SCHOTT solutions Nr. 1/2010 > Interview

Foto: SCHOTT/A. Sell

Träume mit der Wirklichkeit verbinden


Wie Designer und Technologen gemeinsam neue Lösungen für die Flugzeugkabine kreieren, beleuchten Christine Lüdeke von ludekedesign und Armin Plichta, General Manager Aviation und Automotive bei SCHOTT.


Thilo Horvatitsch

solutions: Frau Lüdeke, Sie gestalten seit 20 Jahren Flugzeugkabinen. Wie hat sich die Rolle des Innenraumdesigns verändert?

Lüdeke: Früher nutzten Airlines vor allem neueste Technik, um sich im Wettbewerb zu differenzieren, heute ist es Design. Spannend sind dabei Themen wie Branding, aber auch Gewichtseinsparung und Umweltfreundlichkeit. Design kann neue Lösungen mit anderen Materialien und Formen finden. Es erfüllt die gewachsenen Ansprüche der Passagiere – Stichwort „IKEA-Generation”. Design gehört heute zur Flugreise ebenso wie Catering.

Plichta: Ein Beleg ist das Jahresvolumen von 20 Milliarden US-Dollar weltweit für Flugzeuginnenausstattung.

solutions: Dürfen Designer entsprechend experimentierfreudig sein?

Lüdeke: Wir versuchen eine Balance zu finden zwischen Kundenwünschen und eigenen Ideen. Entscheidend ist die Umsetzungsphase in Zusammenarbeit mit der Airline. Dabei ­finden wir oft ungeahnte Lösungen. Es geht immer darum, die Potenziale der Einzelnen im Teamwork zu übertreffen.

solutions: Gilt das auch für Ihre Arbeit mit SCHOTT?

Lüdeke: Ja. SCHOTT ist sehr designsensibel, umgekehrt öffnen wir uns auch der Technik. Wir sprechen eine gemeinsame Sprache und tauschen nicht nur Know-how aus. So kommen wir schnell zu neuen Designideen im Rahmen des technisch Machbaren. Für mich heißt das, Träume mit der Wirklichkeit verbinden.

Plichta: Genau darauf arbeiten wir hin. Wir machen uns mit den Marktanforderungen vertraut und versuchen die Technik so anzulegen, dass Design besser realisierbar wird. Das Ergebnis ist Technik in Design verpackt. Lösungen bieten wir nicht nur auf Nachfrage, sondern proaktiv an.

solutions: Bitte ein Beispiel!

Plichta: ludekedesign und SCHOTT haben eine neue Leseleuchte entwickelt, die im Sitzrücken eingebaut ist. Für die Economy-class ist dies eine Innovation, uns stellte es vor Herausforderungen wie die Integration der LED-Leuchte zum Ausklappen bei geringer Einbautiefe oder die Minimierung der Hitzeentwicklung trotz hoher Lichtleistung.

solutions: Zeigten die Airlines bereits Interesse?

Plichta: Ja. Übrigens werden wir wegen unserer Anwendungsnähe als Lösungs- und nicht als Technikanbieter wahrgenommen. Airlines laden uns ein, damit wir Vorschläge zur Kabinenausstattung oder für spezielle Beleuchtungseffekte machen. Dabei hilft auch unsere Kooperation mit Designbüros, da kaum eine Airline eigene Designer beschäftigt.

solutions: Was dürfen wir in Zukunft erwarten?

Lüdeke: Spannend ist die Weiterentwicklung der Economy-Class-Sitze. Reizen würde mich auch das schwierige Thema, wie sich die Bordküche für Passagiere öffnen lässt – nach dem Vorbild des Show-Cooking. Die Schaffung kommunikativer Räume im Flugzeug hat erst begonnen.

Ludekedesign und SCHOTT