SCHOTT solutions Nr. 1/2011 > Pen-Systeme

Mit dem Pen als Injektionshilfe wird die Insulin-Dosierung mittels der Patrone einfacher, exakter, vor allem zuverlässiger und komfortabler. Foto: Novo Nordisk

Mit Hightech gegen Volkskrankheit


Diabetes ist weltweit auf dem Vormarsch. Patientenfreundliche Pen-Systeme mit SCHOTT Karpulen erleichtern die Behandlung beträchtlich.


Michael Bonewitz

Für die International Diabetes Federation (IDF) in Brüssel ist es die „Epidemie des 21. Jahrhunderts”: Diabetes Mellitus, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt. Der Name bezieht sich auf das Hauptsymptom der Krankheit, das bereits vor mehr als 4.000 Jahren erkannt wurde: Zucker im Urin. Bei Diabetikern ist das Zusammenspiel zwischen Insulin und Zucker im menschlichen Körper auf unterschiedliche Weise gestört. Mit fatalen Folgen: Ohne Insulin können die Zellen keinen Zucker mehr aufnehmen. Dies hat massiven Einfluss auf viele Körperfunktionen. So führt der Mangel an Zucker zu einer allgemeinen Schwäche und Müdigkeit.

„Weltweit leiden rund 285 Millionen Menschen an Diabetes”, erklärt Dr. Jürgen Sackhoff, Executive Vice President des Geschäftsbereichs Pharma­ceutical Systems bei SCHOTT. „Allein in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der betroffenen Patienten nahezu verdoppelt.”

Unterschieden wird hauptsächlich zwischen zwei Krankheitstypen: Der eher seltene Diabetes mellitus Typ 1 etwa kann in jedem Alter auf­treten, meist sind die Betroffenen bei Ausbruch unter 20 Jahre alt. Bei Menschen mit einem Diabetes mellitus Typ 1 kann der Körper kein Insulin mehr produzieren, hier ist eine tägliche, an Lebensweise und Ernährung angepasste Insulinzufuhr lebensnotwendig.

90 Prozent aller Diabetiker leiden allerdings unter dem Typ 2. Die Erkrankung tritt häufig im mittleren Lebensalter auf, meist sind die Patienten übergewichtig. Ihre Bauchspeicheldrüse produziert zunächst zwar ausreichend Insulin, dieses wird aber zu langsam und zum falschen Zeitpunkt freigesetzt oder wirkt aufgrund einer Resistenz gegen die Insulinwirkung nicht ausreichend. Neben erblicher Vorbelastung sind eine un­gesunde Ernährung und Bewegungsmangel wesentliche Risikofaktoren.

Diabetes Mellitus wird daher häufig als Wohlstandskrankheit bezeichnet. Experten gehen davon aus, dass in vielen Ländern Diabetes-Erkrankungen rasant ansteigen werden. Allein in den so genannten BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – werden laut Prognosen bis 2030 über 170 Millionen Menschen an Diabetes erkranken. Eine Ent­wicklung, die die pharmazeutische Industrie weltweit vor neue Herausforderungen stellt.
Bereits 1985 brachte Novo Nordisk den ersten Insulin-Pen weltweit im Format eines Füll­federhalters mit auswechselbaren Insulinpatronen auf den Markt – als Alternative zur Spritze. Heute ist diese patientenfreundliche Form der Verabreichung Standard. Foto: Novo Nordisk
Als Pionier in der Insulinforschung gilt das Pharmaunternehmen Novo Nordisk, das sich als oberstes Ziel gesetzt hat, Diabetes eines Tages zu heilen. Firmengründer und Nobelpreisträger August Krogh handelte aus eigener Betroffenheit, denn seine Frau Marie litt unter Typ 2 Diabetes. 1921 besuchten sie gemeinsam das Forschungszentrum der Universität Toronto, das erstmals Menschen mit Insulin behandelte. Dort erhielt August Krogh auch die Erlaubnis, die erste Insulinproduktion in Skandinavien ins Leben zu rufen.

Heute ist Novo Nordisk mit rund 30.000 Mitarbeitern ein international tätiger Pharmakonzern mit Hauptsitz in Dänemark und Tochtergesellschaften in 79 Ländern. Rund 15 Prozent des Umsatzes gehen in Forschung und Entwicklung. Damit ist Novo Nordisk nicht nur das größte private Forschungsunternehmen Dänemarks, sondern weltweit der größte Investor in der Erforschung des Diabetes mellitus. Im vergangenen Jahr gab das Unternehmen, das auf proteinbasierte Wirkstoffe und Hormone spezialisiert ist, allein in diesem Bereich etwa eine Milliarde Euro für die Forschung aus.

