SCHOTT solutions Nr. 1/2009 > Solarenergie

Weithin sichtbar, erfüllen die beiden Solar-Pergolen (im Kreis in der Mitte) wichtige Anliegen rund um die Verbesserung der Umwelt und des Lebensraums. Foto: BIMSA

Solararchitektur im öffentlichen Raum


Die Solar-Pergolen am Mittelmeerufer der spanischen Metropole Barcelona sind ein gelungenes Beispiel sozioökologischer Baukultur.


Alberto Zuniga / Thilo Horvatitsch

Schon von weitem sichtbar, ragt an der Flussmündung des Besos bei Barcelona eine interessante Solarstromanlage auf zwei Stabtragwerken empor. Die Pergola-Konstruktionen mit den im Zickzackmuster verlegten Solarmodulen bilden Überdachungen mit einer Gesamtfläche von rund 5.000 Quadratmetern. Darunter, im schattigen Säulenhof, ist viel Platz für Spaziergänge oder auch Freiluft-Veranstaltungen – inklusive Schutz vor Regen oder zu viel Sonne. Die ansprechende Solararchitektur erfüllt damit wichtige Anliegen moderner Stadtplanung: die Nutzung und Verbreitung erneuerbarer Energiequellen sowie die sinnvolle Gestaltung öffentlicher Räume. Denn im Wettbewerb der Städte und Regionen geht es heute um eine nachhaltig gesündere Umwelt, die Menschen verbindet und soziale sowie kulturelle Brücken schafft.

Solchen Leitgedanken verpflichtete sich die Stadt Barcelona bereits vor Jahren, als das „Forum Universal de las Culturas Barcelona 2004“ seine Pforten öffnete. Das internationale Forum verwandelte die Küstenzone bis zum Flusslauf des Besos von Mai bis September 2004 in einen kreativen Freiraum für Ideen und Initiativen zur Lösung der wichtigsten kulturellen und sozialen Probleme im 21. Jahrhundert.

Dies führte zu verschiedenen Projekten zur Verbesserung der Umwelt und des Lebensraums vor Ort. Dazu zählte auch die Errichtung von zwei Solarstromanlagen. Die erste ging 2004 auf dem Areal der Segelschule entlang des Besos in Betrieb und wurde zu einem Symbol des Kulturforums. Die zweite wurde später erbaut und schmückt nun das Dach der Abwasserkläranlage EDAR: die Solar-Pergolen.

Dieses Projekt kam zustande, weil in die Kläranlage eine zusätzliche Abwasseraufbereitung integriert wurde. Dazu war auch die Abdeckung der Anlage erforderlich. Das Dach der EDAR, eingebunden in den Mosaikboden des Platzes vor dem Forum, schuf so einen neuen öffentlichen Raum, dem die Solarstromanlage einen zusätzlichen Wert verleiht.

Der Auftrag für die schlüsselfertige Erstellung der Solaranlage wurde über eine öffentliche Ausschreibung des IDAE (Institut für Energiediversifizierung und -einsparung im spanischen Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus) als Eigner und Entwickler dem Unternehmen tfm Energía Solar fotovoltaica (COMSA- Gruppe) erteilt. Die Aufbauarbeiten wurden im September 2008 abgeschlossen. Die Photovoltaikanlage ist ausgestattet mit 2.453 rahmenlosen Doppelglas-Modulen aus kristallinem Silicium von SCHOTT Solar, sehr gut geeignet für die architektonische Integration. Deren Spitzengesamtleistung beträgt 658 Kilowatt-Peak, der geschätzte Energieertrag 739 Megawattstunden pro Jahr. Spezielle Profile ermöglichen den Zusammenbau der Module und die Dichtigkeit der Anlage. So bleibt der Raum unter den Pergolen geschützt und lässt sich nutzen für festliche Ereignisse oder als Treffpunkt für Besuche von Schulen und Universitäten. Für die Stadt Barcelona und ihre Besucher werden die Solar-Pergolen damit zu einem Zeichen nachhaltiger Baukultur und zu einem Vorbild für die architektonische Einbindung einer Solaranlage in eine öffentliche Einrichtung. <|
Im Zickzackmuster verlegt, bilden die 2.453 rahmenlosen Doppelglas-Solarmodule Überdachungen mit einer Gesamtfläche von rund 5.000 Quadratmetern – und bieten Schutz vor Regen und zu viel Sonne. Foto: SCHOTT