristischem Design könnte deshalb zu einem neuen Wahrzeichen der Hafenstadt werden. Foto: SCHOTT/I. Naqi

Im Rausch aus Licht und Farben


Für eine besondere Lichtstimmung im Innern sorgen große Ornamentfenster mit farbigen Gläsern in kräftigen Blau- und Gelbtönen, welche die Eingänge zum Souk markieren. Das einfallende Sonnenlicht ziert Boden und Wände mit farbigen Mustern. Damit tragen die Fenster zu einer Farb- und Lichtatmosphäre bei, wie sie für arabische Märkte mit ihren bunten Stoffen und dem Lichteinfall in den schmalen Gassen charakteristisch ist. Die bis zu 13,80 Meter hohen und 2,80 Meter breiten Fassadenteile bestehen aus Farbgläsern von SCHOTT in verschiedenen Blau- und Gelbtönen. Dabei handelt es sich um ein durchgefärbtes Glas mit einer glatten, feuerpolierten Oberfläche, das SCHOTT in verschiedenen Farbtönen anbietet. Es lässt sich genau wie herkömmliches Glas zu Verbundsicherheits- und Isolierglas verarbeiten und so bei Bedarf mit einer Reihe von Zusatzfunktionen kombinieren. In diesem Fall wurde es mit einem Sonnenschutzglas auf der Außenseite zu Isolierglas zusammengefügt. Stahlrahmen in Form von Sternen und Vielecken in arabischem Stil fassen die Gläser ein. Die Designvorstellungen der Architekten nach deren Gestaltungswünschen umzusetzen, war nur eines der Ziele. Auch die klimatischen Bedingungen von Abu Dhabi spielten bei der Auswahl der Scheiben eine Rolle. So leistet das Sonnenschutzglas auf der Außenseite einen Beitrag zur energiesparenden Klimatisierung des Gebäudes – ganz im Sinne einer nachhaltigen Architektur. Soweit es die Außentemperaturen erlauben, sorgen natürliche Ventilation und Abschattung für eine energiesparende Kühlung. In den heißesten Monaten des Jahres lassen sich viele offene Bereiche durch zusätzliche Dächer und mobile Wände abschotten und gezielt kühlen. Zu einer nachhaltigen Bauweise tragen außerdem die natürliche Beleuchtung sowie eine entsprechende Auswahl der Materialien bei. In einem weiteren Bauabschnitt entsteht auf dem Central Market derzeit ein weiterer Gebäudekomplex in vergleichbarem Design. Wie im Souk sollen auch hier für die ornamentartig gestalteten Fassadenelemente Farbgläser von SCHOTT – jetzt in Grün- und Gelb­tönen – eingesetzt werden.
Das neue Stadtviertel Abu Dhabis bietet seinen Besuchern künftig einen faszinierenden Mix aus Luxusläden, Boutiquen, Freizeitangeboten, Kinos, Restaurants und Cafés sowie Parkmöglichkeiten für über 5.000 Fahrzeuge. Vor Ort befindet sich ebenso eine traditionell gestaltete Moschee mit Platz für 1.500 Personen. Diese Szenerie überragen drei Hochhäuser des Architekturbüros Foster + Partners: ein 52-stöckiges Fünf-Sterne-Luxus-Hotel, ein 58-stöckiger Bürokomplex sowie ein Appartement-Gebäude mit 88 Geschossen. Das Projekt Central Market ist nicht das einzige gigantische Bauvorhaben, mit dem Abu Dhabi in den vergangenen Jahren von sich reden machte. Frank Gehry legte Pläne für ein Guggenheim Abu Dhabi vor, Jean Nouvel gar für einen Louvre Abu Dhabi – um nur die größten der geplanten Museen zu nennen. Doch seit der Wirtschaftskrise muss nicht nur der Nachbar Dubai, sondern auch Abu Dhabi bei der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Bauprojekte einen Gang zurückschalten. Und so lässt die Verwirklichung der spektakulären Museen noch auf sich warten. Der Central Market hingegen, mit seinen drei glänzenden Türmen und seiner Kombination aus klassisch arabischer Architektur und gekonnt futuristischem Design, könnte zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt werden – und schon bald für Abu Dhabi stehen wie die Champs-Elysées für Paris oder die 5th Avenue für New York. <|
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