Interview

Foto: SCHOTT/A. Lechner
Jürgen Breier

Eine Welt der Kreativität

Helmut Swarovski, Geschäftsführender Gesellschafter von D. Swarovski & Co., über die Poesie des Kristalls und seine Leidenschaft für Präzisionswerkzeuge.

solutions: Swarovski ist für viele das Synonym für dekorative Kristallfiguren. Welche anderen Geschäftsfelder gehören noch zur Unternehmensgruppe ?

Swarovski: Wir sind ein stark diversifizierter Konzern und damit auf sehr vielen unterschiedlichen Feldern aktiv. Wir setzen zum Beispiel kreative Trends in der Modebranche, in der Innenarchitektur, bei Beleuchtungen und in der Optik. Gleichzeitig schaffen wir wegweisende Innovationen bei Produkten, zum Beispiel auf dem Schleifmittelsektor und in der industriellen Fertigung.

solutions: Der Erfolg des Unternehmens zeigt, dass Kristalle eine Faszination auf die Menschen ausüben. Was macht diese Anziehungskraft aus ?

Swarovski: Schon unser Firmengründer, mein Urgroßvater Daniel Swarovski, hat die emotionale Kraft von geschliffenem Kristall erkannt. Die außergewöhnliche Transparenz und Reinheit des Werkstoffs sowie seine durch den Präzisionsschliff erreichte Brillanz und Leuchtkraft erlauben es, den Kristall zu beleben und – poetisch gesprochen – eine wahre Sprache des Lichts zu schaffen.

solutions: Das Unternehmen Swarovski befindet sich vollständig in Familienbesitz. Wie gelingt es Ihnen, im internationalen Wettbewerb mit Kapitalgesellschaften an der Spitze zu bleiben ?

Swarovski: Wir sind stolz, dass wir seit der Gründung vor über 100 Jahren unsere Unabhängigkeit bewahrt haben. Ich bin sicher, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Wir haben engagierte und kreative Mitarbeiter, wir sind ein solide wirtschaftendes Unternehmen und wir sind innovativ und schnell. Nehmen wir zum Beispiel den Bereich Präzisionswerkzeuge. Von Anfang an strebte der Konzern danach, eigene Spezialwerkzeuge zu entwickeln und so optimale Qualitätsarbeit zu gewährleisten. Damit helfen wir den Kunden bei der Lösung ihrer Probleme und sorgen dafür, dass sie immer in den Genuss der besten Lösung kommen. Für mich als Techniker eine der faszinierendsten Aufgaben.

solutions: Die Zusammenarbeit zwischen SCHOTT und Swarovski ist traditionell gut. Wo sehen Sie noch Potenziale ?

Swarovski: Schon mein Urgroßvater pflegte Kontakte zu Otto SCHOTT. Die Geschäftsbeziehungen beider Unternehmen haben sich kontinuierlich intensiviert. In Zukunft werden wir noch stärker über die strategische Ausrichtung, Produkte und Kernkompetenzen, eingesetzte Fertigungstechnologien sowie die hieraus resultierenden gemeinsamen Entwicklungsthemen diskutieren.

solutions: Wo sehen Sie die größten Wachstumsfelder für Ihr Unternehmen ? Wie wird Swarovski in zehn Jahren aussehen ?

Swarovski: Wir sind gut aufgestellt, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Vor allem in der Kombination von traditionellen Aktivitäten und Zukunftsgeschäften sehe ich unsere Stärke. In den kommenden Jahren werden wir das Projektgeschäft sowie die anwendungsbezogene Entwicklung gemeinsam mit Kunden forcieren. Verstärken werden wir auch unser Engagement im Weihnachts- und Hochzeitsgeschäft. Gute Perspektiven sehe ich ebenfalls bei LED-Beleuchtungskomponenten, bei synthetischen Diamanten und in der Photovoltaik. Swarovski steht auch im nächsten Jahrzehnt für anspruchsvolle Fertigung, Qualität und Kreativität, und das weltweit mit Fokus auf die Mode- beziehungsweise Luxusgüterindustrie.