SCHOTT solutions Nr. 1/2011 > Umweltschutz

Von Sand bis Glasscherben werden für die Glasproduktion viele Rohstoffe verwendet (Bild unten links). Zum Schutz der Umwelt verzichtet SCHOTT bei der Herstellung der Pyran® Platinum Glaskeramik für Brandschutzverglasungen auf die Schwermetalle Antimon und Arsen. Foto: SCHOTT/J. Meyer

Nachgewiesen umweltfreundlich


SCHOTT hat in den USA für die feuerbeständige Glaskeramik Pyran® Platinum erfolgreich die Cradle to Cradle® Zertifizierung (C2C) in der Qualitätsstufe Silber erhalten.


Karen Wegert

Die Fragen der Nachhaltigkeit und des Lebenszyklus eines Produktes werden immer wichtiger. Dies umso mehr, als Verbraucher und Experten ökologische Behauptungen zunehmend hinterfragen.

Da SCHOTT seit jeher bestrebt ist, Kundenforderungen nach umweltfreundlichen Produkten und Fertigungsprozessen zu erfüllen, ließ sich das Unternehmen dies 2010 auf dem US-Markt mit einem Öko-Label für die feuerbeständige Glaskeramik ­Pyran® Platinum von offizieller Seite bestätigen. Zu Beginn des Zertifizierungs-Bewerbungsverfahrens galt es aufzuzeigen, wie das Unternehmensziel, die Umwelt zu schützen und natür­liche Ressourcen zu erhalten, erreicht werden kann. Eine Möglichkeit ist die Vermeidung von Schwermetallen, die beim Schmelzen von Glaskeramik als Läutermittel eingesetzt werden: Bei der im Microfloatverfahren hergestellten Pyran® Platinum Glaskeramik für Brandschutzverglasungen in der Architektur wird beispielsweise auf die Läutermittel Antimon und Arsen verzichtet. Als nächste Herausforderung galt es Kunden der Baubranche vom Zusatznutzen des umweltfreundlichen, feuerbeständigen Produkts zu überzeugen.
Foto: SCHOTT
In diesem Zusammenhang schien das C2C-Zertifizierungsprogramm von McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) geeignet, zumal dieses mit dem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), einem System zur Klassifizierung für Ökologisches Bauen, verknüpft ist: Mit C2C-zertifizierten Produkten ausgestattet, können sich Gebäude aufgrund ihrer innovativen Ausgestaltung in jedem LEED-Bewertungs­verfahren qualifizieren. Die C2C-Zertifizierung ist ein strenges Öko-Label, das alle Aspekte der Fertigung, einschließlich der Rohstoff-Toxizität für Mensch und Umwelt, Recycling­fähigkeit, Nutzung erneuerbarer Energien, Gewässerschutz und soziale Verantwortung, bewertet. Auch die eingehende Prüfung der Fertigungsstätte zählt dazu.
Pyran® Platinum ist die weltweit erste im Microfloatverfahren produzierte transparente Glaskeramik. Dabei wird die Glasoberfläche spiegelglatt, das Polieren kann entfallen. Foto: SCHOTT
Im ersten Schritt musste SCHOTT die chemische Zusammensetzung des Produkts gemeinsam mit den Spezifikationen von sämtlichen Rohstofflieferanten sowie detaillierte Prozessflussdiagramme der Produktionsabläufe offen legen.

Im zweiten Schritt des Bewerbungsverfahrens wurden zunächst Energie- und Wasserverbrauchsdaten in der bei SCHOTT Technical Glass Solutions in Jena betriebenen Anlage ermittelt. „Nachdem es uns bislang darum ging, unsere Produktionsprozesse umweltfreundlicher zu gestalten, haben wir mit dem C2C-Programm gelernt, die Gesamtheit aller umweltrelevanten Auswirkungen unseres Produkts zu bedenken”, erläuterte Friedemann Töpfer, Qualitätsmanager bei SCHOTT.

20 Prozent der benötigten Elektrizität stammt aus erneuerbarer Energie: Der vor Ort generierte Solarstrom wird ins Netz eingespeist. Am Standort Jena ebenso wichtig ist der Gewässerschutz. MBDC wurde ein Wasserhaushalt- und Flussdiagramm zur Verfügung gestellt, das Wasser­nutzung und Schmutzwasserströme zeigt: 90 Prozent des gesamten Nutzwassers am Standort stammen aus Sanitärabwässern. Frischwasser wird nur als Trinkwasser und für sensible Fertigungsschritte genutzt. Das Produktionswasser läuft komplett durch Endlosschleifen, lediglich Verdunstungsverluste werden ersetzt.

Die Erfahrungen mit dem C2C-Zertifikationsprozess – SCHOTT erhielt dafür „Silver Level“ – waren sehr positiv. Die Zertifizierung wird jährlich geprüft, um Bewerbern zugleich eine höhere Zertifizierung zu ermöglichen. SCHOTT hat durch C2C für seine Glaskeramik ein Recyclingprogramm implementiert, das in den USA lange für technisch nicht realisierbar gehalten wurde. Im Unternehmen gibt es bereits Überlegungen, in anderen Märkten für umweltfreundliche Produkte ebenfalls eine C2C-Zertifizierung anzustreben. <|

 

Abfall ist gleich Lebensmittel

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ist „Verschwenden” ein Wort, das negativ besetzt ist. Das Cradle to Cradle® (C2C) System sagt hingegen, dass mit „Abfall = Lebensmittel” sowohl die Industrie als auch unser Planet ernährt werden können. Vorbild ist die Natur, die im Überfluss produziert und alles Alte zum Aufbau von Neuem verwertet. Wie diese Prinzipien als Modell für die Industrie genutzt werden können, beschreibt das Buch „Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things”, mitherausgegeben durch den Architekten William McDonough und den Chemiker Michael Braungart. Die innovativen Macher begründeten das Cradle to Cradle® System, das Hersteller auffordert, bei der Produktentwicklung die Wiederverwertung zu bedenken, Verantwortung gegenüber Kunden zu über­nehmen und die verwendeten Materialien im Kreislauf zu halten. <|