1985: Erster Insulin-Pen der Welt auf dem Markt


Eine der wegweisenden Erfindungen bei der Behandlung des Diabetes ist das Pen-System. Bereits 1985 brachte Novo Nordisk weltweit den ersten Insulin-Pen im Format eines Füllfederhalters mit auswechselbaren Insulinpatronen auf den Markt. Früher wurde Insulin ausschließlich mit einer Spritze verabreicht. Dies führte nicht selten dazu, dass man Diabetiker als Drogensüchtige verunglimpfte. Mit dem Pen als Injektionshilfe ist nicht nur die Anwendung dezenter, auch die Dosierung mittels der Patrone ist viel einfacher, exakter, vor allem zuverlässiger, individuell einstellbar und komfortabler. Kurzum, patienten­freundlicher.

Aufbewahrt wird der Wirkstoff in einer Karpule, die in das Pen-System eingesetzt wird. Ein weltweit führender Hersteller dieses Glaskörpers ist SCHOTT. Das Unternehmen kann den Pharmazeuten Karpulen mit sehr engen dimensionellen und kosmetischen Toleranzen zur Verfügung stellen, die insbesondere für die einwandfreie und effiziente Abfüllung auf hochmodernen Abfüllanlagen notwendig sind. „Unsere Pen-Systeme sind echte Hightech-Produkte, da geht es um äußerste Präzision und um Top-Qualität gerade bei den Glas­körpern, und auf diesem Gebiet ist SCHOTT führend”, erklärt Jörn Oldigs, Geschäftsführer der Novo Nordisk Pharma GmbH in Deutschland.
Bewegung hilft im Kampf gegen Diabetes. Darum sponsern Novo Nordisk und SCHOTT den Novo Nordisk Gutenberg Marathon in Mainz, Deutschland. Foto: Novo Nordisk
SCHOTT setzt Fiolax® Röhrenglas als Ausgangsmaterial ein, um die anspruchsvollen Kundenwünsche zu erfüllen. Das Spezialglas steht für gute Verarbeitbarkeit durch enge Toleranzen und hohe kosmetische Qualität. Die hochmodernen Produktionslinien zu seiner Verarbeitung sind weltweit mit einem speziellen Inline-Kontrollsystem ausgestattet. Damit wird gewährleistet, dass nicht nur die Dimensionierung des Glas­körpers zu 100 Prozent überprüft wird, sondern auch kleinste kosmetische Fehler der Glasoberfläche wie Kratzer entdeckt werden. Durch den Einsatz des hochempfindlichen und selbst entwickelten visuellen „Automatic inspection systems” (AIS) können Beschädigungen vermieden werden, die im späteren Abfüllprozess zu Glasbruch führen können.
SCHOTT ist führender Hersteller von Karpulen für Pen-Systeme und setzt dafür SCHOTT Fiolax® Röhrenglas ein, um die anspruchsvollen Kundenwünsche zu erfüllen. Foto: SCHOTT/Hauser & Eisenhut
„Unsere Produktionsstätten sind global aufgestellt, mit einheitlichen Fertigungslinien”, erklärt Dr. Bernhard Hladik, Produktmanager bei SCHOTT für das Karpulen-Geschäft. „So können wir unsere Kunden weltweit von mehreren Standorten aus mit Produkten in der gleichen, hochwertigen Qualität lokal beliefern.”

Die Novo Nordisk Deutschlandvertretung und die SCHOTT AG haben beide ihren Firmensitz in Mainz. Die räumliche Nähe führte inzwischen zu einer Initiative unter dem Slogan „Zukunftsperspektive Diabetes”.

Neben Aktivitäten in Wissenschaft und Forschung geht es unter anderem auch um Aufklärung und Prävention. Außerdem sponsern beide Unternehmen den Novo Nordisk Gutenberg Marathon, um auf die hohe Bedeutung von regelmäßiger Bewegung hinzuweisen, gerade bei der Vor­beugung des Diabetes Typ 2. <|
SCHOTT Website
Karpulen aus Glas