SCHOTT solutions Nr. 1/2010 > Profilrohr

Foto: perfecta

Rahmensysteme
aus Glas


Patentiertes Ziehverfahren der SCHOTT-Rohrglas GmbH ermöglicht attraktives Fenster-Konzept.


Michael Bonewitz

Ein Produkt, das im Fensterbau ­völlig neue ästhetische Akzente setzen soll, aber auch die Wertbeständigkeit und Haltbarkeit von Fenstern erhöht, hat das schwäbische Unternehmen „perfecta Fenster Vertriebs- und Montage GmbH” zur Marktreife gebracht: glyon, so der Produktname, ist eine formangepasste Glasvorsatzschale, die an der Außenseite von Fensterrahmen befestigt wird. „Immer wieder haben uns Kunden darauf hingewiesen, dass die Fensterscheiben nach Jahrzehnten noch völlig in Ordnung, dafür aber Fensterrahmen verwittert und verrottet sind”, erklärt perfecta-Geschäftsführer Franz-Josef Leix.
 

„Wenn die Scheibe so wetterbeständig ist, warum machen wir dann nicht auch den Rahmen aus Glas?”

Geschäftsführer von perfecta

 
Conturax® Pro Profilrohr lässt sich mit höchster Präzision weiterverarbeiten, etwa millimetergenau mit einem Laser schneiden sowie bohren und polieren. Foto: SCHOTT/J. Schleicher
Gemeinsam mit Projektentwicklern arbeitete perfecta daraufhin an einem Konzept für eine neue Fenstergeneration. „Wenn die Scheibe so wetterbeständig ist, warum machen wir dann nicht auch den Rahmen aus Glas, dachten wir uns”, so Leix. Leix wandte sich an SCHOTT. Bei der bayerischen Tochter SCHOTT-Rohrglas GmbH in Mitterteich wurde ein neuartiges Glasziehverfahren entwickelt und zum Patent angemeldet. Erstmals konnten statt kreisrunder Röhren auch Dreiecke, Quadrate oder Sechsecke im Ziehverfahren gefertigt werden. Deren Oberfläche ist weitgehend resistent gegen Kratzer, beständig gegen Reinigungsmittel; schnelle Temperaturwechsel sind für SCHOTT Profilrohre kein Problem, witterungsbeständig sind sie ohnehin. Dazu kommen eine hohe Planarität und Oberflächengüte, geometrische Genauigkeit für präzise Verarbeitung sowie die Fertigung in einem kontinuierlichen, patentierten Herstellungsverfahren. „Unser Produkt hat ein breites Formen- und Abmessungsspektrum. So lassen sich kundenindividuelle Winkelmaße realisieren. Zudem besteht die Möglichkeit, die Oberflächen mit Profilen zu versehen”, erklärt Hermann Tietze, bei SCHOTT-Rohrglas zuständig für den Vertrieb Technisches Rohr.

Das Profilrohr Conturax® Pro war das Ausgangsmaterial. Gemeinsam verfeinerten SCHOTT und perfecta das Rahmenkonzept. Inzwischen verwendet man fünfeckige Profilrohre, aus denen einzelne Segmente geschnitten werden. perfecta nutzt dafür eine von SCHOTT entwickelte Laserschneidemaschine. Für ein Fenster werden zwölf Meter lange Profilschienen benötigt. Ein Profilrohr mit einer Wandung von drei Millimeter und einer Länge von 4000 Millimeter wiegt neun Kilogramm. Daraus können dann 5 x 4 Meter Profilschienen gefertigt werden.

Kunden sehen bei den neuen Fenstern wahlweise im Innenraum Holz-, Kunststoff- oder Aluminiumrahmen. Die mit Hilfe eines Adapterprofils an der Fensteraußenseite befestigten Glasschalen werden auf der Rückseite in der gewünschten Farbe einbrennlackiert. „Durch die Wölbung des Glasvorsatzprofils entsteht eine phänomenale Tiefenwirkung der Farbe mit einer einzigartigen Brillanz”, erklärt Franz-Josef Leix. „Wir erhalten dadurch ein sehr ästhetisches Produkt, das nicht nur designorientierte Kunden begeistert.“ Das Premiumprodukt wurde mit großer Resonanz auf der Erfindermesse in Genf und der Baumesse in Dubai vorgestellt. Jetzt soll es sukzessive auf den Markt gebracht werden. An Weiterentwicklungen für verschiedene Verbindungsarten, etwa für zweiflügelige oder zweiteilige Fenster, wird gearbeitet.
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