SCHOTT solutions Nr. 1/2009 > Pharmaverpackung

SCHOTT konzentriert sich auf das hochwertige Segment von Pharmaverpackungen, wo in China starkes Wachstum erwartet wird. Foto: SCHOTT/T. Hauser

Pionier im Reich
der Mitte


China entwickelt sich mehr
und mehr zu einem wichtigen Zentrum der Pharmabranche
und setzt zunehmend
anspruchsvolle
Qualitätsstandards.


Michael Bonewitz

Die Pharmaexperten weltweit sind sich einig: Über kurz oder lang wird die Bedeutung der pharmazeutischen Industrie in Asien deutlich zunehmen. Diese Auffassung teilen, laut jüngsten Umfragen, übrigens nicht nur die in Asien ansässigen Firmen, sondern inzwischen über 50 Prozent aller multinational tätigen Pharma-Unternehmen. Lag der Schwerpunkt bei der Herstellung medizinischer Produkte bislang in Nordamerika, Europa und Japan, etabliert sich in naher Zukunft ein weiterer großer Markt: in China. Gerade die Volksrepublik, das bevölkerungsreichste Land der Welt, spielt eine Schlüsselrolle in der Pharmabranche.

„China hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen und gehört zu den führenden Industriestaaten“, erklärt Dr. Jürgen Sackhoff, Leiter der Business Unit Pharmaceutical Systems bei SCHOTT.

Schon heute rangiert das Reich der Mitte nach den Pharmariesen USA, Deutschland und Japan im Kreis der Top Ten. Marktstudien gehen davon aus, dass China in den kommenden Jahren fünftgrößter und spätestens ab 2050 sogar der größte Pharmamarkt der Welt sein wird.

SCHOTT hat die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt. Als weltweit erster Importeur wurde SCHOTT-Rohrglas Ende 2007 von der staatlichen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde der Volksrepublik China, SFDA, für den chinesischen Markt zertifiziert und darf nun Fiolax® Spezialglasröhren nach China exportieren, die dann zu Ampullen, Fläschchen und Spritzen weiterverarbeitet werden.

Der Gesamtmarkt für pharmazeutische Rohrgläser wird auf jährlich über 150.000 Tonnen geschätzt. Noch ist das Premium-Segment für hochqualitative Verpackungen relativ klein. Doch für die kommenden Jahre erwartet man ein starkes Wachstum. Auf dem chinesischen Markt sind zudem bereits zahlreiche ausländische Firmen aktiv.
Das hochmoderne SCHOTT Werk in Suzhou erfüllt die höchsten internationalen Anforderungen für die Produktion von Pharmaverpackungen. Foto: SCHOTT/J. Siefke
„Die Zertifizierung ist für uns sehr wichtig“, ergänzt Peter Scherer, Vice President Marketing & Sales bei SCHOTT-Rohrglas, „denn sie unterstreicht gegenüber unseren chinesischen Kunden, dass wir mit unseren Produkten auch die anspruchsvollen chinesischen Qualitätsanforderungen erfüllen.“ Die State Food and Drug Administration (SFDA) – vergleichbar mit der Food and Drug Administration (FDA) in den USA – etabliert derzeit in der Volksrepublik ein anspruchsvolles Genehmigungsverfahren für pharmazeutische Produkte und setzt höchste qualitätsorientierte Standards.

„Dass wir weltweit der erste Lieferant in China sind, der sich zertifizieren ließ, unterstreicht, wie ernst wir den chinesischen Markt nehmen“, so Scherer weiter. „Für uns ist diese behördliche Genehmigung ein wichtiger Türöffner, zugleich signalisieren wir unseren Kunden, dass wir an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.“

Im fast zweijährigen Genehmigungsverfahren musste SCHOTT zahlreiche Anforderungen erfüllen, unter anderem ein komplettes Firmenprofil einreichen, die eingesetzten Rohstoffe deklarieren, die Qualitätssicherung offenlegen, Lieferanten benennen, Produktmuster sowie Glas- und Rohstoffprüfungen vorlegen.

