SCHOTT solutions Nr. 1/2011 > Technologiemanagement > Interview

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing. Günther Schuh Foto: Fraunhofer IPT

Einheitliche Prozesse sind Pflicht


Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing. Günther Schuh, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT, zu den Erkenntnissen des Konsortial-Benchmarkings im Technologiemanagement.

Christine Fuhr

solutions: Welchen Ansatz verfolgt das Fraunhofer IPT in seiner Forschung?

Prof. Schuh: Unser Ziel ist es vor allem, praxis­taugliche und nachhaltige Lösungen im Umgang mit Technologien zu erarbeiten. Die Ansätze, die wir für das Technologiemanagement entwickeln, sollen den Unternehmen Erfolg und einen Mehrwert im Wettbewerb bringen.

solutions: Wie lauten die aktuellen Herausforderungen im Technologiemanagement?

Prof. Schuh: Unternehmen müssen wissen, wo Wissen entsteht und geeignete Netzwerke zur Technologiefrüherkennung in Form von Communities aufbauen. Sie müssen sich fragen, wie sie ihre langfristige Planung an den Megatrends der Gesellschaft ausrichten können, um latente Kundenerwartungen zu antizipieren. Außerdem gilt es, die eigenen Prozesse in den Griff zu bekommen, aber gleichzeitig flexibel genug zu sein, um mit geänderten Rahmenbedingungen umgehen zu können. Es muss darüber hinaus eine Kultur etabliert werden, die Kreativität und Innovationen fördert, um die vorhandenen Fähigkeiten im eigenen Unternehmen intensiv zu nutzen.
solutions: Was machen die „Successful Practice” Unternehmen besser als andere?

Prof. Schuh: Wir haben festgestellt, dass durchgängige und unternehmensweit einheitliche Prozesse das Rückgrat eines erfolgreichen Technologiemanagements sind. Mindestens genau so wichtig ist es aber, in der Unter­nehmenskultur den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Das spornt zu innovativen Lösungen an! Und wenn Vorgehensweisen von vorneherein flexibel ausgelegt sind, lassen sich auch unvorhergesehene Situationen meistern.

solutions: Welche (drei) Faktoren waren speziell bei SCHOTT erfolgsentscheidend?

Prof. Schuh: Bei SCHOTT fiel uns besonders die Durchgängigkeit der Prozesse positiv auf. Sie dienen dazu, systematisch neue Technologien zu identifizieren und in konkrete Produkte unterschiedlicher Geschäftsbereiche zu überführen. Außerdem ist SCHOTT sehr erfolgreich darin, das Technologiepotenzial umfassend abzuschöpfen. Die entwickelten Technologien werden nicht nur in den eigenen Produkten eingesetzt, sondern es werden auch aktiv andere Möglichkeiten außerhalb des Unternehmens zur Kommerzialisierung der Technologien, beispielsweise über die Lizenzierung, genutzt. Ergänzt wird dies durch ein effektives und effizientes Controlling, das sich auf die relevanten quantitativen und qualitativen Kennzahlen stützt, die dem Unternehmen ein Gefühl dafür geben, wie erfolgreich die eigenen Strategien, Prozesse und Strukturen wirklich sind.

solutions: „Wer alles unter Kontrolle hat, ist zu langsam” – wie ist das zu verstehen?

Prof. Schuh: Das ist im Zusammenhang mit dem Controlling zu verstehen: Wer die Leistungsfähigkeit des Technologiemanagements bis zur zweiten Nachkommastelle misst, braucht unglaublich viel Zeit, um am Ende doch nur ein Gefühl für die eigentliche Situation zu bekommen.

solutions: Wann wird es das nächste Benchmarking-Projekt geben?

Prof. Schuh: Das Konsortial-Benchmarking im Technologiemanagement findet jedes Jahr im Wechsel mit dem Konsortial-Bench­marking im Einkauf statt. Die nächste Runde im Technologiemanagement planen wir also für 2012. Anmeldungen nehmen wir natürlich gern jetzt schon entgegen. <|
Das Fraunhofer IPT erarbeitet Systemlösungen für produzierende Unternehmen. Die Schwerpunkte liegen u. a. im Bereich Prozesstechnologie und Technologiemanagement. Foto: Fraunhofer IPT