SCHOTT solutions Nr. 1/2010 > Interview

Foto: ertex-solar

Trend nach oben


Dieter Moor, Geschäftsführer Marketing and Sales von ertex solartechnik, über das Engagement in der Solararchitektur und Zukunftsperspektiven gebäudeintegrierter Photovoltaik.


Christine Fuhr

solutions: Warum ist die Ertl Glas AG als Traditionsunternehmen im Bereich Glasbau und -bearbeitung zusätzlich in der Photo­voltaik aktiv?

Moor: Die Glasindustrie beherrscht historisch bedingt die Sprache der Architektur besser als reine Photovoltaik-Unternehmen. Insofern ist es sinnvoll, in dieses Geschäftsfeld einzusteigen, da ja sehr viele Glasflächen auch aktiviert werden können.

solutions: Worin liegt die Kompetenz von ertex solar?

Moor: Diese liegt im Zusammenführen der Vorteile der Glas- mit denen der Photovoltaik-Industrie – wir waren die ersten, die die Verbundsicherheitsglas-Technik (VSG) und Photo­voltaik vereint haben. Eine Kernkompetenz ist auch die Produktion von Isolierglas, so dass der Kunde immer nur einen Ansprechpartner hat.

solutions: Wie profitieren Ihre Kunden, speziell die Architekten?

Moor: Einerseits bieten wir standardisierte, erprobte und kostengünstige Lösungen an. Zugleich entwickeln wir auch individuelle, kundenspezifische Lösungen. Architekten können aufgrund der Kombination von Verbundsicherheitsglas mit Photovoltaik anspruchsvolle Ästhetik mit solarer Energie­gewinnung perfekt vereinen.
Die Herstellung der ertex solar Photovoltaikmodule in Verbundsicherheitstechnologie erfolgt in einem speziellen Autoklav. Hierbei werden zwei Glasscheiben, zwischen denen sich Kunststofffolien und Photovoltaik-Zellen befinden, zu einem gemeinsamen Verbund verbacken. Foto: ertex-solar
solutions: Welches sind die wichtigsten Referenzobjekte?

Moor: Absolutes Highlight ist der NTC-Tower in Khartoum/Sudan mit einer 2.000 Quadratmeter-Dünnschicht-Anlage; die eine Hälfte in SCHOTT ASI® opak, die andere Hälfte in SCHOTT ASI® Thru, der leicht durchscheinenden Variante. Weiteres wichtiges Projekt war der von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Prädikat in Gold ausgezeichnete Rewe Markt in Berlin. Viele Dünnschicht-Projekte sind dabei: etwa die Module für den Deutschen Pavillon auf der EXPO in Shanghai, ein Glasdach für eine Schule in Wien und die Fassade des Headquarters der SCHOTT AG.

solutions: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit SCHOTT?

Moor: Sehr gut! Wichtig ist die exakte Abstimmung zwischen allen Projektteammitgliedern. Als Kunde sind wir sehr zufrieden mit der Qualität der Solarzellen und Dünnschichtpanelen. Positiv auch: die schnelle und äußerst kompetente Betreuung.

solutions: Sind weitere Projekte mit SCHOTT in der gemeinsamen Pipeline?

Moor: Ja, und zwar eine Reihe von Entwicklungsprojekten mit längerem Vorlauf, wie die Deutsche Bank Frankfurt, ein Studentenwohnheim in Essen, ein Bürohochhaus der Uni Erfurt und die Saline Bad Dürkheim.

solutions: Wie beurteilen Sie die Zukunft gebäudeintegrierter Photovoltaik? Ist es nur ein Trend?

Moor: Sicher auch ein Trend, aber einer, der stark nach oben zeigt und nicht aufflackert und wieder versiegt. Sehr viele „Building Standards” deuten darauf hin, dass sich mehr tun wird. Photovoltaik ist im nachhaltigen Bauen als Mosaikstein im Gesamtsystem zu betrachten. Zuerst muss das Gebäudekonzept stimmen, um es energiesparend und umweltfreundlich zu gestalten, dann kann der Rest mit Photovoltaik gedeckt werden.

Die Chancen für Architekten, Eigentümer und die Gesellschaft bestehen darin, dass die bisher propagierte Passivhaus- zur Aktivhaus- Technologie werden kann. Welche Energieform kann das sonst von sich behaupten?