SCHOTT solutions Nr. 1/2010 > Luftfahrt

Lichtdesign an Bord der Boeing-777-300-Jets von All Nippon Airways auf der Langstrecke Tokio – New York: Die komfortablen Sitze der neuen Business-Klasse (oben) erhielten große Seitentische mit einer speziellen Konturbeleuchtung von SCHOTT in sanft leuchtendem Blau sowie eine persönliche Leseleuchte (unten). Fotos: ANA

Wohlfühlen mit Licht


Interior-Designer für Flugzeuge und Autos entdecken die Chancen intelligenter Innenraumbeleuchtung. SCHOTT ist Impulsgeber mit innovativen Lösungen.


Thilo Horvatitsch

Geht es um das kundenbindende Flugerlebnis, greifen die Fluggesellschaften verstärkt zu ausgeklügelten Design-Lösungen. So erfreuen die japanischen All Nippon Airways (ANA) ihre Fluggäste seit April 2010 zunächst auf der Langstrecke Tokio – New York mit exquisitem Komfort. Die modern ausgerüsteten Jets der 777-300-Reihe von Boeing bieten nun ein geräumigeres Kabinen-Ambiente mit neuen Sitzen in allen Klassen samt wohldurchdachten Services. „Wir werden unsere Fluggäste wortwörtlich und im übertragenen Sinn zu inspirierenden Momenten und Orten führen”, versprach Shinya Katanozaka, Executive Vice President Products and Services von ANA, bei der Präsentation im November 2009.
 

„Die Fluggesellschaften haben entdeckt, dass man mit Licht die Wahrnehmung und das Erleben steuern kann.”

Dr. Armin Plichta, General Manager Aviation and Automotive, SCHOTT Lighting and Imaging

 
Eine Detaillösung darf man sicher zu diesen Inspirationen zählen: Die komfortablen Sitze der neuen Business-Klasse erhielten große Seitentische mit einer speziellen Konturbeleuchtung in sanft leuchtendem ANA-Blau. Das SCHOTT Produkt (siehe unten) ist eine innova­tive Antwort auf die wachsende Nachfrage der Airlines nach intelligenten Lösungen für die Kabinenbeleuchtung. Im Zentrum steht dabei der Gesamteindruck des Kabinen-Designs und die emotionale Wirkung auf den Passagier. „Die Fluggesellschaften haben entdeckt, dass man mit Licht die Wahrnehmung und das Erleben steuern kann. Wir reden hier über Beleuchtungskonzepte, um die Raum- und Komfortwirkung zu steigern oder auf verschiedene Flugphasen einzustimmen”, erläutert Dr. Armin Plichta, General Manager Aviation und Auto­motive bei SCHOTT Lighting and Imaging. Flexible Glasfasern, die ihr Licht seitlich abstrahlen, können zum Beispiel Konturen und Ambiente der Kabineneinrichtung hervorheben und dadurch aufwerten. Ihre Lichtführung bietet Passagieren auch eine Orientierungshilfe. Darüber hinaus verleihen spezielle Beleuchtungseffekte dem Raum die Illusion von Weite. Neuartige Mood-Lighting-Konzepte gehen noch weiter: zum Beispiel Beleuchtungssysteme, die das Licht während eines Langstreckenflugs sanft verändern, um damit auf den Biorhythmus der Fluggäste einzuwirken und Jetlag-Symptome zu lindern. Andere Ansätze verfolgen eine Ausleuchtung, die sich dem Flugablauf anpasst: etwa eine beruhigende Lichtstimmung beim Start, helle Lese- und Arbeitsbeleuchtung während des Flugs, gedämpfte Dinner-Atmosphäre beim Catering. Nicht zuletzt nutzen Airlines wie ANA Licht und Farbe auch, um das „Look and Feel” der Firmenmarke stärker in den Köpfen der Passagiere zu verankern.
Zukunftsweisende Beleuchtungskonzepte für Flugzeugkabinen zielen auf die Steigerung der Raum- und Komfortwirkung, die Einstimmung auf verschiedene Flugphasen oder sogar die Einwirkung auf den Biorhythmus der Passagiere, um Jetlag-Symptome zu lindern. Fotos: SCHOTT/T. Nowak
All diese Möglichkeiten gelingen jedoch nur mit speziellem Know-how. „Designer wissen, wie Raum, Farben und Licht zusammenwirken und das Flugerlebnis beeinflussen können. Techniker kennen die Anforderungen in der Anwendung sowie Wege, Design-Ziele in einsatzfähige Produkte umzusetzen. Wir kombinieren darum diese Kompetenzen bei der Kreation einer Vielzahl von Beleuchtungslösungen für die jeweiligen Kundenbedürfnisse”, sagt Dr. Plichta.

Damit findet SCHOTT nicht nur wachsendes Interesse im Luftverkehr, sondern auch in der Autoindustrie. „Wir sind an Konzeptstudien einiger Fahrzeughersteller beteiligt und sprechen mit Designern und Vorentwicklern”, sagt Stephan Schabacker, Business Manager Automotive. Vor allem in der Premium- und Mittelklasse wollen sich die Markenhersteller nun auch über neue Beleuchtungskonzepte im Fahrzeuginnenraum differenzieren. Im Visier stehen dabei weniger klassische Funktionslichter als vielmehr Mood-Lighting-Ansätze und die Schaffung eines attraktiven Ambientes im Sinne der Markenbindung. Hintergrund ist auch, dass sich die Menschen in den Industriegesellschaften immer länger in Fahrzeugen aufhalten. Lichtleisten an Türen, Konsolen und Konturen können hier Orientierung geben, individuell einstellbare Lichtstimmungen in verschiedenen Fahrsituationen oder bei längerer Fahrdauer unterstützen.

„Gerade Produkte wie unsere flexible Konturbeleuchtung ermöglichen hier völlig neue Design-Kreationen”, so Stephan Schabacker. Ihr Trumpf: Anders als die bisher eingesetzte Lichttechnik können sie auch bei direktem Sichtkontakt dezent strahlen, lenken also den Fahrer nicht ab. Außerdem lassen sie sich für die Autoindustrie auch mit Kunststoffmantel in vielseitigen Profilen herstellen und optimal verbauen. Stephan Schabacker sieht deshalb gute Einsatzchancen, zumal auch die Rahmenbedingungen stimmen: „Der Automotive-Markt für funktionale Beleuchtung wächst nur schwach, der für Mood- und Ambient Lighting zweistellig.” Verwandte Branchen wollen ebenfalls am beginnenden Trend teilhaben: „Was sich in der Interior-Beleuchtung im Flugzeug bereits etabliert hat oder im Auto anbahnt, setzt sich nun fort im gesamten Transportwesen, bei Bus, Bahn und Yacht”, so Armin Plichta. „Die Unternehmen differenzieren sich im Wettbewerb immer weniger über Technik und Sicherheit, aber immer mehr über Design, kundenspezifische Anpassung und ökologische Ausrichtung.”

Flexible Konturbeleuchtung