„China ist auf dem richtigen Weg“, meint Dr. Sackhoff, „denn gerade auf dem Gebiet der Nahrungs- und Arzneimittelsicherheit können die Anforderungen nicht hoch genug sein.“ Die äußerst strengen Vorschriften setzen auch die lokalen chinesischen Wettbewerber unter Druck, die sich künftig mit zertifizierter Qualitätsware auf dem Heimatmarkt konfrontiert sehen. Dies gilt zugleich für Anbieter, die versuchen, über Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen diese Handelsvorgaben zu umgehen.
Qualitätsprüfung hochwertiger Pharmafläschchen am Standort Suzhou. In China verfügt SCHOTT als erster globaler Anbieter von Pharmaverpackungen aus Glas über eine eigene lokale Fertigung – und wurde als weltweit erster Importeur von Spezialglasröhren von der chinesischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde zertifiziert. Foto: SCHOTT/J. Siefke
Inzwischen hat SCHOTT von der SFDA auch die offizielle Lizenz erhalten, am chinesischen SCHOTT Standort Suzhou Ampullen und Fläschchen herzustellen und von hier aus die pharmazeutische Industrie in China zu beliefern.

Im Herbst 2008 wurde die neue Produktionsstätte eröffnet. Eine weitere Pionierleistung: Denn damit ist SCHOTT der erste multinationale Hersteller von anspruchsvollen Glasverpackungen, der eine eigene Produktion in China betreibt.

„Wir wollen in unserem hochmodernen Werk genau das anbieten“, erklärt der Vorsitzende des Vorstandes der SCHOTT AG, Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, „was die chinesischen Pharma-Unternehmen für die internationalen Exportmärkte vermehrt benötigen – nämlich qualitativ hochwertige Verpackungsprodukte.“

Die neue Fertigung ist für eine Kapazität von 100 Millionen Fläschchen und Ampullen pro Jahr ausgelegt, kann aber auch bei steigender Nachfrage weiter ausgebaut werden.

Ampullen und Fläschchen sind derzeit die wichtigsten und am häufigsten genutzten Pharmabehältnisse, „wir werden aber den Markt genau beobachten und wollen auch bei vorfüllbaren Spritzen und Karpulen eine aktive Rolle in China spielen“, so Sackhoff.

Auf 2.500 Quadratmetern baute SCHOTT eine hochmoderne Fabrik in Suzhou. Hochwertige Rohstoffe, anspruchsvolle Technologien und hochqualifizierte Expertise für Fläschchen und Ampullen sowie ein schlagkräftiger technischer Service sind die Stärken des Standorts. „Wir sind vor Ort und damit nah am Kunden, wir können schneller liefern und auch besser verstehen, was genau unsere Kunden wollen und benötigen“, beschreibt Prof. Dr.-Ing. Ungeheuer die strategische Entscheidung für China.
Die neue Fertigung in Suzhou ist zunächst für eine Kapazität von 100 Millionen Fläschchen und Ampullen pro Jahr ausgelegt. Fotos: SCHOTT/J. Siefke
Von Suzhou aus werden in erster Linie chinesische Unternehmen beliefert, die in der Vergangenheit zum Teil bereits von anderen SCHOTT Standorten versorgt wurden. Die neue Pharmaproduktion wurde zudem nach den gleichen anspruchsvollen Standards aufgebaut wie alle anderen Fertigungsstätten von SCHOTT: gemäß den Anforderungen von Good Manufacturing Practices (GMP).

„Mit unseren Produkten sehen wir uns allerdings nicht in Konkurrenz zu den chinesischen Unternehmen“, erläutert Dr. Sackhoff. SCHOTT ziele vielmehr auf den High-End-Markt ab, „wir können mit unserem Know-how und unseren Qualitätsprodukten die chinesische Pharmaindustrie unterstützen, sich international zu entwickeln, und ihr damit den Zugang zu den Weltmärkten eröffnen“. SCHOTT setzt mit seinem Engagement in China zudem einen weiteren wichtigen Baustein in puncto Versorgungssicherheit.

„Viele multinationale Pharmaunternehmen möchten nicht nur von einer einzigen Quelle beliefert werden, sondern wünschen einen zweiten Produktionsstandort als Back-up“, so Jörg Doescher, Sales Director Asia Pharmaceutical Packaging. SCHOTT hat daher in den vergangenen Jahren seine Back-up-Fähigkeit sukzessive ausgebaut. „Wir fertigen sowohl Glasröhren als auch die pharmazeutischen Behältnisse weltumspannend in gleichbleibender, konstant hoher Qualität an unterschiedlichen Standorten.“ Globale Produktionsstandards und Qualitätssysteme sowie ein extensiver Wissensaustausch unter Mitarbeitern auf verschiedenen Stufen weltweit schaffen somit eine optimale Versorgungssicherheit für SCHOTT Kunden in aller Welt. <|