Architektur

„Wir wollen Architektur, die mehr hat …  Architektur, die leuchtet, die fetzt und unter Drehung reißt ...”. Wolf-Dieter Prix, HIMMELB(L)AU Foto: BMW
Dr. Hans-Peter Schwanke

Glaskegel und Wolkendach

Die Erlebnislandschaft »BMW Welt« des Münchener Autobauers BMW verbirgt hinter spielerischen Reflexen die exakte Umsetzung innovativster Technologien.

Es gibt neben Autos auch Bauten, die Kult sind. Für Modelle von BMW und des Architekturbüros COOP HIMMELB(L)AU gilt dies gleichermaßen. Bessere Voraussetzungen gibt es kaum, die Kreativität beider in einer optisch starken Rauminszenierung zu verschmelzen. Fußend auf grafischen Idealentwürfen gelang für BMW die signifikante bauliche Umsetzung von Tempo, Dynamik, Ingenieurkunst. Die gläserne »BMW Welt« suggeriert Fließen und Fahren. Das hoch gewuchtete, wallende Dach schwebt nicht nur auf elf Pendelstützen. Hauptträger bilden zwei auf die Spitze gestellte Kegel. Effektvoll an der Kreuzung platziert, manifestiert der futuristisch anmutende Eckpilz augenfällig den architektonisch-kommunikativen Ausgangspunkt des Wahrzeichens ohne rechten Winkel.
Bei der Lounge im dritten Obergeschoss kam SCHOTT Pyran® Glas zum Einsatz. Foto: BMW
Die für kulturelle Events konzipierte Figur des Doppelkegels besteht aus rostfreien Edelstahlbändern und -blechen. Zusammen mit der Glashaut gibt sie die Optik des Autopalastes vor. Die Ausformung entspringt aus der unteren Trägerrostlage des Daches. Allein für diesen Bauteil wurden 900 verschiedene Glaselemente gefertigt. Sie bestehen aus Dreiecksfeldern mit einer Seitenlänge von fünfeinhalb Metern. Bei der leicht eingeknickten Vorhangfassade des Hauptbaus wurden im unteren, um zehn Prozent nach innen geneigten Abschnitt acht Millimeter starke ESG-Scheiben eingesetzt. Der obere, um zehn Grad nach außen geneigte Teil besteht analog zum unteren aus VSG-Scheiben.
In die Fassade ist ein Heiz- und Kühlsystem in der Form wasserführender Stahlprofile integriert. Dies verhindert Kaltluftabfälle an den Glaswänden ebenso wie eine Aufheizung im Sommer oder Kondenswasserbildung. Durch Glasfronten und gläserne Deckenabschnitte fällt viel Licht in die transparente Halle. Das vermeintlich fliegende Dach differenziert formal den riesigen Raum nach Funktionen. Schwungvoll durchgezogene Rampen, Präsentationsflächen, Restaurants, Service- und Erlebnisbereiche durchziehen das ausdrucksstarke Gehäuse mit teils ausschweifenden edelstählernen Verkleidungen. Bei der Lounge im dritten Obergeschoss kam ein Glas von SCHOTT zum Einsatz. Zur Verhinderung eines Feuerüberschlages wurde hier unter Verwendung des Pyran® Stahl-Systems 363 eine innere Brandschutzverglasung über einen zurückversetzten Randverbund mit einem zusätzlichen Stahlfach an der die VSG-Scheiben tragenden Stahlkonstruktion befestigt. Das monolithische, thermisch vorgespannte Borosilicatglas nach DIN EN 13024 von SCHOTT Jenaer Glas verhindert nicht nur wirkungsvoll den Austritt von Feuer und Rauch, sondern bleibt selbst unter größten Belastungen durchsichtig. Eine Länge von 180 Meter, bis zu 130 Meter Breite sowie 28 Meter Höhe misst das im Oktober 2007 eröffnete Auslieferungzentrum. Eindrucksvoll behauptet es sich im Kontext der bestehenden BMW- und Olympiabauten gegenüber; allesamt Klassiker der Architekturgeschichte. Die Begeisterung am Fahren vermittelt die »BMW Welt« mit einem Konzept jenseits nüchterner Kisten und betonierter Abstellflächen, denen sie einen dialektischen Spiegel vorhält.
So einzigartig wie die Architektur erweist sich auch das Innere der »BMW Welt«. Bis ins kleinste Detail wird Besuchern hier der Anspruch des Besonderen vermittelt: Unterschiedliche Raumperspektiven, einfache Orientierung und ein Höchstmaß an Komfort schaffen eine faszinierende Atmosphäre. Foto: BMW